SZ 27.03.2026
12:52 Uhr

(+) Henning Höne: Das ist der Mann, der die FDP retten will


Bei den Liberalen ist ein offener Machtkampf ausgebrochen – der NRW-Landesvorsitzende Henning Höne will jetzt die Partei führen und neu ausrichten. Er findet, die Freiheit sterbe gerade „meterweise“.

(+) Henning Höne: Das ist der Mann, der die FDP retten will
Henning Höne, 39, ist seit 2023 Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen und kritisiert, dass seine FDP zuletzt oft als Protestpartei aufgetreten sei. Christoph Reichwein/dpa

Ausgerechnet zum bisher womöglich wichtigsten Pressetermin seiner politischen Karriere kommt Henning Höne zu spät. Der WDR, entschuldigt er sich, habe ihn filmen wollen auf dem Fußweg vom Düsseldorfer Landtag rüber in einen Co-Working-Space im passenderweise Medienhafen genannten Geschäftsviertel. Deshalb habe er leider besonders langsam und theatralisch gehen müssen. Höne grinst.

Er ist allerbester Laune am späten Donnerstagnachmittag. Sicherheitshalber stellt ihn sein Sprecher noch mal vor: Henning Höne, Landes- und Fraktionsvorsitzender der FDP in Nordrhein-Westfalen „und derzeit stellvertretender Bundesvorsitzender“. Betonung auf derzeit. Höne hat Großes zu verkünden: Er will die Führung der auf Grund gelaufenen Partei übernehmen.

Vor 13 Monaten sind die Liberalen aus der Bundesregierung geradewegs in die Vorhölle der außerparlamentarischen Opposition geschickt worden. 4,3 Prozent bei der Bundestagswahl. Christian Lindner gab die Parteiführung ab, Christian Dürr übernahm. Aber dieses Jahr hat mit zwei weiteren Tiefschlägen begonnen: Ausgerechnet im Unternehmer-und Porsche-Land Baden-Württemberg ist die FDP ebenfalls aus dem Parlament geflogen. Dann auch noch in Rheinland-Pfalz, wo sie bis eben noch mitregierte.

Seitdem ist immerhin zu spüren, dass entgegen jeder Ferndiagnose noch Leben in der FDP ist. Am Montag müssen sich wilde Szenen in den Gremiensitzungen abgespielt haben zwischen Christian Dürr und seinen Unterstützern sowie denjenigen, die ihn verantwortlich machen für das fortschreitende Siechtum der Partei. Am Ende verkündete man, der Bundesvorstand werde geschlossen zurücktreten.

Christian Dürrs Gegner, vorweg Henning Höne, sahen darin einen Weg, dass der Chef sein Amt auf gesichtswahrende Weise abgeben könne. Dürr sah es als Putschversuch. Und erklärte, dass er beim Parteitag im Mai wieder antrete. Jetzt kündigt Henning Höne die Gegenkandidatur an. Es herrscht offener Machtkampf.

Er sei davon überzeugt, sagt Höne in diesem optisch wie temperaturmäßig äußerst kühlen Co-Working-Besprechungsraum, dass die FDP einen Neuanfang brauche. Auch und insbesondere: einen personellen. Ob Dürr einen Platz in einem Führungsteam unter seiner Leitung haben würde, hat ihn die Frankfurter Allgemeine Zeitung gefragt. Höne: „Nein.“ Die weitaus prominentere Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die kurz öffentlich über eine Doppelspitze fantasiert hat, unterstützt hingegen Hönes Kandidatur.

Der Münsterländer Höne ist 2012 mit 25 Jahren in den Landtag eingezogen, seit 2022 ist er Fraktionschef, ein Jahr später übernahm er auch den Landesvorsitz der FDP, wenngleich er damals nur mit 54 Prozent der Stimmen gewählt wurde. Drei Jahre als Chef des größten FDP-Landesverbands haben ihm jetzt, mit 39, genug Selbstbewusstsein verliehen, es auf der Bundesbühne zu versuchen. Wobei eines seiner größeren Probleme werden dürfte, dass ihn außerhalb der FDP kaum jemand kennt.

Seine Selbstpräsentation als Vorsitzkandidat beginnt Höne in Düsseldorf mit einem Satz, den auch Guido Westerwelle gern zitierte: „Freiheit stirbt zentimeterweise.“ Wobei, sagt Höne, gerade sterbe sie eher „meterweise“. Trump, Putin, AfD, sie alle bedrohten die freiheitlichen Werte. Ansonsten beklagt er, der Staat mit all seinen Vorschriften, Subventionen und Sozialleistungen sei „fett geworden“, das sagt er gern. Erbschaftsteuer? Könne weg. Bis hierhin dürfte Höne sich weitgehend einig sein mit Christian Dürr. Der hat dieser Tage der Deutschen Presse-Agentur gesagt: „Ich möchte, dass die FDP eine optimistische Reformkraft mit einem klar marktwirtschaftlichen Kurs ist. Ohne Wenn und Aber.“

Marktwirtschaft findet der Industriekaufmann und Betriebswirt Höne zweifelsohne ebenfalls wichtig, allerdings mit Wenn und Aber: Er will die FDP auch sonst wieder als liberales Gewissen positionieren. Auch in Fragen von Bürgerrechten, beispielsweise bei Digitalüberwachung. Themen, die Dürr gerade eher nicht so wichtig sind. Höne zufolge ist die FDP zuletzt zu häufig als Protestpartei aufgetreten: gegen die Corona-Einschränkungen, gegen grüne Energiepolitik. Wobei seine Landtagsfraktion zuletzt auch immer mal ins Krawallige vorstieß. Im Herbst etwa, als sie im Kulturausschuss eine Anhörung zum Schicksal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einberief, wo ein geschasster ZDF-Reporter unter anderem beklagte, im Sender würden angeblich missliebige Recherchen unterdrückt; ein Auftritt, den Hönes Fraktionsvize „eindrucksvoll“ fand.

Er wolle, sagt Höne jetzt, dass die Partei wieder positiver, optimistischer auftrete. „Wir müssen aufzeigen, dass das Beste vor uns liegt.“ Wobei diese Aufgabe angesichts aller Weltkrisen keine leichte werden dürfte. Was genauso für die Mission „Rettung der FDP“ gilt.

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