(SZ) Willy Brandt sprach, wenn er die Wählerinnen und Wähler meinte, von den „Menschen draußen im Lande“. Von seinem Wohnhaus auf dem Bonner Venusberg aus mochten diese Menschen in einer märchenhaften Ferne gewohnt haben, ein bisschen wie die sieben Zwerge, die ja hinter den sieben Bergen hausten. Die Formel wurde dem einstigen Kanzler der Herzen gelegentlich übel genommen, weil in ihr die womöglich allzu große Distanz zwischen Regierenden und Regierten Ausdruck fand. Aber Willy Brandt meinte es eigentlich gut mit seiner Anrede, und im Grunde lag er damit auch gar nicht so falsch. Vom Politikbetrieb aus gesehen ist das natürliche Umfeld der Menschen nun einmal nicht die Bundestagskantine oder das Schicksalsschloss Meseberg, sondern eben die große, hier freundliche (Westen), dort unfreundliche (Osten) Provinz, zu denen unbedingt auch die sogenannten Städte Berlin und München zählen. In Berlin sind die Menschen inzwischen in einer Weise draußen im Lande, die deutlicher mit dem Gefühl des Draußenseins auf dem Duzfuß steht und weniger mit dem Menschsein im Lande in Verbindung gebracht wird. Berlin ist inzwischen so abgewählt wie die SPD in Rheinland-Pfalz und in München. Ausgerechnet von dort aus öffnet sich eine ganz neue Perspektive.
