SZ 26.03.2026
13:19 Uhr

(+) Folgen der Kommunalwahl: Rathaus oder Landtag? Ein FW-Politiker und die Qual der Stichwahl


Der Freie Wähler Dennis Diermeier gewinnt die Bürgermeisterwahl im niederbayerischen Kelheim mit nur zehn Stimmen Vorsprung. Außerdem stand ihm der Weg in den Landtag offen. Was also tun?

(+) Folgen der Kommunalwahl: Rathaus oder Landtag? Ein FW-Politiker und die Qual der Stichwahl

Am Sonntagabend, irgendwann zwischen 18 und 19 Uhr, stand für Dennis Diermeier fest, dass er wohl demnächst Abgeordneter des bayerischen Landtags werde. Der Freie Wähler hatte zwar in der niederbayerischen Stadt Kelheim für das Bürgermeisteramt kandidiert, lag während der Stimmauszählung jedoch so weit hinter dem CSU-Amtsinhaber, dass er zu seinem Sitznachbarn sagte: „Das hol’ ich nicht mehr ein.“

Weil sein FW-Kollege, der Landtagsabgeordnete Tobias Beck, aber parallel bei der Stichwahl ums Landratsamt in Straubing-Bogen triumphierte, hatte Diermeier als dessen Nachrücker viel mehr als einen Trostpreis in Aussicht: einen Sitz im Landtag. „Geh’ ich halt nach München“, sagte Diermeier, auch wenn er es sich anders gewünscht hatte. So erzählt er es einige Tage nach der Wahl.

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München? Von wegen. Kurz vor 19 Uhr nahm die Karriere des Dennis Diermeier eine neue Wendung: Am Ende der Auszählung lag er in der 17 000-Einwohner-Stadt mit zehn Stimmen vorn. Er gewann die Bürgermeisterwahl mit 50,1 Prozent. Purer Nervenkitzel.

Plötzlich hatte der 34-Jährige die Qual der Stichwahl: Will er Bürgermeister von Kelheim werden oder doch ins Maximilianeum? Lokal- oder Landespolitik?

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mal ein Landtagsmandat ablehne“, sagt Diermeier zur SZ. Aber für ihn stand schon am Wahlabend fest, dass er die Bürgermeisterwahl annehme. „Dafür habe ich Wahlkampf gemacht. Alles andere wäre auch den Bürgerinnen und Bürgern kaum vermittelbar gewesen.“ Seine Entscheidung teilte er auch Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger direkt mit, der persönlich zum Gratulieren vorbeikam. Theoretisch hätte Diermeier die Bürgermeisterwahl ablehnen und stattdessen Abgeordneter werden können.

Nun muss ein anderer Nachrücker aus Niederbayern gefunden werden. Noch sei nichts fix, sagt ein Sprecher der Landtagsfraktion am Donnerstag.

Und dann gibt es ja noch einen zweiten FW-Abgeordneten, der ins Landratsamt umzieht: Michael Koller hat im Berchtesgadener Land mit fast 65 Prozent gegen den CSU-Kandidaten Franz Rasp gewonnen. Sein Nachfolger im Parlament steht schon fest, Martin Rosenberger, ein Schreiner aus Bayrischzell.

Ihm dürfte die Entscheidung nicht schwergefallen sein, hatte er doch bereits 2023 auf den Einzug in den Landtag gehofft. Schon vor Monaten sei ihm der neue Job angedeutet worden, sagte er: „Sei eventuell vorbereitet.“

CSU-Chef Markus Söder lädt die Schuld für das Stichwahl-Debakel erst bei den lokalen Wahlkämpfern ab – und rudert dann zurück. Der in Tirschenreuth abgewählte Roland Grillmeier ist trotzdem verärgert. Damit ist er an der Parteibasis nicht alleine.

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