SZ 26.03.2026
13:46 Uhr

(+) Champions League: Warum Pernille Harder so wichtig für die Bayern ist


Die Dänin beweist ihre Klasse beim 3:2 der Münchnerinnen im Viertelfinal-Hinspiel bei ManUnited. Im Zusammenspiel mit Momoko Tanikawa hat sich eine dynamische Achse entwickelt, die das Team noch weit tragen könnte.

(+) Champions League: Warum Pernille Harder so wichtig für die Bayern ist
Sie trifft so zuverlässig wie kaum eine andere: Pernille Harder, die mit den Bayern 3:2 in Manchester gewann. Kate McShane/Getty Images

Pernille Harder war gerade dabei, das eben beendete Champions-League-Spiel zwischen dem FC Bayern und Manchester United am Mikrofon des übertragenden Streaminganbieters Disney+ zu beschreiben. „Das ging hin und her“, sagte sie. „Wenn wir die Räume hinter ihrer Abwehr genutzt haben, haben wir die großen Chancen bekommen.“ Aber da musste Josephine Henning, früher deutsche Nationalspielerin und nun als TV-Expertin unterwegs, dazwischengrätschen. Diese Aussage verlangte nach einer Korrektur: „Du hast die großen Chancen bekommen!“ Im Mannschaftssport Fußball gehört es zum guten Ton, stets das ganze Team zu loben, aber in dem Fall gestand auch Harder die Verbesserung ein. „Ich habe die großen Chancen bekommen, ja“, sagte sie, lachte, schaute etwas verlegen und machte als Kicker-Knigge-Profi schnell weiter mit ihrer Analyse.

Dabei war es angebracht, den Fokus auf die 33 Jahre alte Dänin zu legen. Welchen Wert Harder für den FC Bayern haben würde, wussten sie in München natürlich schon, als ihnen der Coup gelang, die Stürmerin im Sommer 2023 gemeinsam mit ihrer Lebenspartnerin und Defensivspezialistin Magdalena Eriksson vom FC Chelsea zu verpflichten. Seither liefert Harder immerzu Belege, dass das Werben um ihren Transfer jede Mühe wert war. Am Mittwochabend unterstrich sie wieder ihre Rolle als Anführerin, auch wenn Glodis Viggosdottir die Kapitänsbinde am Arm trägt.

Das mit internationalen Topspielerinnen besetzte Olympique Lyon hat in der ganzen Saison noch kein Spiel verloren – bis dem VfL Wolfsburg im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales die Überraschung gelingt.

Das Viertelfinalhinspiel hatte noch gar nicht richtig begonnen, da schlug Harder das erste Mal zu: Nach einem Fehlpass landete der Ball bei Arianna Caruso, die ihn auf eine lange Reise durch den Luftraum des Old Trafford über die hoch stehende Abwehrkette der Gastgeberinnen schickte. Harder war längst losgesprintet und setzte sich erst im Laufduell und schließlich vor dem Tor clever gegen United-Kapitänin Maya Le Tissier durch, bevor sie den Ball flach einschob. Gerade einmal zwei Minuten waren da vorbei. Und weil das so gut geklappt hatte, wiederholte sie den Zug leicht variiert in der 71. Minute. Diesmal spielte die eingewechselte Momoko Tanikawa flach in eine Schnittstelle, Harder ließ Le Tissier abermals keine Chance. Höchst abgebrüht war das.

Weil United sich wehrte und die erst zum Jahreswechsel nach mehr als fünf Jahren von München nach Manchester gewechselte Lea Schüller einen Handelfmeter rausholte (Le Tissier, 24. Minute) und auch Hanna Lundkvist (76.) ausglich, mussten sich die nervös wirkenden Bayern-Frauen reinkämpfen in die Partie, statt sie zu kontrollieren, und diszipliniert verteidigen. Gnadenlos effizient schlossen sie dennoch ab, was angesichts weniger Chancen umso wertvoller war. Ein Remis wäre für beide akzeptabel gewesen, in der 84. Minute aber schaufelte Tanikawa mit ihrer feinen Technik einen ordentlichen Batzen Selbstbewusstsein auf die Seite der Münchnerinnen. Nach einer starken Ballannahme an der Strafraumgrenze und einer schnellen Körpertäuschung folgte ein unhaltbarer Diagonalschuss zum 3:2.

„Momo ist ein unglaubliches Talent“, sagte Harder über die 20-Jährige, die vergangenes Wochenende mit Japan den Asiencup gewann: „Sie kommt heute rein, hat noch Jetlag von ihrer Reise aus Australien und bringt dann zwei so unglaublich wichtige Aktionen.“ Diese dänisch-japanische Achse ist gewissermaßen zum dynamischen Drehkreuz geworden, das den Unterschied gegen so viele Teams machen kann. Harder zählt mit 48 Toren nun zu den vier besten Schützinnen in der Historie der Königsklasse. In der aktuellen Saison liegt sie mit sieben Treffern nur ein Tor hinter Arsenals Alessia Russo. In der Bundesliga führt sie die Liste mit 14 Treffern an, hinzu kommen fünf Vorlagen. In ihren vergangenen drei Partien hat Harder sechsmal getroffen. Auch von ihrer Form könnte die Antwort auf eine seit Jahren gestellte Frage abhängen: Wann zählen die Münchnerinnen fest zum Kreis der internationalen Top-Teams?

National hat sich der FC Bayern gegen Dauerrivale Wolfsburg an die Spitze gesetzt. Die vergangenen drei Jahre wurden die Frauen Meister, fünf Spieltage vor Saisonende führen sie die Bundesliga mit elf Punkten Vorsprung auf den VfL an. 2025 folgte nach einer langen Pause der zweite Titel im DFB-Pokal, der ein Jahrzehnt lang Wolfsrevier war. International aber mühen sie sich ab. 2018/19 sowie 2020/21 erreichten die Münchnerinnen das Halbfinale der Champions League, Finale und Titel bleiben die große Sehnsucht, die zwar die Entwicklung und Professionalisierung antreibt, aber irgendwann (bald!) zur Realität werden soll. Auch diesmal würde nach einem Sieg im Viertelfinal-Rückspiel eine hohe Hürde warten: Der FC Barcelona hat in den vergangenen fünf Jahren dreimal die Champions League gewonnen und Real Madrid im Hinspiel 6:2 besiegt. Noch unerbittlicher hatten die Katalaninnen die Bayern beim jüngsten Duell in der Ligaphase vergangenen Oktober mit 7:1 deklassiert.

„Wir müssen clever sein“, sagte Harder. „Wir wollen schönen Fußball zeigen, aber in diesen Spielen ist es wichtiger, dass du smart spielst.“ Mit ihrer Präsenz und Spielintelligenz auf dem Platz fällt das dem FC Bayern schon mal leichter. Und am Mittwoch in der Münchner Arena (18.45 Uhr, Disney+) kann sie sich eine liebevolle Stichelei als zusätzliche Motivation setzen: Die Eltern von Pernille Harder sind Fans von Manchester United.

Sie sind das wohl bekannteste Paar der EM: Die Dänin Pernille Harder und die Schwedin Magdalena Eriksson, Teamkolleginnen beim FC Bayern, treffen erstmals bei einem Turnier aufeinander. Wie gehen sie damit um?

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