|
29.04.2026
13:54 Uhr
|
Trotz der Weltpolitik und Warnungen von Experten feiert die Deutsche Bank ein Rekordquartal. Doch an der Börse kam die Bilanz nicht ganz so gut an.

Rekordzahlen trotz globaler Krisen: Die Deutsche Bank in Frankfurt. Boris Roessler/dpa
Die Aussagen des Internationalen Währungsfonds hallen eigentlich noch nach: Der Iran-Krieg trübt die Aussichten für die Weltkonjunktur, eine der größten Energiekrisen der Neuzeit drohe, eine globale Rezession sei nicht ausgeschlossen, und der Fortlauf des Konflikts? Derzeit völlig ungewiss. Bei der Deutschen Bank läuft es dennoch offenbar hervorragend. Im ersten Quartal vermeldete die größte deutsche Bank Rekordzahlen: Erträge und Gewinne hoch, Kosten im Griff, die Risiken aus der Straße von Hormuz scheinbar begrenzt. Mehr noch: Die Deutsche Bank sieht sich mit ihrem Angebot im Anleihe- und Währungshandel sogar als eine Art Krisengewinnlerin, weil sich Kunden verstärkt absichern wollten. Dieses Bild zeichnete jedenfalls der neue Finanzvorstand Raja Akram am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.
Man hoffe natürlich, so Akram, dass diese Krise bald beendet werde, schon allein aus humanitären Gründen und zumal sie auf lange Sicht nicht gut für das Wirtschaftswachstum sei. Doch bis dahin sei die Strategie der Bank genau für diese Art von Krisen gemacht, und Deutschland werde besonders profitieren, wenn sie vorbei sei. „Wir sehen auf beiden Seiten Chancen“, sagte er.
Tatsächlich haben auch die großen US-Banken zuletzt Rekordgewinne verbucht, vor allem im schwankenden Aktienhandel. Dort wetten derzeit auch zunehmend Spekulanten, also teils losgelöst von den Fundamentaldaten, auf kurzfristige Einbrüche und Anstiege. Ausgelöst werden diese Bewegungen nicht zuletzt durch die Aussagen von Donald Trump zum Krieg. Während viele „normale“ Industrieunternehmen also bereits heftig unter der Krise in Nahost leiden, profitieren die großen Banken derzeit sogar von der Lage, auch wenn sie die Krise verzögert auch noch treffen kann.
Auch das global viel diskutierte Thema „Private Credit“ – zuletzt warnte JP-Morgan-Chef Jamie Dimon erneut vor den Risiken – scheint die Deutsche Bank in keiner Weise zu beunruhigen. Dabei ist das Institut in diesem Bereich sogar stärker engagiert als einige US-Banken. Für den neuen Finanzvorstand Raja Akram ist die Anlageklasse jedoch „kein Thema mehr“ – eine „Non-Story“, wie er im Gespräch mehrfach betonte.
Sein Argument: Das Engagement sei nicht nur unter Kontrolle, sondern sogar eine Erfolgsgeschichte. Bisher habe man keine Verluste verzeichnet, das Portfolio sei gut diversifiziert, und die Bank habe angeblich auch noch als eine der ersten detaillierte Informationen dazu veröffentlicht. Dass inzwischen auch andere Institute nachgezogen seien, zeige nur, dass es sich um kein grundsätzliches Problem handle. „Im Großen und Ganzen haben die Banken hier wirklich gute Arbeit geleistet“, sagte Akram. „Es ist nicht wie in der Finanzkrise“, sagte er. Die Bank verfüge über „enorme Schutzpuffer“, bevor sie überhaupt betroffen wäre. Er sei daher „nicht übermäßig besorgt“. Auch Vorstandschef Christian Sewing sagte zu Analysten, „das ist keine Geschichte“, man sei „happy“ mit der breiten Aufstellung dieses Portfolios.
„Private Credit“ oder „Private Debt“ bezeichnet in der Finanzwelt die Vergabe von Krediten an Unternehmen abseits der Banken. Die Kreditgeber sind also nicht Banken, sondern Fonds, in die wiederum Anleger wie Pensionsfonds, Hedgefonds, Versicherungen und Private-Equity-Gesellschaften investiert haben. In den letzten Jahren ist dieses Segment nicht nur enorm gewachsen, zunehmend haben sich Banken – allen voran in den USA – hier auch als Kreditgeber der Fonds eingebracht.
Nachdem einige Unternehmen pleitegegangen sind und vor allem Privatanleger Geld aus diesen Fonds abgezogen haben, wuchs die Sorge, dass aus dieser Ecke eine größere Krise erwachsen könnte. In Europa sticht dabei ausgerechnet die Deutsche Bank hervor, die nach eigenen Angaben mit 26 Milliarden Euro im Markt für „Private Credit“ investiert ist, was mehr ist als manche US-Bank und ungefähr fünf Prozent ihres Kreditbuchs entspricht. Die Schweizer Großbank UBS rechnet im Extremszenario mit Ausfällen von bis zu 15 Prozent auf dem „Private Credit“-Markt, was gemessen am geschätzten Gesamtvolumen von 1,8 Billionen Dollar enorme 270 Milliarden Dollar wären.
Nicht nur für Private Credit, auch für Deutschland generell ist die Deutsche Bank optimistisch, wenn auch nur verhalten. Die mittelfristigen Aussichten für die deutsche Wirtschaft blieben unverändert. Unternehmen würden von fiskalischen Konjunkturmaßnahmen und „ihrer einzigartigen Marktpositionierung“ profitieren.
Die Aktie der Deutschen Bank verlor am Mittwoch dennoch mehr als drei Prozent. Als Gründe nannten Analysten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters die Risikovorsorge für faule Kredite, die etwas höher ausfiel als „der Markt“ erwartet hatte. Vor allem aber lag die harte Kernkapitalquote – die zentrale Messgröße des Risikopuffers von Banken – niedriger als Analysten erwartet hatten. Dies ging wiederum vor allem auf die verstärkte Kreditvergabe im Investmentbanking zurück. Trotz Rekordergebnissen und optimistischer Aussagen: An der Börse stieß die Quartalsbilanz des größten deutschen Geldhauses also eher auf Skepsis.
US-Banken wetten jetzt offenbar gegen den Markt für private Kredite. Das erinnert an die Finanzkrise 2008. Auch Deutschlands größte Bank ist auf diesem Markt aktiv. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: