SZ 12.05.2026
13:23 Uhr

(+) Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: WHO zählt aktuell elf Hantavirus-Fälle


Neun Passagiere sind positiv auf das Virus getestet worden, bei zwei weiteren geht man von einer Infektion aus. Trotzdem ist die Gefahr eines größeren Ausbruchs weiterhin gering, sagt WHO-Chef Ghebreyesus.

(+) Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: WHO zählt aktuell elf Hantavirus-Fälle

Nach der Evakuierung des Kreuzfahrtschiffs Hondius auf Teneriffa wird Bilanz gezogen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht aktuell von elf Menschen aus, die sich mit dem Hantavirus angesteckt haben. Neun davon seien positiv auf das Virus getestet worden, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in Madrid bei einer Pressekonferenz mit Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez. Bei zwei weiteren Fällen gehe man ebenfalls von einer Infektion aus. Bei den elf sind die drei Todesfälle bereits eingerechnet.

Sämtliche Betroffene seien isoliert worden und stünden unter strenger Überwachung, um das Risiko einer weiteren Übertragung zu minimieren, betonte Tedros. Er stufte die Gefahr einer größeren internationalen Ausbreitung weiterhin als gering ein. Es sei aber möglich, dass „wir in den kommenden Wochen weitere Fälle entdecken“. Für diese Beobachtungen seien nun die Länder verantwortlich, in die die Menschen gebracht worden seien.

Auch wenn die Mehrheit der Passagiere unbeschwerte Ferien erlebt: Kreuzfahrtschiffe bieten Krankheitserregern besonders günstige Bedingungen. Woran das liegt.

Die WHO empfehle eine „strenge Überwachung“ der Menschen – entweder zu Hause oder in geeigneten Einrichtungen – bis zum 21. Juni, erklärte Tedros weiter. Die Organisation habe Leitlinien für den Umgang mit den ehemaligen Passagieren ausgearbeitet. Die einzelnen Staaten könnten diese jedoch anpassen. „Sie haben auch ihre Souveränität. Wir können sie nicht zwingen, unsere Protokolle zu übernehmen“, sagte der WHO-Chef.

Tedros würdigte die von Spanien geleitete Operation zur Ausschiffung Dutzender Passagiere und Crewmitglieder. „Spanien hat diese Operation sehr gut geleitet.“ Trotz Sorgen der Regionalregierung und der Kritik der konservativen Opposition habe die spanische Zentralregierung beispielhafte Solidarität gezeigt, so Tedros. Die Hondius hatte am Sonntag den Hafen von Granadilla im Süden Teneriffas erreicht. Mit Sonderflügen wurden Menschen vom Schiff unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimat gebracht.

Die vier deutschen Passagiere zeigen bislang alle keine Symptome der Infektion – wegen der oft langen Zeitspanne zwischen Ansteckung und Erkrankung könnte das aber noch kommen, sagt der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Einzelne weitere Fälle wären bei meist etwa zwei bis vier Wochen Inkubationszeit nicht überraschend, sondern entsprächen dem erwartbaren Nachlauf. Bisher haben die Menschen aus Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen aber alle einen negativen PCR-Test. Sie müssen nach Weisung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) in häuslicher Quarantäne bleiben.

Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von einem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Südamerika angesteckt haben könnte. Bisher gibt es drei Todesopfer: das niederländische Ehepaar und eine deutsche Passagierin. Der Mann – mutmaßlich der Erstinfizierte des Infektionsclusters – hatte am 6. April Fieber, Kopf- und Bauchschmerzen sowie Durchfall entwickelt und war am 11. April gestorben. Insgesamt waren nach WHO-Angaben fast 150 Menschen aus 23 Ländern auf dem Schiff.

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