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29.04.2026
23:38 Uhr
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Im zweiten Champions-League-Halbfinale trennen sich Atlético Madrid und Arsenal 1:1 nach Toren und Elfmetern. Ein dritter Strafstoß wird kurz vor Schluss annulliert.

Ein kontroverser Eingriff des Videoschiedsrichters hat am Mittwochabend möglicherweise eine Vorentscheidung über den Finaleinzug der Champions League verhindert. Im Halbfinalspiel zwischen Atlético Madrid und dem FC Arsenal aus London animierte der VAR beim Spielstand von 1:1 den Feldschiedsrichter Danny Makkelie überraschend zur Prüfung des dritten Elfmeters der Partie – und führte so die überaus umstrittene Annullierung eines Foulelfmeters herbei, der dem FC Arsenal die Chance zum 2:1 geboten hätte. Atlético-Verteidiger David Hancko war zuvor einem Arsenal-Stürmer auf den Fuß gestiegen. Durch den Eingriff des VAR blieb es beim 1:1 – nach Elfmetern und Toren. Denn nach der Führung durch Arsenal-Mittelstürmer Viktor Gyökeres (Foulelfmeter/44.) glich Atléticos argentinischer Angreifer Julián Álvarez per Handelfmeter zum 1:1-Endstand aus (56.).
Die Fallhöhe hätte nach dem außergalaktischen 5:4 des Vorabends zwischen Paris Saint-Germain und Bayern München, dem anderen Halbfinale der Champions-League-Saison, nicht größer sein können. Die Reise ins Estadio Metropolitano fühlte sich an wie eine Metrofahrt in eine Tapas-Bar, nachdem man am Vorabend in der Stretch-Limousine im La Trainera abgestiegen war, dem vielleicht besten Meeresfrüchte-Lokal des Königreichs. Was ja nicht heißt, dass man in bescheideneren Lokalen nicht auch satt werden oder ein Mahl genießen könnte.
Im Metropolitano war es Martin Ödegaard, der als erster die Blicke auf sich zog. Der Wille des Kapitäns des FC Arsenal, das Spiel an sich zu reißen, den tastenden Angriffen seiner Mannschaft einen tieferen Sinn zu geben, war unübersehbar. Nur: Keine der beiden Mannschaften, die sich in Madrid trafen, war gewillt, den Kamikaze-Charakter an den Tag zu legen, den PSG und Bayern am Vorabend gezeigt hatten.
Im Gegenteil. Ihre vornehmste Sorge galt der Vermeidung von Fehlern, nicht dem Streben nach Triftigkeit. Gegen den Ball standen beide Mannschaften vergleichsweise tief und kompakt. Für die großen Ausnahmen der ersten Halbzeit sorgten einerseits Atléticos argentinischer Mittelstürmer Julián Álvarez, der in der 14. Minute einen Schuss vom Sechzehner losließ und an Arsenal-Tormann David Raya scheiterte. Andererseits Arsenals Rechtsaußen Noni Madueke, der in der 30. Minute, ebenfalls aus der Distanz, das Tor nur knapp verfehlte. Die Aufregung hielt sich in Grenzen, bis Atlético die einsetzende Lethargie aufbrach, indem es sich exakt die kleinen Fehler leistete, auf die Arsenal spekuliert hatte – bis der Ball im Strafraum zu Füßen von Viktor Gyökeres landete. Atlético-Verteidiger David Hancko stieß den Schweden in Nähe des Elfmeterpunktes, Gyökeres fiel um, der Referee pfiff einen strengen, nachgerade gnadenlosen Strafstoß. Gyökeres ließ sich die Chance nicht nehmen – und verwandelte zur 1:0-Führung (44.).
Der Rückstand war nicht die einzige Hypothek, die Atlético in die zweite Halbzeit schleppte. Trainer Diego Simeone musste den offensiv ausgerichteten Filius und Außenbahnspieler Giuliano verletzungsbedingt auswechseln und durch Innenverteidiger Robin Le Normand ersetzen. Doch entgegen der Annahme hemmte das Atlético nicht. Im Gegenteil, die Mannschaft Simeones machte so lange einen Schritt nach vorn, bis der Ball zum Ausgleich im Netz lag. Erst verfehlte Álvarez bei einem Freistoß aus 20 Metern den rechten Winkel so knapp, dass die Hälfte des Stadions „Gol“ schrie und dann entsetzt verstummte (49.); dann ließen Ademola Lookman und Antoine Griezmann eine Doppelchance ungenutzt (54.). Schließlich aber verhalf der Videoschiedsrichter Atlético zu einem Handelfmeter: Ben White hatte einen Schuss von Marcos Llorente mit der Hand aufgehalten, Julián Álvarez verwandelte sicher zum 1:1 (56.).
Das Tor glich einem Adrenalinschub. Die gesamte Atlético-Familie – Team, Trainer, Anhänger – spürte, dass sie Arsenal am Revers gepackt hatte. Die Fans testeten die Statik des Stadions, indem sie auf den Tribünen und ab hüpften; die Elf auf dem Rasen prüfte die Resistenz der Arsenal-Defensive. Wie anfällig diese sein kann, bewiesen Griezmann, als er der 63. Minute das linke Kreuzeck traf; und Lookman, als er aus elf Metern so unpräzise abschloss, dass Arsenal-Torwart Raya auf der Linie festhalten konnte. Schwerer als die vergebene Chance wog für Atlético freilich, dass Álvarez verletzt ausgewechselt werden musste und sich wohl Sorgen um den Einsatz im Rückspiel machen muss. Dann aber schlug die Stunde des Videoschiedsrichters – zugunsten Atléticos.
Der FC Bayern droht in Paris „komplett unterzugehen“. Doch dann zeigt das 4:5, wie spektakulär radikaler Offensivgeist auf höchstem Niveau sein kann. Vincent Kompany erwartet Großes für das Rückspiel.
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