Heise 21.05.2026
06:00 Uhr

Zusammenfassen und Übersetzen: GMX bringt KI-Funktionen im Gratis-Postfach


GMX-Nutzer im DACH-Raum erhalten Zugriff auf generative KI-Funktionen zum Schreiben und Lesen von E-Mails. Modelle sollen ausschließlich in Deutschland laufen.

Zusammenfassen und Übersetzen: GMX bringt KI-Funktionen im Gratis-Postfach

GMX bringt KI-Funktionen in die E-Mail-Postfächer seiner Nutzer. Ein Sprachmodell fasst lange Nachrichten zusammen, übersetzt Texte und erweitert die Suchfunktion. Die Funktionen sind vorerst nur für Nutzer in der DACH-Region freigeschaltet. In der GMX-App für Smartphones fehlen die neuen Features noch.

Die Datenverarbeitung erfolgt laut GMX auf eigenen Servern in Deutschland. Außerdem verspricht GMX, Nutzereingaben nicht als Trainingsdaten zu verwenden. Man wolle „praktischen Nutzen mit europäischen Datenschutzstandards“ verbinden, sagt GMX-Geschäftsführer Michael Hagenau. Externe LLMs (Large Language Models) von Firmen wie OpenAI oder Anthropic sollen nicht zum Einsatz kommen. Stattdessen setzt GMX auf frei verfügbare, vortrainierte Modelle. Konkrete Namen nennt das Unternehmen auf Nachfrage allerdings nicht.

Mit den KI-Funktionen zieht GMX dem weltweiten Marktführer Google nach, der ähnliche Funktionen schon länger anbietet. Nach eigenen Angaben hat GMX in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehr als 20 Millionen Nutzerinnen und Nutzer.

Um die KI-Funktionen zu nutzen, muss man sie anders als bei Google Mail zunächst aktivieren. Nutzer des kostenlosen GMX-Postfachs können sich dann etwa lange Nachrichten zusammenfassen lassen. E-Mails übersetzt GMX auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. Zwar unterstützen die eingesetzten Modelle auch andere Sprachen, man fokussiere sich aber zunächst auf diese vier.

Für eigene Nachrichten bietet GMX mit Apples Writing Tools vergleichbare Schreibwerkzeuge, die den Text korrigieren und auf Wunsch umformulieren und ihn etwa „professioneller“ oder „freundlicher“ machen.

Eine KI-Suchfunktion verarbeitet Nutzerfragen in natürlicher Sprache („Wann kommt die Jacke, die ich letztens bestellt habe?“) und fasst lange Konversationen zusammen. Diese verbesserte Suchfunktion ist Abonnenten des kostenpflichtigen GMX PremiumMail vorbehalten.

Die KI-Funktionen sind noch in der Beta-Phase, betont Christian Schäfer-Lorenz, Head of Product Management Applications bei GMX. Das heißt, dass etwa Suche und Zusammenfassung nicht immer wie erwartet funktionieren. GMX will im laufenden Betrieb nachbessern. Man sei dabei auch auf Nutzerfeedback angewiesen – per Daumen hoch und runter unter den jeweiligen Ergebnissen.

KI sei bei GMX bereits „seit Jahren“ im Einsatz, etwa für Spam- und Phishing-Schutz oder für die automatische Sortierung von E-Mails in intelligente Ordner. Die neuen generativen Funktionen würden perspektivisch „erwartete Leistungsmerkmale eines guten Produkts“ sein, so Schäfer-Lorenz.

Die Nutzerinnen und Nutzer von GMX im DACH-Raum hatten bereits vor der offiziellen Ankündigung am 21. Mai 2026 Zugriff auf die KI-Funktionen. Internationale Kunden abseits von Deutschland, Österreich oder der Schweiz bleiben vorerst außen vor. Postfächer des Schwesterunternehmens WEB.DE sollen folgen, sobald die KI-Funktionen das Beta-Stadium verlassen.

(dzi)