Nerd, Vater, Tech-Junkie – Ich beschäftigte mich seit gut 20 Jahren fast ausschließlich mit Journalismus, überwiegend aus der Digital-Lifestyle-Ecke. Schwerpunkte: E-Scooter, Kopfhörer, Beamer, E-Bikes, Gadgets & Smart Home.
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08.04.2026 16:00 Uhr |
Nerd, Vater, Tech-Junkie – Ich beschäftigte mich seit gut 20 Jahren fast ausschließlich mit Journalismus, überwiegend aus der Digital-Lifestyle-Ecke. Schwerpunkte: E-Scooter, Kopfhörer, Beamer, E-Bikes, Gadgets & Smart Home.
Der Xiaomi Electric Scooter 6 Ultra gefällt im Test mit Vollfederung, breiten 12-Zoll-Offroad-Reifen, kräftigem Motor und auffälligem Knallgelb-Design.
Xiaomi war einer der ersten E-Scooter-Hersteller auf dem deutschen Markt und liefert seitdem zuverlässig gute E-Scooter ab. Schon der Xiaomi Mi 4 Ultra (Testbericht) begeisterte uns mit seiner butterweichen Federung und dem stimmigen Gesamtpaket. Nun schickt Xiaomi mit dem Electric Scooter 6 Ultra das Flaggschiff der 6er-Serie ins Rennen – und zielt damit klar auf Offroad-Fans und Vielfahrer.
Im Vergleich zu seinen Geschwistern legt der Ultra in fast allen Bereichen nach. Der 6 Pro bringt 400 Watt Nennleistung und 1000 Watt Spitzenleistung mit, der 6 Max kommt auf 450 und 1100 Watt. Der Ultra setzt mit 500 Watt Nenn- und 1200 Watt Spitzenleistung abermals einen drauf. Auch bei der Reichweite führt er: bis zu 75 km statt 70 km beim Max.
Dazu kommen Dual-Scheibenbremsen statt Trommel- oder Einzel-Scheibenbremsen, eine Dual-Swing-Arm-Federung, 3 Zoll breite 12-Zoll-Reifen und eine Traglast von 140 kg – beim 6 Pro sind es nur rund 120 kg, beim 6 Max etwa 130 kg. Erkauft wird das mit stolzen 33,7 kg Eigengewicht. Zum Vergleich: Der 6 Pro wiegt 27,3 kg, der 6 Max 29,7 kg.
Damit positioniert sich der 6 Ultra als Gelände-Spezialist, während seine kleineren Geschwister leichter und stadttauglicher bleiben. Ab 799 Euro (Amazon) ist er im Handel erhältlich.
Der Scooter kommt weitgehend vormontiert. Lediglich der Lenker muss mit dem mitgelieferten T-Bar-Inbusschlüssel und sechs Schrauben am Vorbau befestigt werden. Zusätzliches Werkzeug braucht man nicht. Der Vorgang dauert wenige Minuten. Danach Reifen aufpumpen, alle Schrauben prüfen, Helm aufsetzen – los geht’s.
Optisch fällt der 6 Ultra sofort auf. Das knallgelbe Design hebt sich wohltuend von der ewigen Schwarz-Grau-Tristesse der Konkurrenz ab. Uns gefällt das. Nebenbei sorgt die Signalfarbe für bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr.
Die Verarbeitung bewegt sich auf hohem Niveau. Der Carbon-Stahl-Rahmen wirkt massiv. Präzise Schweißnähte, robustes Finish, nichts knarzt oder wackelt. Das breite Trittbrett misst 19 cm und bietet dank Kicktail am hinteren Ende guten Halt und Komfort. Die Bodenfreiheit von 17 cm ermöglicht das Überfahren größerer Hindernisse – ein Vorteil im Gelände.
Die robuste Bauweise führt aber zu einem ziemlich hohen Gewicht von 33,7 kg. Treppen werden zum Kraftakt. Zum Vergleich: Der Segway Ninebot Max G3 D (Testbericht) bringt 24,6 kg auf die Waage und fühlt sich dagegen fast leichtfüßig an. Die maximale Zuladung beträgt dafür beeindruckende 140 kg – mehr als die der meisten Konkurrenten.
Der einhändig bedienbare Klappmechanismus rastet beim Tragen sicher ein. Gut gelöst, aber nicht perfekt. Im zusammengeklappten Zustand passt der E-Scooter in die meisten Kofferräume.
Der Lenker bietet dank seiner Breite gute Kontrolle und sicheren Halt. Die runden, gummierten Griffe liegen angenehm in der Hand, sind allerdings nicht ergonomisch geformt. Fahrer zwischen 165 und 200 cm finden eine bequeme Stehposition mit natürlicher Haltung. Die Gewichtsverteilung stimmt, auch auf längeren Fahrten ermüdet man kaum.
Mittig sitzt das 3-Zoll-Farb-TFT-Display, das sich auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesen lässt. Es zeigt unter anderem Geschwindigkeit, Restreichweite, Akkustand in Prozent und den gewählten Fahrmodus. Die Bedienung erfolgt über eine Vier-Richtungs-Bedieneinheit an der linken Seite des Lenkers. Drei Fahrmodi stehen zur Wahl, der Wechsel gelingt schnell und unkompliziert.
Der Gasgriff arbeitet im Dual-Mode: Er ist sowohl als Daumen- als auch als Drehgriff nutzbar. Er steuert den Motor präzise und feinfühlig an. Hier hat Xiaomi mitgedacht.
An den Lenkerenden sitzen die Blinker mit separaten Bedientasten – gut sichtbar und leicht zu bedienen. Der akustische Signalton fällt allerdings recht laut aus, und eine automatische Abschaltung nach dem Abbiegen fehlt.
Das LED-Frontlicht ist hell genug, um gesehen zu werden. Auf unbeleuchteten Wegen stößt es an seine Grenzen. Leider ist es nicht in der Höhe verstellbar. Das Rücklicht fungiert gleichzeitig als Bremslicht und leuchtet bei Verzögerung heller auf.
Die Xiaomi Home App für iOS und Android bietet Passcode-Sperre, einstellbare Energierückgewinnung, Fahrtprotokolle, Ladeplanung, Startgeschwindigkeits-Anpassung und Batterie-Monitoring. Die Apple-Find-My-Integration ermöglicht die Ortung des E-Scooters ab iOS 14.5 – praktisch bei Verlust oder Diebstahl. Insgesamt ist die App funktional und übersichtlich, reicht im Umfang aber nicht ganz an die Segway-App heran.
Der Xiaomi Electric Scooter 6 Ultra fährt sich wie auf Schienen. Stabil, satt, souverän. Die Kombination aus 3 Zoll breiten 12-Zoll-Reifen, breitem Trittbrett mit Kicktail und Dual-Swing-Arm-Federung ergibt ein Fahrgefühl, das in dieser Preisklasse seinesgleichen sucht.
Die vollwertige Federung an Vorder- und Hinterrad arbeitet mit Elastomer-Elementen. Sie absorbiert Stöße hervorragend. Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher, Feldwege, unebener Asphalt – der 6 Ultra bügelt alles weg. Sogar Waldtrails mit Wurzeln sind bedingt möglich. Die Kombination aus Federung und großen Reifen funktioniert dabei so gut, dass die meisten City-Scooter alt aussehen. Wer bisher mit einem ungefederten E-Scooter über Feldwege gerumpelt ist, wird den Unterschied sofort spüren.
Ein kleiner Haken zeigt sich bei niedrigen Geschwindigkeiten. Die erhöhte Stehposition und die große Bodenfreiheit erschweren dann die Balance etwas. Hier braucht man ein paar Kilometer Eingewöhnung, bis man sich sicher fühlt. Bei höherem Tempo verschwindet das Problem vollständig.
Der Heckmotor leistet 500 Watt Nennleistung und 1200 Watt in der Spitze. 45 Nm Drehmoment sorgen für kräftige Beschleunigung. Steigungen meistert der 6 Ultra souverän, auch wenn Dual-Motor-Systeme wie beim iScooter iX7 Pro (Testbericht) hier noch eine Schippe drauflegen. Auch im Vergleich zum Segway Ninebot Max G3 D (Testbericht) mit seinen 2000 Watt Spitzenleistung ist der 6 Ultra zurückhaltender. Für den Alltag reicht die Power aber allemal.
Dual-Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterrad verzögern präzise und dosierbar. Auch bei höheren Geschwindigkeiten steht man schnell und sicher. Das E-ABS verhindert zuverlässig ein Blockieren der Räder.
Wichtiger Hinweis: E-ABS und Traktionskontrolle (TCS) sind ab Werk deaktiviert. Beides muss erst über die App aktiviert werden. Das sollte Xiaomi besser kommunizieren – oder die Funktionen gleich standardmäßig einschalten.
Der Lithium-Ionen-Akku fasst 585 Wh (12,5 Ah). Xiaomi gibt eine Reichweite von bis zu 75 km bei 15 km/h oder 55 km bei 20 km/h an. Diese Werte gelten unter Idealbedingungen. In der Praxis reduzieren Fahrergewicht, Steigungen, Temperatur und Stop-and-Go die Reichweite deutlich. Realistische 30 bis 40 km sind bei einem 85 kg schweren Fahrer und zügiger Fahrweise zu erwarten.
Die Ladezeit sorgt für gemischte Gefühle. Mit dem separat erhältlichen Fast Charger dauert eine Vollladung nur 3,5 Stunden. Mit dem Standard-Ladegerät vergehen hingegen über 10 Stunden – ein echter Geduldstest, der im Alltag schnell nervt. Wer den 6 Ultra täglich nutzt, sollte den Fast Charger gleich mitbestellen.
Der Xiaomi Electric Scooter 6 Ultra kostet ab 799 Euro (Amazon).
Der Xiaomi Electric Scooter 6 Ultra ist ein beeindruckendes Offroad-Flaggschiff. Die Dual-Swing-Arm-Federung und die breiten 12-Zoll-Reifen meistern Feldwege, Kopfsteinpflaster und sogar Waldtrails. Der Motor liefert genug Power für Steigungen. Die Dual-Scheibenbremsen mit E-ABS verzögern zuverlässig. Das knallgelbe Design sorgt für Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit, die hohe Zuladung von 140 kg macht den E-Scooter auch für schwere Fahrer attraktiv.
Die Schwachstellen wiegen allerdings schwer – im wahrsten Sinne des Wortes. 33,7 kg machen das Tragen des E-Scooters zur Tortur. Das Frontlicht könnte heller und verstellbar sein. Ohne den separat erhältlichen Fast Charger dauert das Laden quälende 10 Stunden. Und die ab Werk deaktivierten Sicherheitsfunktionen E-ABS und TCS sind ein unnötiger Stolperstein.
Für 799 Euro bekommt man dennoch einen der am besten ausgestatteten Offroad-E-Scooter am Markt. Wer über das Gewicht hinwegsehen kann und einen Fast Charger dazukauft, erhält einen treuen Begleiter für Stadt und Gelände. In einer Farbe, die garantiert niemand übersieht.