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12.05.2026
11:32 Uhr
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Methan ist als Treibhausgas potent, eine Reduzierung der Emissionen könnte gegen den Klimawandel helfen. Nun wurde entdeckt, dass Vulkane Methan abbauen können.

Als der Unterwasservulkan Hunga Tonga-Hunga Haʻapai Mitte Januar 2022 mit immenser Wucht ausgebrochen ist, hat er nicht nur große Mengen des potenten Treibhausgases Methan ausgestoßen, sondern auch einen Teil davon wieder aus der Atmosphäre entfernt. Diese überraschende Entdeckung wurde mithilfe eines ESA-Satelliten gemacht und könnte einen Weg zur Reduzierung der Methanemissionen aufzeigen, meint das europäische Forschungsteam, das sie jetzt vorstellt. Nachgewiesen hat es demnach eine Wolke mit einer rekordverdächtigen Menge an Formaldehyd, das für wenige Stunden übrig geblieben ist, nachdem das Methan abgebaut wurde. Die Wolke existierte demnach zehn Tage lang, in ihr wurden etwa 3 Prozent des ausgestoßenen Methans direkt wieder aus der Atmosphäre entfernt.
Laut der Universität von Kopenhagen wurde die Formaldehyd-Wolke mit dem Instrument TROPOMI des Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-5 der ESA gefunden. Das sei dafür aber gar nicht ausgelegt, stattdessen habe man es vorsichtig neu kalibrieren müssen, bis man den Fund bestätigt habe. Dann habe man tagelang verfolgen können, wie die Wolke ostwärts bis nach Südamerika gezogen sei. „Weil Formaldehyd nur wenige Stunden lang bestehen bleibt, hat das gezeigt, dass in der Wolke über eine Woche lang Methan abgebaut worden sein muss“, erklärt Forschungsleiter Maarten van Herpen. Zwar sei schon bekannt gewesen, dass bei Vulkanausbrüchen Methan in die Atmosphäre gelangen kann, man habe aber nicht gewusst, dass es dabei auch abgebaut werden kann.
Laut der Forschungsgruppe deutet alles auf einen ganz bestimmten Prozess hin, der sogar erst nach dem Vulkanausbruch entdeckt wurde. Dabei gehe es um die Entdeckung, dass sich Saharasand über dem Atlantik mit Meereswasser zu sogenannten Eisensalzaerosolen vermischen kann. Wenn Sonnenlicht darauf trifft, entstehen demnach Chloratome, die wiederum mit Methan reagieren und das Gas abbauen. Ihre Entdeckung lege nahe, dass sich dieser Prozess auch unter vollkommen anderen Bedingungen in vulkanischen Wolken hoch oben in der Stratosphäre abspielen kann. Dort wurde demnach salziges Meerwasser mit Vulkanasche vermischt, woraus das Sonnenlicht wiederum Chlor gebildet habe. Das hat dann kontinuierlich Methan abgebaut.
Die Eruptionen von Hunga Tonga-Hunga Haʻapai am 14. und 15. Januar 2022 und der sich anschließende Tsunami forderten mindestens sechs Menschenleben, die Inseln Tongas wurden von einer dicken Ascheschicht bedeckt. Es handelte sich um die heftigste Explosion auf der Erde seit der Eruption des Vulkans Krakatau im Jahr 1883, die Aschewolke war die höchste der Satellitenära. Viele Gebäude in dem Inselstaat wurden zerstört, teilweise gingen ganze Siedlungen verloren. Tonga war danach wegen des durchtrennten Internetkabels für Wochen von der Außenwelt abgeschnitten. Nicht ausreichend abgesicherte Hilfslieferungen hatten auf dem Inselstaat dann außerdem noch zu einem Ausbruch von Covid-19 geführt. Die Eruption könnte auch vorübergehend die Erdatmosphäre erwärmt haben.
Die Forschungsgruppe um van Herpen hat ermittelt, dass bei der Eruption ungefähr 300.000 Tonnen an Methan in die Atmosphäre geschleudert wurden, in der Wolke wurden pro Tag 900 Tonnen davon wieder abgebaut. Das sei in etwa so viel, wie zwei Millionen Kühe in einem Jahr beziehungsweise an einem Tag ausstoßen. Methan ist als Treibhausgas deutlich effektiver als Kohlenstoffdioxid und trägt erheblich zur Klimaerwärmung bei. Gleichzeitig verbleibt es aber nicht so lange in der Atmosphäre, die Effekte sind also viel kurzfristiger als die von CO₂. Wenn man die Emissionen also sofort senkt oder Methan gezielt abbaut, könnte man damit viel schneller messbare Effekte im Kampf gegen den Klimawandel erzielen. Die Entdeckung könnte dafür einen Weg aufzeigen. Vorgestellt wird sie jetzt in Nature Communications.
(mho)