Heise 18.06.2026
10:26 Uhr

Tim Cook zur Speicherkrise: Apple kündigt Preiserhöhung an


Bislang nutzt Apple noch allerlei Tricks, um die Gerätepreise nicht ändern zu müssen. Aufgrund des RAM-Mangels soll sich das demnächst ändern.

Tim Cook zur Speicherkrise: Apple kündigt Preiserhöhung an

Apple-Chef Tim Cook, der noch bis September CEO ist, bevor er von John Ternus abgelöst wird, hat angekündigt, dass auch Apple Gerätepreise aufgrund der anhaltenden Speicherpreisinflation erhöhen wird. Bisher war der iPhone-Hersteller im Vergleich zur Konkurrenz hier sehr vorsichtig vorgegangen, hatte etwa bestimmte RAM-Konfigurationen vom Markt genommen sowie bei einzelnen Modellen Varianten mit wenig Speicher aus dem Programm gestrichen, um damit die Einstiegspreise zu erhöhen. Cook sagte nun gegenüber dem Wall Street Journal, dass auch bei Apple Preiserhöhungen „unvermeidlich“ seien.

„Wir tun unser Bestes, um die enormen Preiserhöhungen, die an uns weitergegeben werden, abzufedern, und wir haben versucht, unsere Kunden vor diesen Erhöhungen zu schützen, aber die Situation ist mittlerweile untragbar geworden“, wurde der Apple-CEO deutlich. Der gesamten Branche macht bereits seit vielen Monaten zu schaffen, dass mit dem großangelegten Bau von Rechenzentren zur Verarbeitung von Anfragen aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz die Speicherchip-Kapazitäten nicht ausreichen – und die Preise entsprechend in die Höhe schießen. Cook machte keine Angaben dazu, wann, wie stark und für welche Produkte die Preise konkret erhöht werden sollen.

Die nächste große Vorstellungsrunde neuer Apple-Geräte wird wie gewohnt im Herbst mit der neuen iPhone-Generation erwartet. Das aktuelle iPhone 17 verkauft Apple in Deutschland zu einem Preis ab 949 Euro und das besser ausgerüstete iPhone 17 Pro ab 1.299 Euro. Der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge will Apple in diesem Jahr seine Modellpalette mit einem faltbaren iPhone erweitern. Hier hieß es bereits, dass der Einstiegspreis bei deutlich über 2000 Euro liegen könnte.

Apple konnte bisher unter anderem dank langfristiger Lieferverträge mit sehr hohen Stückzahlen die Gerätepreise für Kunden weitgehend stabil halten, heißt es aus der Branche. Apple gebe zwar sein Bestes, um die „riesigen“ Kostensteigerungen abzufedern, so Cook, und nicht an die Kunden weiterzureichen, aber dies sei nicht mehr nachhaltig möglich. Apple hatte schon in den vergangenen Monaten angekündigt, dass die gestiegenen Speicherkosten „Gegenmaßnahmen“ erfordern könnten, und damit die Tür für Preiserhöhungen offengehalten.

Diverse PC-Hersteller und Spielekonsolen-Anbieter erhöhten bereits ihre Preise. Das führt unter anderem dazu, dass das neue Einsteiger-Notebook von Apple, das MacBook Neo, nach wie vor ein echtes Schnäppchen ist. Auch bei anderen großen Elektronik-Anbietern war zuletzt zu hören, dass die Kostensteigerungen bei Speicherchips ein Ausmaß erreicht hätten, das ohne höhere Preise für die Kunden nicht verdaut werden kann. Die Produzenten bauen zwar ihre Kapazitäten aus, aber das ist in der Industrie ein langwieriger Prozess. Zudem könnten RAM-Bausteine für KI-Anwendungen bevorzugt werden, da diese zumindest aktuell das beste Geschäft darstellen.

In einer weiteren Meldung schätzt das Wall Street Journal, dass das iPhone 18 Pro in den USA künftig 200 US-Dollar mehr kosten könnte, also zu einem Einstiegspreis von dann 1299 Dollar angeboten werden könnte (heute: 1099 Dollar, jeweils ohne Umsatzsteuer). Laut der Analyse, die sich auf Recherchen von TechInsights stützt, könnte der Preis sogar noch weiter steigen. In der EU könnte dann schätzungsweise gar mit einem Plus von 250 Euro zu rechnen sein, wenn man Apples bisherige Preispolitik weiterdenkt. Beim iPhone 17 Pro soll Apple für 12 GByte DRAM noch 39 Dollar bezahlt haben, der Preis sei mittlerweile auf bis zu 145 Dollar gestiegen.

Cook sagte dem Wall Street Journal weiter, dass die Speicherhersteller ihre großen Preisanstiege einfach durchreichen würden – zu einer Zeit, in der Kunden Geräte haben wollten. Speicherpreise und Versorgung müssten für Endkundenprodukte auf ein vernünftiges Niveau zurückkehren. Cook zufolge muss dafür „alles auf den Tisch“, auch eine verstärkte Produktion in China, wozu US-Firmen jedoch Lizenzen aus Gründen der nationalen Sicherheit benötigen. Apple selbst sei bereit, seine Bilanz dafür einzusetzen, „Teil der Lösung“ zu sein. Natürlich sei mehr Kapazität notwendig. Was das genau heißt, sagte Cook nicht. Selbst Speicherchips bauen will der Konzern aber nicht. Apple könne nicht alles tun und wisse, was man gut behersche.

(bsc)