|
19.05.2026
15:00 Uhr
|
Nach drei Serienstaffeln landet Mando im Kino. „The Mandalorian and Grogu“ setzt auf rasante Action und eine simple Story, um „Star Wars“-Fans zu unterhalten.

Selten war Star Wars so gut wie im „Mandalorian“. Der Hype ist längst in einer weit entfernten Galaxis verraucht, aber der Start der TV-Serie auf Disney+ war 2019 eine echte Überraschung. Ein unerschütterlicher Western-Held, ein knuffiger Baby-Yoda, ein paar geschickte Rückgriffe auf die originale Filmtrilogie, und für mindestens eine Serienstaffel konnten sich alte Fans noch einmal ein paar Jahrzehnte jünger fühlen.
Der Trick funktionierte, aber leider war es weder das erste noch das letzte Mal, dass „Star Wars“ sich neu erfinden, zu seinen Wurzeln zurückkehren und auf die richtige Seite der Macht wechseln wollte. Der Held mit dem Helm schlug sich über mehrere Staffeln und längere Sendepausen hinweg mit allerlei Ungeheuren, seinem kulturellen Erbe, Superbösewichten und Deepfake-Jedis herum, bis er endlich durchatmen durfte.
Wie geht man mit diesem Wissen um, wenn man „The Mandalorian and Grogu“ schaut? Am besten vergisst man es. Wahrscheinlich ist der Film besser, wenn man nicht extra nochmal nachschaut, durch welche Showdowns und Längen diese Charaktere bereits getrieben wurden. Wissen muss man nur wenig: Der Mandalorianer arbeitet jetzt freiberuflich für die Neue Republik, und Grogu ist sein Lehrling.
Auch als Fan hat man anfangs das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Als Mandos Chefin bei der Republik tritt Sigourney Weaver auf, und sie spielt mit einer derart lässigen Autorität, dass man nachher googeln möchte, ob sie die Rolle nicht vorher schon gespielt hat. Außerdem hat Mando einen affigen, computeranimierten Alien-Kumpel dabei, der offenbar auch schon die dicksten Dinger gemeinsam mit dem Kopfgeldjäger erlebt hat. Man hätte dabei sein müssen.
Viele Typen kann man aus „The Clone Wars“ oder der Rumpfserie „The Book of Boba Fett“ wieder erkennen, aber man muss wirklich nicht. Dass solche Charaktere einfach auftauchen, fühlt sich beim Schauen wie eine Botschaft an: Wir haben keine Zeit, der Film hat keine Überlänge. Es gibt noch ein Special-Effect-Budget zu verheizen. Wer sich in den Sessel setzt, sollte sich anschnallen. Der Film startet mit einer überdrehten Action-Szene wie einst bei James Bond, es knallt schon vor dem Vorspann. Nach dem Vorspann knallt es auch meistens.
Disney
Die Geschichte des Films ist bewusst einfach gestrickt. Nicht nur der Titel „The Mandalorian and Grogu“ klingt wie ein melodramatischer B-Movie, der Film fühlt sich auch so an: Laufend werden neue, unwahrscheinliche und gefährliche Kreaturen enthüllt. Die meisten davon werden versuchen, Mando zu töten. Sein Sieg gegen die Übermacht ist ebenso unwahrscheinlich wie unvermeidlich. Mando wird betäubt, gefangen genommen, unter Wasser getaucht. Man schaut zu, um zu erfahren, wie er sich aus der misslichen Lage befreit, sich sammelt, und Gegner überwindet. Dass er das immer tut, ist kein Spoiler, sondern ein Handlungsmuster aus dem guten alten Groschenroman. Wer da über Logiklöcher nachdenkt, ist eigentlich im falschen Genre.
Der Film startet mit Höchstgeschwindigkeit und wirbelt bis kurz vor der Halbzeit. Das ist zuerst höchst unterhaltsam, fast schon berauschend in dem schnellen Wechsel der abwechslungsreich choreografierten Actionszenen. Es wird aber auch etwas viel. Zwangsläufig hat man alles so ähnlich schon einmal gesehen. Menschliche Gesichter sind eher in Nebenrollen zu sehen. In mehr als einer Szene schleicht sich das Gefühl ein, komplett computeranimierte Action wie in einem Videospiel zu sehen. Als der Film endlich einmal herunterkommt, fühlt es sich kurz so an, als sei eigentlich nur eine besonders opulente Episode der Serie absolviert. Dann geht es aber sehr schnell weiter mit der Achterbahn.
Schon die Serie lebte von dem Kontrast aus einem bierernsten Helden und seinem knuffigen Sidekick. Stop-Motion, quietschige Puppen und Tonwechsel gehörten schon immer zu Star Wars. Und hier wagt „The Mandalorian and Grogu“ einen kühnen Rückbezug. Grogu darf nicht nur in passenden Schlüsselszenen zeigen, dass er übrigens die Macht beherrscht, er spielt über eine Strecke des Films selbst die Hauptrolle. Dramaturgisch hat er sich das verdient, aber in diesen Szenen wird die Glaubwürdigkeit am härtesten strapaziert.
Der Film wechselt das Genre, plötzlich ist alles witziger, und es sieht so aus, als würden Handpuppen gegen computeranimierte Monster antreten. Der Stimmungswechsel erinnert ein bisschen an den ersten Auftritt der Ewoks in „Return of the Jedi“: Gegen kleine Helden stellen sich die Bösen noch dümmer an als sonst. Jede Gefahr kann sich plötzlich in Slapstick auflösen. Ob sich das dann wunderbar nostalgisch anfühlt oder eher lächerlich, ist Geschmackssache. Es geht auch beides auf einmal.
Dass offenkundig mehr Geld für Kulissen und Spezialeffekte zur Verfügung stand, ist einer der deutlichsten Unterschiede vom Film zur Serie. Natürlich hilft es auch, dass der Spannungsbogen einmal nicht über acht Stunden gespannt wird. Die außerirdischen Welten sehen bewohnter und detailverliebter aus als auf Disney+. Dazu treten ständig neue animierte Aliens, Roboter und auch per Stop-Motion bewegte Charaktere auf. Glücklicherweise ist kein Jar Jar Binks dabei, die meisten Kreaturen sind tatsächlich angemessen niedlich, furchteinflößend oder eklig. Aber man muss sich schon auf ganz schön wilden Quatsch und einen Plot wie beim Illusionisten einlassen. Wenn man drüber nachdenkt, fällt die Geschichte auseinander. Aber wenn man sich drauf einlässt, ist es pure Magie.
Ob „The Mandalorian and Grogu“ enttäuscht, ist Ansichtssache. Die überstrapazierte, ausgenudelte Marke „Star Wars“ wiederbeleben kann er nicht. Wer all die Spinoff-Serien und Filme der vergangenen Jahre gesehen hat, wird das tiefe Gefühl der Erschöpfung auch mit diesem Film nicht abschütteln können.
Doch Mando besinnt sich erfolgreich auf das Wesentliche. Wer es schafft, sich für rund zwei Stunden unvoreingenommen vor eine möglichst große Leinwand zu setzen und möglichst wenig beim Schauen zu denken, der wird erstklassig unterhalten. „The Mandalorian and Grogu“ funktioniert als kurzweiliger, kompetenter Actionfilm mit lustigen Aliens. Das muss reichen.
(dahe)