Heise 05.06.2026
08:34 Uhr

Ray-Ban Meta: Begleit-App enthält Code für Gesichtserkennung


In der Meta-AI-App steckt offenbar bereits weit entwickelter Code für Gesichtserkennung per Smart Glasses. Freigeschaltet ist die Funktion allerdings nicht.

Ray-Ban Meta: Begleit-App enthält Code für Gesichtserkennung

Meta hat dieses Jahr über mehrere App-Updates hinweg Code für eine Gesichtserkennungsfunktion in seine Meta-AI-App integriert, berichtet Wired. Die Begleit-App wird für die Einrichtung und zentrale Funktionen der Ray-Ban-Meta-Brillen sowie weiterer Smart Glasses des Unternehmens benötigt.

Die intern als „NameTag“ bezeichnete und bislang nicht aktivierte Funktion soll Personen erkennen, die von der Kamera der Brille erfasst werden, und den Träger benachrichtigen, wenn ein bekanntes Gesicht identifiziert wird. Wired beruft sich auf eine eigene Analyse des App-Codes. Die wesentlichen Befunde wurden zudem von zwei unabhängigen Sicherheitsexperten nachvollzogen. „Die Funktion ist für Verbraucher noch nicht zugänglich, scheint aber nahezu einsatzbereit zu sein“, sagt der Sicherheitsforscher Cooper Quintin, der den Code untersucht hat.

Ein Meta-Sprecher stellte den Bericht nicht grundsätzlich infrage. Man habe bereits zuvor erklärt, entsprechende Funktionen zu erkunden und die im Code entdeckten Komponenten seien lediglich ein Beleg für diese Arbeit.

„Bislang wurde keine entsprechende Funktion für Nutzer eingeführt, und keine endgültige Entscheidung darüber getroffen, ob und wie wir vorgehen werden. Sollten wir etwas einführen, werden wir dabei mit Bedacht vorgehen und dies mit voller Transparenz tun.“

Die Analyse des App-Codes soll zeigen, dass das „NameTag“ genannte, inaktive System auf drei lokalen KI-Modellen basiert. Eines erkennt Gesichter, ein weiteres erstellt Gesichtsausschnitte, und ein Drittes wandelt die erfassten Gesichter in biometrische Merkmalsprofile, sogenannte Faceprints, um. Im aktivierten Zustand würde die Funktion von der Brillenkamera erfasste Gesichter mit auf dem Smartphone gespeicherten Faceprints abgleichen.

Diese Datenbank ist laut der Wired-Analyse darauf ausgelegt, Faceprints von Meta-Servern abzurufen und lokal auf den Geräten der Nutzer zu speichern. Erkennt das System eine Übereinstimmung, soll es den Träger benachrichtigen. Nicht erkannte Gesichter würden dagegen ausgeschnitten, indexiert und in einem als „Ausstehend“ bezeichneten Ordner gespeichert.

Bislang finden sich laut Wired lediglich Fragmente der Bedienoberfläche. Allerdings wurde die Funktion noch im Mai überarbeitet und zu „Connections“ umbenannt. Unklar bleibe, wessen Gesichter überhaupt in die Erkennungsdatenbank aufgenommen werden könnten, wie entsprechende Profile entstehen würden und wie viele Personen letztlich identifizierbar wären. Meta selbst dementiert in der Stellungnahme, eine zentrale Gesichtsdatenbank aufzubauen.

Die Klarstellung zielt auf einen sensiblen Punkt: Meta hatte 2021 angekündigt, sein früheres Gesichtserkennungssystem für automatische Tagging-Vorschläge einzustellen und die Faceprints von mehr als einer Milliarde Nutzern zu löschen. Das System hatte dem Unternehmen jahrelange Datenschutzkritik und teure Vergleiche eingebracht, darunter 650 Millionen US-Dollar in Illinois und 1,4 Milliarden US-Dollar mit Texas.

Hinweise darauf, dass Meta speziell für seine Smart Glasses an Gesichtserkennung arbeitet, gibt es schon länger. Im Februar berichtete unter anderem die New York Times darüber. Überraschend ist jedoch, wie weit die Entwicklung bereits gediehen sein soll und dass zentrale Komponenten offenbar bereits in der Meta-AI-App angelegt sind.

Eine detaillierte Analyse des App-Codes durch den unabhängigen Sicherheits- und Datenschutzforscher Buchodi ist online verfügbar.

(tobe)