Heise 25.03.2026
09:20 Uhr

Range Extender als wiederbelebte Übergangslösung: Wohin soll das führen?


Für die Autoindustrie könnten die Reichweiten-Verlängerer spannend sein, doch die alte Idee hat unverändert ein paar negative Begleiterscheinungen.

Range Extender als wiederbelebte Übergangslösung: Wohin soll das führen?

Der VW ID. Era 9X ist das neue 5,21 m lange SUV, das das Joint Venture SAIC-VW auf dem chinesischen Markt anbietet. Es hat eine wahlweise 51 oder 65 kWh fassende Traktionsbatterie sowie einen 220 kW starken Elektromotor an der Hinterachse. Um das über 2600 kg schwere Fahrzeug über sehr lange Strecken zu bewegen, verfügt der ID. Era 9X zusätzlich immer über einen sogenannten Range Extender. Das ist ein Vierzylinder-Verbrennungsmotor mit 1,5 Litern Hubraum und 105 kW Leistung.

Dieses Beispiel ist typisch für den Range-Extender-Antrieb, wörtlich übersetzt für den Reichweitenverlängerer. Nirgends ist eine exakte Definition zu finden, was das genau ist. Trotzdem ist der Begriff überall zu lesen – zum Beispiel im Entwurf der Europäischen Kommission zum sogenannten Aus vom Aus des Verbrennungsmotors. Dort heißt es, dass Pkw mit „Plug-in-Hybridantrieb (PHEV), Reichweitenverlängerer, Mildhybride und Verbrennungsmotoren über 2035 hinaus in Ergänzung zu Elektroautos eine Rolle spielen sollten“. Das ist feinstes Lobbysprech. Was aber ist gemeint?

Wenn es keine gesetzliche Definition gibt, muss die Konvention herhalten. Range Extender bezeichnen meistens die Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor ohne mechanische Verbindung. Der Verbrennungsmotor betreibt einen Generator, dessen Strom entweder in eine Batterie oder direkt in den Elektromotor fließt. Der formale Vorteil ist, dass es in diesem seriellen Hybridantrieb weniger mechanische Teile gibt als bei anderen Bauweisen, weniger Raum benötigt wird und die Kosten niedriger sind. Dazu kommt, dass der Verbrennungsmotor im optimalen Betriebspunkt arbeiten kann. Das klingt scheinbar logisch.

Dem gegenüber stehen die Nachteile. Zwei Antriebe sind der doppelte Aufwand mit nötiger Wartung und entsprechendem Risiko für Reparaturen. Die Kostendegression bei Batteriezellen ist groß und setzt sich fort. Im Klartext: Es ist nicht automatisch so, dass der Zusatzaufwand für den Verbrennungsmotor inklusive Kraftstoffbehälter, Abgasanlage sowie Reinigung günstiger ist als ein höherer Energiegehalt in der Traktionsbatterie.

Außerdem ist die Effizienz in vielen Betriebszuständen dürftig. Der Verbrauch ist prinzipbedingt hoch, was mit entsprechenden CO₂-Emissionen einhergeht. Obwohl die Schonung des Weltklimas zurzeit seltsamerweise etwas aus der Mode gekommen zu sein scheint, sollte dieser Aspekt selbstverständlich alles andere als gleichgültig sein.

Vielleicht geht es bei Range Extendern vorwiegend um Psychologie: Die Angst, mit dem Elektroauto nicht weit genug zu kommen und irgendwo lange Laden zu müssen, könnte mit dem Reichweitenverlängerer gelöst sein. Dass die Autoindustrie nebenbei und vorübergehend noch abgeschriebene Verbrennungsmotoren verkaufen kann, wird wohlwollend akzeptiert.