Heise 09.06.2026
14:00 Uhr

Nextcloud Hub 26 Spring: Euro-Office fordert Collabora heraus


Nextcloud erweitert seine Kollaborationsplattform: Euro-Office als MS-Office-Alternative, neue Governance-Funktionen für Behörden und ein deutlich mehr KI.

Nextcloud Hub 26 Spring: Euro-Office fordert Collabora heraus

Nextcloud hat Hub 26 Spring veröffentlicht, die neue Version der quelloffenen Kollaborationsplattform. Die Software vereint Dateisynchronisation, Dokumentenbearbeitung, Groupware, Chat und Videokonferenzen sowie KI-Werkzeuge in einer Plattform, die sich selbst hosten lässt. Die wichtigsten Neuerungen: eine zweite Office-Suite namens Euro-Office, neue Governance-Funktionen für Unternehmen und Behörden sowie ein deutlich erweiterter KI-Assistent.

Mit dem auf Euro-Office basierenden Nextcloud Office bietet das Projekt erstmals eine zweite Office-Suite an, die standardmäßig zur Verfügung steht – neben Collabora Online. Die neue Suite soll vor allem bei der Kompatibilität mit Microsoft-Office-Formaten und bei der Geschwindigkeit im Browser punkten. Nutzer bearbeiten damit Texte, Tabellen und Präsentationen gemeinsam. Laut Nextcloud setzt das neue Office auf eine eigene Architektur, die den Server entlasten soll. Auch in den mobilen Apps für iOS und Android lassen sich Dokumente damit bearbeiten. Collabora Online bleibt erhalten und soll seine Stärken weiter bei der engen Nextcloud-Integration, der Unterstützung offener Dokumentformate (ODF) und beim Datenschutz ausspielen.

Euro-Office passt zur Souveränitätsstrategie, die Nextcloud seit Jahren verfolgt. Das Projekt versteht sich als europäische Open-Source-Initiative mit gemeinsamem Governance-Modell. Anwender können zwischen den beiden Office-Backends wählen – je nachdem, ob für sie die Microsoft-Kompatibilität oder die enge Anbindung an Nextcloud wichtiger ist. Wer Nextcloud AIO einsetzt, wechselt direkt in der Weboberfläche zwischen beiden Optionen.

Für Unternehmen und Behörden führt Nextcloud die neue Komponente Nextcloud Governance ein. Sie richtet sich an Organisationen mit regulatorischen Vorgaben und umfasst Werkzeuge wie Sensitivity Labels zur Einstufung sensibler Daten, einen Legal-Hold-Mechanismus sowie Funktionen für Archivierung und Datenlebenszyklus. Ein Legal Hold verhindert etwa, dass jemand Dateien während eines laufenden Rechtsstreits löscht. Sensitivity Labels schränken den Zugriff auf vertrauliche Dokumente ein.

Auch der KI-Assistent Nextcloud Assistant kann mehr. Er greift nun auf die zentrale Suche der Plattform (Unified Search) zu und nutzt Daten aus verschiedenen Anwendungen – etwa aus Dateien, E-Mails, Aufgaben, Formularen oder Projektboards. Möglich macht das die sogenannte Context-Agent-Funktion, die Informationen aus mehreren Quellen zusammenführt. So lassen sich beispielsweise die offenen Aufgaben eines Projekts samt der dazugehörigen E-Mails abfragen. Zudem läuft der Assistent jetzt auf Mobilgeräten, sein Fenster lässt sich verschieben und in der Größe anpassen. Für die Context-Chat-Funktionen unterstützt Nextcloud nun auch Kubernetes.

Mit Blick auf die EU-Regulierung liefert Nextcloud zudem die für den AI Act nötige Dokumentation mit. Das ist vor allem für Organisationen wichtig, die den Assistenten in regulierten Umfeldern einsetzen wollen.

Bei der Kommunikationssoftware baut Nextcloud die App Talk aus. Neu sind sogenannte dauerhafte Sprachräume (Voice Rooms), die an die Sprachkanäle von Discord erinnern. Hinzu kommen private Antworten auf Nachrichten in Gruppenchats, eine bessere Geräuschunterdrückung und Unterstützung für mehrere Konten im Desktop-Client. Letzterer unterstützt nun automatische Updates über den Automatic Updater.

Die Groupware-Apps erhalten neue Vertretungsfunktionen. Nutzer können E-Mails im Namen anderer lesen und beantworten oder Termine stellvertretend verwalten. Auch das Weiterleiten von Kalendereinladungen ist jetzt möglich; Organisatoren können diese Weiterleitung für bestimmte Termine unterbinden. Für die Anbindung externer Systeme unterstützt Nextcloud nun CalDAV und CardDAV mit Lese- und Schreibzugriff. Damit binden Anwender Kalender und Adressbücher aus anderen Groupware-Systemen ein und synchronisieren sie.

Die Projektmanagement-App Deck bekommt Gantt-Diagramme, Abhängigkeiten zwischen Aufgaben sowie Start- und Endtermine. Gantt-Diagramme zeigen Projektpläne entlang einer Zeitachse und machen die Abhängigkeiten zwischen einzelnen Aufgaben sichtbar. Außerdem lassen sich Aufgaben jetzt ganzen Teams zuweisen, nicht mehr nur einzelnen Personen.

Verbesserungen gibt es auch bei den Werkzeugen für Wissensmanagement und Dokumentation. Der Markdown-Editor Nextcloud Text arbeitet bei einem Verbindungsabbruch bis zu fünf Minuten ohne Netz weiter. In Collectives zeigt Nextcloud bereits geöffnete Inhalte auch offline aus dem lokalen Cache an. Zudem haben die Entwickler die Suche überarbeitet.

Nextcloud Tables, eine No-Code-App für strukturierte Daten, soll das Organisieren von Daten weiter erleichtern. Nutzer sortieren, verschieben und heften Spalten an, duplizieren und löschen Zeilen und geben Tabellen über öffentliche Links mit Schreibrechten frei. Benachrichtigungen informieren über Änderungen an Daten und Ansichten.

Optisch hat Nextcloud die Oberfläche überarbeitet und setzt auf ein helleres Design. Die installierten Apps erreichen Nutzer künftig über ein gebündeltes Waffle-Menü, das alle Anwendungen an einer Stelle zusammenfasst. Das soll die Oberfläche entlasten, je mehr Apps zusammenkommen.

Auch an der linken App-Navigation und an der rechten Seitenleiste hat das Team gearbeitet. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Korrekturen in den Einstellungen und quer durch die einzelnen Apps.

Für Entwickler kündigt Nextcloud ein Programm für Softwareanbieter (Independent Software Vendors, ISV) an. Es soll externe Entwickler stärker unterstützen und das App-Ökosystem ausbauen. Dazu verspricht das Unternehmen stabilere Programmierschnittstellen, eine überarbeitete Entwicklerdokumentation und ein eigenes Team für Developer Relations.

Zu den weiteren Integrationen der neuen Version gehören Anbindungen an Matrix/Element, Pexip und Windmill. Nach Angaben von Nextcloud entfallen rund 96 Prozent der Änderungen in dieser Version auf Wartung, Fehlerbehebung, Performance und Sicherheit. Eine vollständige Übersicht aller Neuerungen findet sich in den Release Notes.

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(fo)