Heise 19.05.2026
14:18 Uhr

Internet-TV überholt Kabel: Streaming wird zum wichtigsten Empfangsweg


Mehr als die Hälfte der Haushalte in Deutschland soll inzwischen über das Internet fernsehen. Kabel rutscht damit erstmals auf Platz zwei.

Internet-TV überholt Kabel: Streaming wird zum wichtigsten Empfangsweg

Der Streaming-Anbieter Zattoo hat in seinem TV-Streaming-Report 2026 festgestellt, dass Internetfernsehen immer populärer wird. 54 Prozent der Befragten nutzen demnach IPTV oder Streaming-Dienste, während Kabel und Satellit jeweils nur noch auf 28 Prozent kommen. DVB-T liegt bei 5 Prozent der Nutzer im Kurs. Für 31 Prozent ist Streaming inzwischen der wichtigste Zugang zum Fernsehprogramm. Kabel (23 Prozent) und Satellit (22 Prozent) verlieren damit ihre Vormachtstellung in deutschen Wohnzimmern.

Lange galt Streaming als kompliziert oder teuer. Diese Vorbehalte verlieren aber zunehmend an Gewicht. Nur noch 23 Prozent der Befragten nennen hohe Kosten als eine Hürde. Im Vorjahr lag die Zahl noch bei 32 Prozent. Auch Sorgen um instabiles Internet oder schwierige Einrichtung spielen nur noch eine Nebenrolle und sanken von 11 Prozent im Vorjahr auf nur noch 4 Prozent.

Dafür rückt ein anderes Thema nach vorn: die Fragmentierung des Marktes. Zwischen Mediatheken, Live-TV-Apps und kostenpflichtigen Diensten fällt es offenbar schwerer, den Überblick zu behalten. Jeder Zehnte, der noch nicht streamt, nennt genau das als Grund.

Auch beim Nutzungsverhalten zeigt sich ein klarer Trend: 28 Prozent binden sich nicht mehr langfristig an Streaming-Abos. Stattdessen werden Dienste gezielt für einzelne Serien oder Sportevents gebucht und danach wieder gekündigt. Fast jeder Fünfte hat im vergangenen Jahr ein Abo wegen des Preises beendet. Komplett auf Streaming verzichten aber die wenigsten – stattdessen wird verglichen, gewechselt und gespart.

Der Anteil der Live-TV-Schauenden über das Netz stieg innerhalb eines Jahres von 31 auf 36 Prozent und verzeichnet damit das größte Wachstum aller genutzten Online-Videoangebote. Insgesamt bleibt bei den Videoplattformen aber YouTube mit 59 Prozent führend, während Mediatheken und klassische Video-on-Demand-Angebote ebenfalls zulegen (von 48 auf 51 Prozent). Das Angebot verteilt sich also auf immer mehr Quellen.

Trotz Smartphones, Tablets oder Medienbrillen spielt sich das Gros der Unterhaltung weiterhin auf dem großen Bildschirm ab. 67 Prozent nutzen einen Smart-TV für Streaming. 28 Prozent streamen am Laptop oder Rechner, das Smartphone als primäres Streaming-Gerät liegt gleichauf. 23 Prozent nutzen ein Tablet.

Die Ergebnisse basieren auf einer Online-Befragung mit 1045 Teilnehmenden zwischen 16 und 69 Jahren. Zattoo gibt an, die Daten seien gewichtet und repräsentativ. Allerdings bleiben ältere Bevölkerungsgruppen außen vor, die beim klassischen Fernsehen eine wichtige Rolle spielen. Auch Mehrfachnennungen sind möglich, wodurch sich Nutzungsanteile überlappen können.

Zudem stammt die Studie von einem Unternehmen, das selbst im Streaming-Markt aktiv ist. Das muss die Ergebnisse nicht entwerten, macht die Perspektive aber klar. Immerhin: Die Erhebung wird seit Jahren ähnlich durchgeführt, wodurch sich Entwicklungen gut vergleichen lassen.

(joe)