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04.09.2026
15:00 Uhr
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Archetypes Sci-Fi-RPG gilt als das neue „Mass Effect“. Wir haben die taktischen Kämpfe der eigenwilligen Zukunftsvision auf der Gamescom ausprobiert.

Vierzigtausend Jahre in der Zukunft hat sich die Menschheit so weit auseinanderentwickelt, dass manche ihrer Nachfahren kaum noch als menschlich durchgehen. Das ist die Ausgangslage von „Exodus“. Das Sci-Fi-Action-Rollenspiel ist das Debüt von Archetype Entertainment, einem Studio, das sich zu großen Teilen aus ehemaligen BioWare-Entwicklern zusammensetzt. Narrative Director Drew Karpyshyn war unter anderem Lead Writer der ersten beiden „Mass Effect“-Teile. Dass der Vergleich mit BioWares legendärer Trilogie seit der Ankündigung über dem Projekt schwebt, dürfte also niemanden überraschen.
Ob „Exodus“ aus diesem Schatten heraustreten kann, können wir auch nach unserem Anspieltermin auf der Gamescom 2026 nicht klären. Dazu braucht es deutlich mehr als eine Stunde Spielzeit. Wie sich das Kampfsystem anfühlt und wie sich „Exodus“ präsentiert, ist nun jedoch deutlich klarer.
Die Menschheit hat die Erde in „Exodus“ längst hinter sich gelassen und sich im Centauri Cluster ausgebreitet. Einige ihrer Nachfahren entwickelten sich über Jahrtausende zu den technologisch und biologisch weit überlegenen Celestials. Probleme gibt es aber auch in dieser fernen Zukunft noch genügend. Auf der Welt Lidon bedroht eine als Fäule bezeichnete Seuche die lebenswichtige Celestial-Technologie. Spieler übernehmen die Rolle von Jun Aslan, der als „Traveler“ mit seiner Crew durch verschiedene Systeme reist, um mächtige Relikte der Celestials zu bergen und Lidon vor dem Untergang zu bewahren.
Archetype Entertainment
Die spielbare Mission schickt die Crew auf die Orbitalstation Khonsu, deren Schild Lidon vor Gefahren schützt. Der Schild wiederum wird von einer Spezies namens „Kay“ aufrechterhalten, die aber in ihrer eigenen Heimat versklavt wurden. Unser Team soll die Führung der Angreifer stürzen und die Ordnung auf Lidon wiederherstellen, damit der Planet wieder sicher ist. Schon während des Briefings zeigt „Exodus“ seine cineastischen Qualitäten. Die Kameraführung ist filmreif, und die Synchronsprecher sowie die Animationen lassen die Charaktere trotz der leicht stilisierten Darstellung, die an „Clair Obscur: Expedition 33“ erinnert, lebendig wirken. Im Gegensatz zum Überraschungshit aus dem Jahr 2025, der mit neun Game Awards prämiert wurde, ist der Grafikstil aber deutlich kälter und metallischer. Das passt perfekt zum Sci-Fi-Setting.
Auf dem Weg durch Khonsu unterstützen Jun zwei Teammitglieder mit unterschiedlichen Fähigkeiten im Kampf gegen die „Ghosts“. Die Konfrontationen laufen während der knapp einstündigen linearen Mission grundsätzlich ähnlich ab: Das Team betritt einen neuen Bereich, Gegner strömen in die Arena und los geht’s. Spannend werden die Kämpfe vor allem durch die taktische Komponente. Dauerfeuer ist zwar möglich, aber nicht sehr effizient, weil durch stumpfes Draufhalten schnell die Munition knapp wird und das Nachladen unnötige Angriffsfenster für die flinken Besatzer öffnet. Jeder Gegnertyp hat bestimmte Schwächen, die durch Spezialfähigkeiten von Jun oder seinen Helfern ausgenutzt werden können.
Wenn möglich, lohnt es sich sogar, sich anzuschleichen. Dabei gehen wir erst in Deckung und markieren mit dem Umgebungsscanner feindliche Positionen durch Wände hindurch. So kann sich Jun seitlich anschleichen und einen Posten lautlos ausschalten, während wir die an einen mächtigen Space Marine erinnernde Begleiterin Elise für Flächenschaden positionieren. Erst dann eröffnen wir das Feuer mit dem „Recycler“ – Juns wandelbarer Waffe, die auf Knopfdruck zwischen Repetiergewehr, Präzisionsschüssen und Nahkampfmodus wechselt.
Stapft ein schwerfälliger Ghost mit übergroßem Schild auf uns zu, setzen wir Assassinen-Begleiter Suliman auf ihn an, der ihn hinterrücks mit einer Art Teleportationsattacke von seinem Schild trennt und so die Schussbahn für uns frei macht. Haben wir genügend Aktionspunkte, zerstören wir den Schild mit einem von Jun herbeigeführten kleinen Erdbeben einfach selbst. Die KI-Begleiter kämpfen auch ohne Anweisungen auffallend engagiert, fordern für ihre Spezialfähigkeiten aber immer wieder lautstark Befehle ein. Juns eigene Fähigkeiten und die der Begleiter werden bequem über ein Auswahlrad per Druck auf die Schultertaste ausgewählt. Dabei verlangsamt sich die Zeit etwas, allzu lange sollten Spieler mit der Entscheidung also nicht zögern.
Die Fähigkeiten von Jun und seinem Team beschränken sich nicht nur auf Angriffe. Zwischendurch stehen wir immer wieder vor Umgebungsrätseln, die aber meist selbsterklärend sind. Mal verformen wir Gestein zu einer Brücke oder funktionieren eine Steinplatte zum Aufzug um. Auch Kollege Suliman kann mehr als nur ballern und öffnet für uns versteckte Türen. Ist der Ausweg nicht sofort ersichtlich, hilft der Umgebungsscanner beim Finden der nötigen Interaktionspunkte. Unterwegs stießen wir auch auf einen verwundeten feindlichen Soldaten, der uns um ein Medi-Kit bat. „Exodus“ streut also gelegentlich Entscheidungen ein, die Konsequenzen nach sich ziehen. Verweigern wir die Hilfe, stirbt der reumütige Krieger vor unseren Augen. Geben wir es ihm, nimmt er dankend Reißaus. Gut möglich, dass wir ihm im späteren Spielverlauf auf die ein oder andere Weise erneut begegnen.
Auch am Ende der Mission erwartete uns eine Entscheidung, von der wir zwei Wege ausprobieren konnten: Töten wir den abtrünnigen Lieutenant nach einem Streitgespräch, erwartet uns ein Bosskampf gegen seinen treuen gigantischen Begleiter. Beim Versuch, uns verbal aus der Situation zu wieseln, landeten wir allerdings beim gleichen Ergebnis. Was wir nicht erlebt haben, ist das zentrale Alleinstellungsmerkmal von „Exodus“: die angekündigte Zeitdilatation. Während Spieler Reisen mit annähernder Lichtgeschwindigkeit unternehmen, sollen im fertigen Spiel auf der Heimatwelt Jahrzehnte vergehen können. Karpyshyn erklärte bereits, das Konzept sei auf erzählerische Schlüsselstellen konzentriert worden. Wie es sich anfühlt, nach einer Mission zurückzukehren und eine Generation verpasst zu haben, können wir schlicht noch nicht beschreiben.
Insgesamt macht die Action in „Exodus“ einen soliden Eindruck, steuert sich eingängig, erfindet das Rad aber nicht neu. Die Spezialfähigkeiten von Jun und seinen Teammitgliedern erweitern die Deckungs-Shooter-Passagen um eine taktische Komponente, die verschiedene Lösungswege in Konfrontationen ermöglicht. Entscheidungen in Dialogen wirken sich auch auf die Stimmung der Begleiter aus. Mögliche Konsequenzen haben wir bislang aber nicht erlebt.
Auch einen Bosskampf im Dialog abzuwenden, ist uns nicht gelungen. Wie umfangreich diese Systeme letztlich werden und wie sehr sie den Spielverlauf beeinflussen, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar. Die erste Mission gab aber immerhin einen guten Einblick in die Komplexität der Spielwelt und die starke Inszenierung. Hier hat „Exodus“ das Potenzial, in die Fußstapfen des großen Vorbilds treten zu können. Die wirklich spannenden Antworten bleibt uns Archetype aber noch schuldig.
„Exodus“ ist ein Sci-Fi-Action-RPG von Archetype Entertainment und Wizards of the Coast und erscheint am 7. April 2027 für Playstation 5, Xbox Series X/S und PC.
(joe)