|
28.05.2026
13:58 Uhr
|
55 Zoll sind der neue Standard, Mini-LED boomt, RGB-Backlights kommen. Warum TCL dennoch auf Quantum Dots schwört und wie bei den Zonen-Zahlen getrickst wird.

Der Fernsehmarkt befindet sich im Umbruch: Bildschirme jenseits der 55-Zoll-Marke werden zur Regel und Mini-LED-Fernseher legen ordentlich zu. Gleichzeitig sehen die meisten Nutzer nicht im Hochkontrastformat HDR in 4K, sondern im traditionellen Videostandard SDR mit Full-HD-Auflösung – obwohl die allermeisten TV-Geräte heute die vierfache Pixelanzahl von 3840 x 2160 Bildpunkten besitzen und HDR-fähig sind.
Immer mehr Hersteller verwenden für ihre Flachbildfernseher RGB-Mini-LEDs im LCD-Backlight, darunter neben LG, Hisense, Samsung und Sony nun auch der chinesische Displayspezialist TCL. Warum TCL seine LCD-TVs mit blauem LED-Backlight und Quantenpunkten dennoch über die Modelle mit RGB-Mini-LEDs stellt, welche Marketing-Tricks bei der Angabe der Dimming-Zonen zum Einsatz kommen und welche Trends Käufer unbedingt im Auge behalten sollten, lesen Sie im Folgenden.
Die TV-Marktdaten für 2025 zeichnen ein klares Bild: Größere Bildschirme erobern nun endgültig auch europäische Wohnzimmer. Fernseher mit 55 Zoll und mehr (mindestens 1,40 Meter Bilddiagonale) machten bereits 41 Prozent aller in der EU verkauften Geräte aus, in Deutschland waren es sogar 50 Prozent. TV-Hersteller TCL erwartet, dass dieser Anteil im Jahr 2026 auf 43 Prozent steigt und hierzulande auf 51 Prozent.
Angesichts der stark sinkenden Preise für größere Bildschirmgrößen überrascht dieser Trend kaum. Geräte ab 60 Zoll machten 2024 rund 18 Prozent des Marktes aus, 2025 stieg dieser Anteil auf 20 Prozent, bis 2027 sollen es nach Einschätzung von TCL etwa 27 Prozent werden. Sortiert nach Bildschirmgröße gewinnen sehr große Modelle ab 1,90 Meter Bilddiagonale, also Displays mit 75, 85 und 98 Zoll, stetig Marktanteile hinzu; sie machen Anfang 2026 bereits 10 Prozent des gesamten TV-Markts in Europa aus.
Diese Verschiebung spiegelt sich in der durchschnittlichen TV-Größe in Europa wider. Sie liegt Anfang 2026 bei rund 1,27 Meter Diagonale (50 Zoll) und soll bis 2028 in Richtung 1,40 Meter Diagonale (55 Zoll) weiterwachsen. Zur Erinnerung: Vor 15 Jahren lag die durchschnittliche Bildschirmgröße noch bei 81 cm (32 Zoll).
Die Mini-LED-Technik wird nach Einschätzung von TCL Fahrt aufnehmen und von acht Prozent im Jahr 2025 auf 10 Prozent im kommenden Jahr zulegen. Sie ist damit über die verschiedenen Preissegmente hinweg die am schnellsten wachsende Technik, während OLED im Premiumsegment seine solide Position behauptet. Laut TCL liegt der durchschnittliche Austauschzyklus eines Fernsehers inzwischen bei etwa acht Jahren, wobei Käufer in Europa im Mittel 500 Euro für ein TV ausgeben.
Beim Nutzungsverhalten bleibt Streaming am großen TV-Schirm in Europa die dominierende Inhaltsquelle, sie macht rund 30 Prozent der gesamten Sehzeit aus. Über HDMI angeschlossene Set-Top-Boxen, die wahrscheinlich vor allem für Live-TV-Dienste genutzt werden, machen weitere 30 Prozent aus, während klassische DVB-Übertragungen 15 Prozent erreichen. In Deutschland sind die linearen Empfangswege über im TV eingebaute Tuner noch stärker verbreitet. Beide Empfangswege sind Anfang dieses Jahres im Vergleich zu den Vorjahreswerten von 35 beziehungsweise 25 Prozent deutlich zurückgegangen. Die am stärksten wachsende Kategorie sind nutzergenerierte Inhalte, vor allem von YouTube. Ihr Anteil an der Sehzeit ist von gerade einmal 2 auf 15 Prozent gestiegen.
Während Spielkonsolen mit rund 10 Prozent Nutzungsanteil stabil blieben, fielen Inhalte von UHD-Blu-ray auf unter 1 Prozent. Besonders bemerkenswert ist jedoch, dass Zuschauer noch immer rund 90 Prozent ihrer Zeit am großen 4K-TV Standardinhalte in Full-HD-Auflösung schauen. Die meisten Verbraucher belassen ihr Gerät zudem in dem Bildmodus, in dem das TV ausgeliefert wird. Das ist meist der „Standard“-Modus. Allenfalls wechseln sie in einen intelligenten Modus, der ihnen während der Installation angeboten wird. Die exakteren Bildmodi wie „Kino“, „Filmmaker“ und „IMAX“ aktivieren dagegen nur etwa ein Prozent aller Zuschauer. Dabei zeigen die TVs insbesondere im Filmmaker- oder Kino-Modus eine deutlich bessere Darstellung, ohne dass man am Modus selbst etwas verändern müsste.
TV-Hersteller TCL führt in diesem Jahr eine neue Generation seiner Quantum-Dot-Technik unter der Bezeichnung SQD (Super Quantum Dot) ein. Sie steckt in den Modellen X11L, C8L und C7L und soll für einen größeren Farbraum und höhere Spitzenhelligkeit sorgen. Wie bisher steckt in den LC-Displays eine blaue Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung, während eine Schicht aus winzigen Nanopartikeln, sogenannte Quantum Dots, einen Teil dieses blauen Lichts so wandelt, dass ein breiteres Weißlichtspektrum entsteht. Ein LCD-Panel mit Farbfiltern auf Pixelebene erzeugt anschließend die roten, grünen und blauen Subpixel für jedes Pixel.
Jeden dieser Schritte hat TCL nach eigenen Angaben optimiert. So erzeugen TCLs neue Quantum Dots schmalere Spektralspitzen: Während die bisherigen Quantum Dots wie im C8K ein Spektrum mit rund 50 Nanometern FWHM-Breite aufweisen (Full Width at Half Maximum, also die Spektralbreite bei der halben maximalen Höhe), erreichen die neuen SQD-Fernseher wie der C8L nun deutlich engere Spektren mit 25 bis 35 Nanometern FWHM.
Darüber hinaus hat TCL die Farbfilter überarbeitet, um die Überlappung zwischen den Primärfarben zu minimieren. Das Ergebnis sind besser definierte, also sattere RGB-Primärfarben. Die neuen SQD-Fernseher decken den Rec.-2020-Farbraum laut TCL zu etwa 92 Prozent ab, bei den Vorjahresmodellen waren es nur 79 Prozent. Weil ein schmalbandiger Farbfilter auch zu etwas höheren Lichtverlusten führt, kompensiert TCL diese Verluste durch effizientere Mini-LEDs in der Hintergrundbeleuchtung.
Die vielleicht überraschendste Ankündigung: TCL will nun auch in Europa TVs mit RGB-Mini-LEDs im Backlight einführen, genauer die Modellserien RM9L und RM7L. RGB-Mini-LED dürfte sich in den kommenden Jahren zu einem bedeutenden Branchentrend entwickeln, wobei Hersteller wie LG, Hisense, Samsung und Sony ebenfalls ähnliche Implementierungen vorbereiten oder schon anbieten.
Hierbei handelt es sich aber nicht um echte LED-TVs, bei denen jedes Pixel aus (mindestens) einer LED besteht, sondern um konventionelle LCD-Panels. Bei ihnen ersetzen jedoch Gruppen aus roten, grünen und blauen Mini-LEDs die blauen Leuchtdioden in der Hintergrundbeleuchtung. Die Schicht aus farbkonvertierenden Quantenpunkten kann so entfallen. Die wesentlichen Vorteile der RGB-Mini-LED-TVs: Sie besitzen einen größeren Farbraum, weniger sichtbare Halo-Effekte und größere Einblickwinkel. Laut TCL decken die TVs mit der neuen Hintergrundbeleuchtung rund 93 Prozent des Rec.-2020-Farbraums ab. Ihr Nachteil: Sie sind teurer und das Hintergrundlicht wesentlich aufwändiger anzusteuern.
Auch das Backlight der RGB-Mini-LED-Modelle ist in vielen unabhängig steuerbaren Zonen unterteilt. Dabei lässt sich in jeder Zone nicht nur die Helligkeit, sondern auch die Farbe verändern, indem man die roten, grünen und blauen LEDs separat ansteuert. Das soll die Sichtbarkeit von Blooming-Artefakten deutlich reduzieren: Ein helles rotes Objekt vor einem dunklen Hintergrund würde beispielsweise einen rötlich gefärbten Halo erzeugen statt des deutlich auffälligeren weißen Leuchtens, das typischerweise mit konventionellen Mini-LEDs einhergeht. Auch die Einblickwinkel sollen größer sein, was auch dem geringen Abstand zwischen Backlight und LC-Panel geschuldet ist. Wie gut das Dimming funktioniert, hängt aber weiterhin stark von der Anzahl der verfügbaren Dimming-Zonen ab.
Betrachtet man den RM9L, der den C9K faktisch ersetzt, scheinen beide Modelle eine vergleichbare effektive Zonenzahl zu besitzen. TCL multipliziert jedoch die physische Zonenzahl des RM9L mit drei und kommt so auf die große Menge an Dimmingzonen – eine Praxis, die unter Herstellern von RGB-Mini-LED-TVs verbreitet ist. Ganz falsch ist der Ansatz nicht, da jede Zone unabhängig steuerbare rote, grüne und blaue Elemente enthält. In der Praxis bestehen reale Inhalte aber aus Mischfarben innerhalb derselben Zone, insbesondere bei geringer Zonenzahl. An solchen Stellen müssen alle drei Farben gleichzeitig in unterschiedlicher Stärke leuchten. Wie exakt das Dimming arbeitet und satte Farbkontraste erzielt, dürfte deshalb kaum linear mit der beworbenen verdreifachten Zonenzahl der RGB-Mini-LED-TVs skalieren.
TCL erklärte, dass es seine SQD-Modelle mit einfarbigem Backlight als die leistungsstärksten Geräte im eigenen Portfolio betrachtet und als den RGB-Mini-LEDs überlegen einstuft. Das Unternehmen deutete sogar an, dass die RGB-Mini-LED-Modelle vor allem deshalb eingeführt wurden, weil konkurrierende Hersteller die RGB-Mini-LED-Technik auf den Markt bringen werden. Eine Rolle dürften hier sicher die höheren Kosten für das RGB-Licht gespielt haben, zumal TCL seine TVs bislang auf niedrige Preise getrimmt hat.
(uk)