Heise 04.06.2026
06:15 Uhr

Donnerstag: Amazon-App mit KI-Produktbildern, Milliarden für SpaceX und Alphabet


Bilder fiktiver Produkte + SpaceX vor Börsendebüt + Milliarden für Alphabet-KI + RTX-Spark-Suche auf Computex + Infoabend zur Netidee-Förderung + #heiseshow

Donnerstag: Amazon-App mit KI-Produktbildern, Milliarden für SpaceX und Alphabet

Bilderkennung, KI-generierte Darstellungen und Collagen sollen Kunden helfen, ihre Spendierhosen anzuziehen. Darauf setzt Amazon.com in seiner eigenen Shopping-App. Dabei existieren manche der dargestellten Produkte gar nicht, denn deren Bilder wurden per KI erzeugt. Mehr Geld einnehmen will auch SpaceX und plant 135 US-Dollar als Ausgabepreis beim geplanten Börsengang in der nächsten Woche. Verkauft wird zwar nur ein kleiner Teil aller Aktien, aber trotzdem sollen damit 75 Milliarden US-Dollar eingespielt werden. Fast ein Drittel der Aktien soll an Einzelinvestoren verkauft werden, üblich sind 5 bis 10 Prozent. Das könnte auch daran liegen, dass Großinvestoren bereits andere Produkte finanzieren. So schraubt Google-Mutter Alphabet die Ausgaben für KI weiter nach oben und möchte sich dies von Investoren bezahlen lassen. 10 der zusätzlich geplanten 80 Milliarden US-Dollar hat das Investmentunternehmen von Warren Buffet schon zugesagt – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.

In der Star-Trek-Folge Schisms (TNG S06E05) bilden Crewmitglieder am Holodeck eine Folter- und Experimentierkammer nach, um sich verdrängte Erinnerungen daran wachzurufen. Auf ähnliche Weise möchte Amazon.com Kauflust wecken: Die Amazon Shopping App wird in den USA mit neuen generativen KI-Funktionen ausgestattet. Sobald man etwas in die Suchleiste eingibt, erscheinen Darstellungen von Sachen, vorerst aus den Abteilungen Gewand und Haushaltsgegenstände. Die gezeigten Dinge gibt es aber gar nicht, die Bilder sind KI-generiert. Ein Klick auf eine Darstellung soll zu ähnlichen Produkten aus dem Amazon-Katalog führen. Mitunter zeigt die App auch KI-generierte Zusammenstellungen verschiedener Produkte, die in der Form gar nicht bestellbar sind: Amazon-App zeigt KI-generierte Produkte, die es so nicht gibt.

Freitag kommender Woche soll SpaceX sein Börsendebüt an der New Yorker NASDAQ geben. Diese hat dafür eigens ihre Regeln geändert. Als Ausgabepreis visiert SpaceX 135 US-Dollar pro Aktie an. Damit bewertet sich das Unternehmen selbst mit 1,75 Billionen US-Dollar, berichten Insider. Allerdings wird nur ein kleiner Teil der Anteile überhaupt in den Handel gelangen: zunächst 555 Millionen Aktien, entsprechend knapp 4,3 Prozent des Raumfahrt-Satelliten-KI-Social-Media-Konglomerats. Damit wird der Börsengang von den 1,75 Billionen US-Dollar theoretischer Bewertung voraussichtlich „nur“ 75 Milliarden US-Dollar, abzüglich ein paar Milliarden Spesen, einspielen. Das wäre, gemessen in Dollar, der größte Börsengang aller Zeiten: SpaceX-Börsengang soll 75 Milliarden Dollar einspielen.

Allerdings könnten die Finanzmittel der Anleger langsam zur Neige gehen. Denn Google-Mutter Alphabet plant eine massive Kapitalerhöhung von 80 Milliarden US-Dollar, um weitere Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) zu finanzieren. Offenbar will der Datenkonzern die derzeit enorm hohe Nachfrage nach KI-Chips und -Kapazitäten nutzen, um potenzielle Kapitalgeber zu überzeugen. Das bekannte Investmentunternehmen Berkshire Hathaway des legendären Warren Buffet hat dafür bereits 10 Milliarden Dollar zugesagt. Nun gibt es Bedenken, dass das von Alphabet benötigte Geld an anderen Stellen des Marktes fehlen könnte, etwa für in Kürze geplante Börsengänge wie der von SpaceX, aber auch für OpenAI und Anthropic: Alphabet sucht für KI-Investitionen neues Kapital von 80 Milliarden US-Dollar.

Nvidia-Chef Jensen Huang nutzte seine Keynote-Ansprache zu Beginn der Computermesse Computex in Taiwan unter anderem dafür, den lange erwarteten Notebookprozessor N1X endlich vorzustellen. Viel mehr als den offiziellen Markennamen RTX Spark verriet er aber nicht. Modellvarianten mit zugehörigen Modellnummern sind wie offizielle Angaben zur Abwärme oder andere Eckdaten weiterhin Fehlanzeige. Die Geheimniskrämerei werten wir als Warnsignal, dass RTX-Spark-Geräte vielleicht doch etwas später erscheinen könnten als der von Nvidia versprochene Herbst. Zudem sind sämtliche öffentlich auf der Computex ausgestellten Notebooks funktionslose Mockups. Beim Messebummel konnten wir den abgespeckten N1 aber auch entdecken: Was von der Nvidia RTX Spark Notebook-CPU und ihrem Ableger N1 zu erwarten ist.

Es muss nicht unbedingt um KI gehen bei den Internet-Projekten, für die die österreichische Förderaktion Netidee 300.000 Euro Förderung auslobt. Dabei werden innovative Internet-Projekte sowie die Weiterentwicklung bereits erfolgreicher Internet-Projekte mit Östereichbezug gefördert. Privatpersonen, Unternehmen, Studierende, Vereine und Uni-Institute können sich für eine Prämierung von bis zu 60.000 Euro pro Projekt bewerben. Anträge können online bis zum 7. Juli 2026 auf www.netidee.at eingereicht werden. Zur Beantwortung offener Fragen, etwa zur Einreichung, den Kriterien der Beurteilung und dem Ablauf eines Netidee-Förderjahres gibt es in zweieinhalb Wochen, am 22. Juni, einen digitalen Infoabend.

In der heutigen Ausgabe der #heiseshow besprechen wir unter anderem die Pläne Microsofts, Windows zur KI-Agenten-Plattform zu machen. Ist Windows damit noch ein Betriebssystem oder nur noch eine KI-Plattform? Derweil haben Besitzer von VW-Elektroautos durch eine plötzliche API-Änderung seitens VW keinen Zugriff mehr auf ihre eigenen Fahrzeugdaten über Drittanbieter-Tools. Doch haben Fahrzeugkäufer überhaupt ein Recht auf Echtzeit-Zugriff zu den Daten ihres eigenen Autos? In den USA zeigen interne Dokumente von Sicherheitsbehörden, dass technikkritische Bewegungen unter Beobachtung stehen und intern vor einem wachsenden „Anti-Tech-Extremismus“ gewarnt wird. Wo verläuft die Grenze zwischen legitimer Technikkritik und dem, was Behörden als Extremismus einstufen? Das sind die Themen heute um 17 Uhr live in der #heiseshow: Microsoft Build, VW kappt API, Tech-Extremismus.

Auch noch wichtig:

(fds)