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26.05.2026
12:48 Uhr
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Dell disaggregiert seine Private-Cloud-Angebote, sodass Compute, Storage und Cloud-Stacks unabhängig voneinander skalierbar sind.

Dell hat auf seiner Hausmesse neue Funktionen für die Dell Private Cloud, die Dell Distributed Private Cloud und für die Dell Automation Platform vorgestellt. Sie zielen auf disaggregierte Rechenzentrumsarchitekturen, bei denen Compute, Storage und Netzwerk nicht mehr als gekoppelte HCI-Einheit betrieben werden, sondern getrennt eingerichtet und skaliert werden können.
Die Dell Private Cloud unterstützt dafür mehrere Cloud-Betriebssysteme auf PowerEdge-Servern und PowerStore-Storage. Genannt werden VMware Cloud Foundation 9.1, Microsoft Azure Local und Nutanix AHV mit Dell PowerStore. Das adressiert Umgebungen, in denen mehrere Hypervisoren, Private-Cloud-Plattformen oder mehrere Cloud-Stacks betrieben werden. Dell begründet den neuen Ansatz unter anderem mit Multi-Hypervisor-Umgebungen, geringerem Vendor-Lock-in, der Möglichkeit zum Wechsel zwischen Cloud-Betriebssystemen und der unabhängigen Skalierung von Rechenleistung und Speicher.
Der Ansatz ist ein Gegenpol zu HCI, wo Compute, Storage und Virtualisierung in einem eng gekoppelten Stack verknüpft sind. Das vereinfacht Beschaffung, Aufbau und Betrieb. Entsprechend groß ist HCI in vielen Private-Cloud-Umgebungen verbreitet. Die Kehrseite ist aber, dass die Skalierung und Modernisierung der Ressourcen ebenfalls miteinander verknüpft sind. Bei KI- und datenintensiven Workloads kann das zum Problem werden, denn GPU-Leistung, Storage-Kapazität, File- und Object-Zugriffe, Netzwerkbandbreite, Stromversorgung und Kühlung wachsen selten im gleichen Takt.
Hinzu kommt, dass sich viele KI-Anwendungen und Agenten noch in der Pilotphase, dem Proof of Concept oder im begrenzten Fachbereichstest befinden. Sobald ein Use Case produktiv ausgerollt wird, ändern sich Nutzerzahlen, Inferenzlast, Datenzugriffe, Verfügbarkeitsanforderungen und Sicherheitsvorgaben teils sprunghaft. Damit wird die Infrastrukturplanung schwieriger als bei klassischen Unternehmensanwendungen mit vergleichsweise stabilen Lastprofilen.
Eine disaggregierte Infrastruktur schafft mehr Freiheitsgrade, erhöht aber auch den Aufwand für Planung und Betrieb. Eine Umgebung aus getrennt skalierbaren Server-, Storage-, Netzwerk- und Cloud-Stacks ist kein Rundum-sorglos-Paket. Dell versucht, den zusätzlichen Betriebsaufwand über validierte Designs, zentrale Verwaltung und Automatisierung einzugrenzen. Dazu wurden mehrere Erweiterungen der Automation Platform vorgestellt, beispielsweise die Kombination von KI-Agenten mit einer dialogorientierten Bedienoberfläche.
Die neue Plattform kann Cloud-Betriebssysteme auf PowerEdge und PowerStore installieren und über ein gemeinsames Managementmodell betreiben. Automation Studio ergänzt diese Funktionen. Damit sollen Unternehmen eigene Automatisierungs-Workflows über Infrastruktur und Anwendungen hinweg erstellen können. Dell adressiert damit nicht nur Erstinstallation und Provisionierung, sondern auch wiederkehrende Aufgaben im laufenden Betrieb.
Neben der technischen Flexibilität sprechen für eine Disaggregierung auch die Kostenvorteile. In einem Gespräch mit iX sagte Dell-Fellow Onur Celebioglu: „HCI-Systeme stehen wegen ihrer Architektur besonders unter Kostendruck, da sie viel DRAM und Laufwerke benötigen. Extern skalierbare Storage-Systeme können damit in bestimmten Refresh-Szenarien wirtschaftlich attraktiver werden.“
Ein weiterer Punkt ist die Hypervisor-Bindung. HCI ist architektonisch eng mit dem jeweiligen Virtualisierungs-Stack verbunden. Wer sich für ein Ökosystem entscheidet, bleibt in der Regel auch daran gebunden. Disaggregierte Architekturen mit externer Storage lockern diese enge Bindung. Dell verkauft diese Entkopplung als „Optionality“, also als Wahlfreiheit für unterschiedliche Cloud- und Virtualisierungsumgebungen.
Für Edge-Standorte erweitert Dell seine Distributed Private Cloud, früher NativeEdge. Die Plattform bekommt Zwei-Node-HA-Cluster, automatisches Failover und integrierte Zero-Trust-Funktionen. Das zielt auf Fertigungsumgebungen, Logistikzentren oder andere dezentrale Standorte, an denen Latenz, Datenhaltung oder Ausfallsicherheit gegen einen reinen Cloud-Betrieb sprechen, aber kaum eigenes IT-Knowhow vor Ort verfügbar ist. Auch hier folgt Dell der gleichen Logik: Infrastruktur soll näher an Daten und Anwendungen rücken, trotzdem aber zentral verwaltet und automatisiert betrieben werden.
Dells neue Private-Cloud-Strategie ist keine einfache Rückkehr zur klassischen Drei-Schichten-Architektur. Der Hersteller versucht vielmehr, die Flexibilität getrennter Compute-, Storage- und Netzwerkressourcen mit Cloud-Stack-Optionen und Automatisierung zu verbinden. Ob die Automation Platform den zusätzlichen Betriebsaufwand ausreichend auffängt, muss sich im produktiven Betrieb zeigen.
Klar ist aber: Wer KI-Workloads lokal betreiben will, muss mit volatilen Lastprofilen, schnellen Architekturwechseln und deutlich komplexeren Datenpfaden rechnen. Dell reagiert darauf mit mehr Disaggregation und nimmt dafür in Kauf, dass die Private Cloud wieder stärker geplant, dimensioniert und orchestriert werden muss.
(axk)