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04.09.2026
10:33 Uhr
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Audacity 4.0 bringt eine grundlegend neue Oberfläche auf Qt-Basis, ein neues Clip-Modell und das .aup4-Format. Einige Funktionen fehlen noch.

Audacity 4.0 baut die Oberfläche des freien Audioeditors grundlegend um. Die Anwendung nutzt nun Qt statt der bisherigen Oberfläche, führt ein neues Modell für die Bearbeitung von Audio-Clips ein und speichert Projekte standardmäßig im neuen Format .aup4. Zugleich fehlen zum Start einige Funktionen aus Audacity 3, darunter Zeitspuren, MIDI-Notenspuren, der Mixer und der Macro Manager.
Die Überarbeitung folgt auf eine wechselhafte jüngere Projektgeschichte. Nach der Übernahme durch die Muse Group im Jahr 2021 hatte diese bereits eine Modernisierung der Oberfläche angekündigt. Kurz darauf sorgten Telemetriepläne und Datenschutzregeln für heftige Kritik in der Community. Mit Audacity 3.2 kamen 2022 unter anderem Echtzeiteffekte und VST3-Unterstützung hinzu.
Die auffälligste Änderung betrifft die Arbeit mit Clips, also zusammenhängenden Abschnitten einer Audiodatei in einer Spur. Anwender können diese nun direkt über ihren Kopfbereich auswählen und mit gedrückter Umschalttaste mehrere Clips markieren. Verschieben, Trimmen und Time-Stretching lassen sich anschließend auf die gesamte Auswahl anwenden.
Clips können zudem gruppiert werden. Beim Verschieben, Kopieren oder Duplizieren behandelt Audacity die Gruppe dann als Einheit. Neu ist auch, dass sich Clips zwischen Mono- und Stereospuren bewegen lassen. Schiebt ein Nutzer einen Clip auf einen bereits belegten Bereich, ersetzt er den überlappten Teil, statt dass die Aktion blockiert wird.
Für das Aufteilen eines Clips gibt es ein eigenes Werkzeug: Mit gedrückter Taste S lässt sich in die Wellenform oder auf den Clip-Kopf klicken. Weitere Befehle teilen Clips etwa an stillen Stellen, schneiden den geteilten Abschnitt aus oder verschieben ihn in eine neue Spur. Beim Einfügen soll Audacity häufiger selbstständig passende Spuren anlegen und kompatible Kanalbelegungen anpassen.
Die bisherigen separaten Modi zum Auswählen, Bearbeiten von Hüllkurven, Zeichnen einzelner Samples und das Multifunktionswerkzeug entfallen. Stattdessen reagiert die Oberfläche kontextabhängig: Bei weit genug vergrößerter Wellenform steht etwa das Zeichnen einzelner Samples bereit. Laut Projekt ersetzen neue explizite Befehle für Ausschneiden, Löschen und Einfügen auch die bisherige Sync-Lock-Funktion. Nutzer können damit wählen, ob eine Lücke bleibt oder nachfolgendes Material zur Wahrung des Timings nachrückt.
Die Bedienoberfläche basiert nun auf Qt und soll damit auch auf hochauflösenden Displays nativ und scharf skalieren. Werkzeugleisten und Panels lassen sich verschieben, andocken, frei platzieren sowie ein- und ausblenden. Eigene Zusammenstellungen kann Audacity als „Workspaces“ speichern. Vorgesehen sind bereits die Arbeitsbereiche Modern, Classic und Music.
Neben hellen, dunklen und kontrastreichen Themes bietet Audacity Akzent- und Spurfarben sowie verschiedene Darstellungen für Clips. Ein neuer Startbildschirm zeigt zuletzt verwendete Projekte mit Vorschaubildern. Die Bedienelemente für Spuren und Effekte vereinheitlicht die Software: Parameter erscheinen als Drehregler, die sich feinjustieren und per Doppelklick zurücksetzen lassen.
Auch bei Wiedergabe und Aufnahme ändert Version 4.0 Abläufe. Der Abspielkopf bleibt beim Navigieren sichtbar, lässt sich verschieben und die Wiedergabe kann an einer anderen Stelle fortgesetzt werden, ohne sie vorher anzuhalten. Aufnahmen können an einer beliebigen Position der Zeitleiste starten und erzeugen dort einen Clip. Die Entwickler haben ferner Schleifenwiedergabe, Punch- und Roll-Aufnahmen, Latenzausgleich, Software-Monitoring und die Eingangsüberwachung je Spur neu umgesetzt.
Audacity 4 verwendet das Projektformat .aup4. Projekte im Format .aup3 öffnet die Software weiterhin und wandelt sie bei Bedarf in das neue Format um. Das Original bleibt dabei unverändert. Ein Zurückspeichern als .aup3 ist nach der Konvertierung jedoch nicht möglich. Noch ältere .aup-Projekte kann Audacity importieren.
Die neue Projektdatei speichert zusätzlich Vorschaubilder sowie Daten zu Clip- und Oberflächendarstellung. Für Nutzer bedeutet das vor allem: Wer Projekte mit Audacity 3 austauschen oder dort weiterbearbeiten muss, sollte vor einer Konvertierung eine Kopie im alten Format behalten.
Zum Start fehlen allerdings mehrere Funktionen aus der 3.x-Reihe. Dazu zählen neben Zeit- und MIDI-Notenspuren der Mixer, der Macro Manager samt Scripting Pipe, das Abspielen mit variabler Geschwindigkeit sowie das Hosting von VAMP- und LADSPA-Plugins. Auch bei Export, Rendering, Analysewerkzeugen und Effekten nennt das Projekt noch Lücken. Unterstützt werden VST3 und Nyquist, unter Linux außerdem LV2 und auf macOS Audio Units. Offizielle Windows-Builds bringen laut Release zudem ASIO-Unterstützung für Aufnahme und Wiedergabe mit.
Die vollständige Liste der Änderungen, einschließlich weiterer Anpassungen an Spektrogramm, Pegelanzeigen sowie Ein- und Ausgabe, steht in den Release Notes zu Audacity 4.0.
(fo)