Heise 04.06.2026
12:45 Uhr

Amazon stellt nächste Generation seines Lagerroboters Proteus vor


Amazon hat die zweite Generation seines Lagerroboters Proteus vorgestellt. Das System versteht nun natürliche Sprache.

Amazon stellt nächste Generation seines Lagerroboters Proteus vor

Amazon hat die nächste Generation seines Lagerroboters „Proteus“ vorgestellt. Äußerlich unterscheidet sich die neue Version nicht vom bisherigen Modell, da sie auf das Design des bekannten Roboters aufsetzt, der autonom Warenkarren bis zu einem Gewicht von knapp unter 400 Kilogramm auch über weite Strecken durch Amazons Logistikzentren transportiert. Allerdings gibt es zwei Neuerungen.

Die eine betrifft das Einsatzgebiet. So ist die zweite Generation von Proteus laut Amazon nicht mehr nur für den Einsatz im Bereich der Laderampen ausgelegt, sondern soll überall dort zum Einsatz kommen, wo Güter transportiert werden müssen. Dazu gehört der Transport von Containern bei ihrer Ankunft an einem Standort, der Transfer zwischen Arbeitsstationen sowie die Unterstützung der Mitarbeiter in den Fulfillment-Centern und an den Auslieferungsstandorten.

Vor allem aber wurde laut Amazon die Art und Weise, wie Mitarbeiter mit Proteus interagieren können, grundlegend verändert. So ist der Roboter dank KI nun in der Lage, natürliche Sprache zu verstehen. In der Praxis sollen Mitarbeiter Proteus so Aufgaben zuweisen können, wie sie mit einem Kollegen kommunizieren würden. „Man sagt ihm, was zu tun ist, er ermittelt die Priorität, die Route und den Zeitplan“, sagte Scott Dresser, Vizepräsident von Amazon Robotics, im Rahmen von Amazons „Delivering the Future“-Event am Donnerstag in London.

Zum besseren Verständnis, wieso diese Funktion sinnvoll sein kann, muss man sich klar machen, dass Prometeus nicht in einem gesonderten Bereich arbeitet, sondern zwischen den Mitarbeitern herumfährt – und dabei auf die menschlichen Mitarbeiten ebenso Rücksicht nimmt wie auf Proteus-Kollegen. Bei einer Demonstration, an der heise online in der Vergangenheit teilnahm, kam es dabei schon mal vor, dass mehrere Roboter vor lauter Rücksichtnahme nicht mehr weiterkamen und manuell aus der festgefahrenen Situation gerettet werden mussten. Hier könnte eventuell ein zugerufener Befehl die Situation schneller und einfacher bereinigen.

Proteus ist derzeit in 25 Fulfillment-Zentren in den Vereinigten Staaten im Einsatz. Derzeit wird das neue System in den Labors von Amazon getestet, die Einführung in Europa ist für das erste Halbjahr 2027 geplant.

Laut Amazon ist die Erweiterung von Proteus Teil einer umfassenderen Robotik-Strategie. Neben Fortschritten bei mobilen Robotern entwickle das Unternehmen auch neue Technologien für kollaborative Robotik sowie für die robotergestützte Handhabung – also die Fähigkeit, einzelne Objekte präzise zu handhaben.

Dazu gehört aber auch „STARK“, ein neues kollaboratives Robotersystem für den Transport von Behältern, das an der Seite der Mitarbeiter volle Behälter von Förderbändern nimmt und sie auf Wagen stellt – eine Arbeit, die andernfalls wiederholtes schweres Heben erfordern würde. Nach einem ersten Pilotprojekt in Barcelona soll STARK bis 2027 auf 15 Standorte in ganz Europa ausgeweitet werden.

Allerdings läuft es auch bei Amazon nicht immer wie geplant: Anfang des Jahres nahm der Online-Händler nach nicht einmal einem halben Jahr den Roboter „Blue Jay“ wieder außer Betrieb, der mit mehreren Armen Pakete für die zügige Lieferung packen sollte. Schon damals hieß es aber, dass die für Blue Jay entwickelten Technologien in andere Produkte einfließen sollen.

Diese neuen Technologien sind zudem laut Amazon Teil des Plans, in den nächsten Jahren über 10 Milliarden Euro zu investieren, um seine Fulfillment-Aktivitäten in Europa auszubauen und zu modernisieren. Dazu gehört auch der Ausbau von Vulcan, Amazons erstem Roboter mit Tastsinn.

(nij)