Heise 23.03.2026
16:00 Uhr

Amazfit Active Max im Test: Günstige Sportuhr mit sehr langer Akkulaufzeit


Größerer Akku, mehr Display und zusätzlicher Speicher: Die Amazfit Active Max bietet viel Sportuhr für relativ wenig Geld. Hält sie, was sie verspricht?

Amazfit Active Max im Test: Günstige Sportuhr mit sehr langer Akkulaufzeit

Trotz ihrer im wahrsten Sinne des Wortes klassischen Ausbildung (Studium Geschichte/Latein) ist Sara (Jahrgang 1987) seit früher Jugend begeisterte und technikaffine Gamerin. Gleichzeitig liebt sie die Natur und verbringt viel Zeit mit Crossfit und Laufen in allen möglichen Varianten. Das Schreiben aber ist ihre größte Leidenschaft, weshalb sie bei Heise Bestenlisten begeistert ihr Hobby zum Beruf macht.

Starker Akku, großes Display, zusätzlicher Speicher: Die Amazfit Active Max verspricht viel Sportuhr für wenig Geld. Ob sie liefert, klären wir im Test.

Die Smartwatches von Amazfit haben sich am umkämpften Wearables-Markt längst als Preis-Leistungs-Tipps etabliert: viele Features für wenig Geld. Mit der Amazfit Active Max treibt der chinesische Hersteller dieses Prinzip nun auf die Spitze. Die Uhr soll in jeder Hinsicht größer und besser sein als die Amazfit Active 2, kostet dafür aber rund 70 Euro mehr.

Ein Schnäppchen ist die Active Max mit einer UVP von knapp 170 Euro trotzdem – denn auf dem Papier bietet die Smartwatch nicht nur ein großes und helles Display, sondern auch eine lange Akkulaufzeit, diverse Fitness- und Gesundheitsfunktionen sowie Navigation. Ob die Active Max wirklich das Maximum ist und den Kauf lohnt, klären wir im Test.

Optisch orientiert sich die Active Max an der Active 2, mit ein paar Unterschieden im Detail: Die Lünette besteht aus schwarzem Aluminium statt gebürstetem Edelstahl. Das Silikonarmband ähnelt dem der Active 2 und verfügt über eine einigermaßen robust wirkende Kunststoffschließe. An der rechten Gehäuseseite sitzen zwei schmale Bedienknöpfe mit angenehmem Druckpunkt.

Die Verarbeitung macht insgesamt einen guten Eindruck – man merkt der Uhr ihren günstigen Preis nicht an. Obwohl Amazfit keine Angaben zur Stoßfestigkeit macht, übersteht die Active Max problemlos Stürze auf Steinboden aus anderthalb Metern Höhe oder Stöße am Handgelenk mit einer Kettlebell. Zudem ist die Smartwatch bis 5 ATM wasserdicht und eignet sich damit auch zum Schwimmen im Pool oder See.

Der Tragekomfort ist trotz der Displaygröße hoch. Weder im Alltag noch beim Schlafen drückt die Uhr unangenehm am Handgelenk. Mit 39,5 g ohne Armband ist die Active Max zwar rund 10 g schwerer als die Active 2, beim Tragen fällt das aber kaum auf.

Beim Display hat Amazfit gegenüber der Active 2 ordentlich nachgelegt: Der Bildschirm misst nun 1,5 Zoll und löst mit 480 × 480 Pixeln auf – eine höhere Auflösung als die Active 2 (466 × 466 Pixel) und sogar mehr Pixel als die größere Active 2 Square (390 × 450 Pixel). Die Pixeldichte sinkt mit 323 PPI dennoch leicht, da sich die Pixel auf eine größere Fläche verteilen – im Praxistest fällt das aber nicht auf.

Deutlich zugelegt hat auch die Spitzenhelligkeit: Bis zu 3000 Nits gibt Amazfit an, während Active 2 und Active 2 Square bei 2000 Nits abregeln. Der Bildschirm bleibt damit auch bei direkter Sonneneinstrahlung einwandfrei ablesbar.

Wie bei anderen Amazfit-Smartwatches verbinden wir die Active Max über die Zepp App per Bluetooth mit dem Smartphone. Die App führt durch die wichtigsten Funktionen und installiert das aktuelle Firmware-Update – bis die Uhr einsatzbereit ist, dauert es nur wenige Minuten.

Bei der Bedienung finden sich Amazfit-Veteranen schnell zurecht, andere Nutzer müssen sich eventuell kurz umstellen: Anordnung und Belegung der Tasten sind genau umgekehrt zu dem, was etwa bei Garmin oder Polar üblich ist. Hat man sich daran gewöhnt, geht die Bedienung aber bequem und intuitiv von der Hand. Eingaben werden sowohl über die Tasten als auch über das Touch-Display zügig erkannt – auch mit feuchten oder schmutzigen Fingern. Verzögerungen oder Fehleingaben stellen wir im Test nicht fest.

Bei den Trainings- und Fitness-Features bietet die Active Max den gewohnten Amazfit-Standard: Mehr als 170 Sportprofile decken neben Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren und Schwimmen auch diverse Ball-, Wasser- und Trendsportarten sowie Kraftsport ab – bis hin zu Exoten wie Darts oder Tischfußball. Über den Sinn von Profilen wie Bridge lässt sich streiten, die Datensätze der meisten Sportarten sind aber gut durchdacht: Je nach Disziplin unterscheiden sich die aufgezeichneten Daten deutlich voneinander.

Selbstverständlich mit an Bord ist der Hyrox-Race-Modus, der ein komplettes Rennen inklusive der einzelnen Stationen aufzeichnet – für Athleten auf Bestzeit-Jagd ein praktisches Tool. Wer sich beim Training anleiten lassen will, kann über eine KI individuelle Trainingspläne erstellen, die sich an das eigene Fitnessniveau anpassen. Über die Zepp App lassen sich zudem eigene Trainingseinheiten planen, etwa für Kraftsport – das funktioniert dank der großen Übungsauswahl hervorragend.

Beim GPS-Modul setzt Amazfit preisklassentypisch auf Single-Band-Tracking, das aber wie von anderen Amazfit-Uhren gewohnt sehr genau arbeitet. In Städten mit dichter Bebauung gibt es vereinzelt leichte Abweichungen bei der Streckenerkennung, die gegenüber unserem Kontrollgerät mit Multiband-GPS (Garmin Fenix 7) aber minimal ausfallen: Eine 5-Kilometer-Strecke unterscheidet sich am Ende um maximal 20 bis 30 Meter.

Dank GPS-Modul und integriertem Speicher beherrscht die Active Max Navigation per Offline-Karte inklusive Höhenlinien. Von den beworbenen 4 GB bleiben allerdings nur 2,7 GB übrig, da das System bereits 1,3 GB belegt. Routen lassen sich auf die Uhr übertragen, beim Kartenmaterial beschränkt sich Amazfit aber wie gewohnt auf regionale Ausschnitte – komplette Europakarten sind nicht vorgesehen. Da der Datentransfer mangels WLAN ausschließlich über Bluetooth läuft, erfordert der Download etwas Geduld.

Die Pulsmessung macht im Test einen guten Job. Im Vergleich zum Brustgurt gibt es kaum Unterschiede: Bei gleichmäßigen Ausdauereinheiten stimmen die Werte bis auf wenige Herzschläge überein. Bei HIIT-Einheiten können die Abweichungen minimal größer ausfallen, bleiben aber im einstelligen Bereich.

Die Active Max bietet eine umfassende Schlafüberwachung mit Restore IQ – einem KI-Algorithmus, der Schlafdaten analysiert und bei der Optimierung der Erholungsphasen helfen soll. Neben Schlafstadien registriert die Uhr auch Nickerchen und zeichnet Puls, Blutsauerstoff sowie Atemfrequenz auf. Nicht jede einzelne Wachphase wird zuverlässig erkannt, ansonsten funktioniert das Schlaftracking aber tadellos: Einschlaf- und Aufwachzeitpunkt stimmen, die Bewertung der Schlafqualität wirkt nachvollziehbar. In der App gibt es zusätzliche Tipps zur Verbesserung der Schlafhygiene.

Herzfrequenz, Blutsauerstoffsättigung und Atmung misst die Active Max ebenfalls. Damit die Uhr bei abnormalen Werten warnt, muss man die Pulsmessung in den Einstellungen allerdings von fünf auf eine Minute erhöhen – die Blutsauerstoffmessung ist ab Werk sogar komplett deaktiviert. Die Aktivierung beider Funktionen geht zulasten der Akkulaufzeit.

Stiefmütterlich behandelt Amazfit auch bei der Active Max die weibliche Gesundheit. Das Zyklustracking erlaubt lediglich die Eingabe von Datum und Dauer der letzten Periode. Daraus errechnet die App den Zyklus inklusive fruchtbarer Tage und Eisprung. Zusätzliche Symptome lassen sich aber weder außerhalb noch während der Periode erfassen – in der Praxis macht das die Funktion nahezu nutzlos.

Die Active Max unterstützt eine Reihe von Zusatzfunktionen, die mittlerweile zum Repertoire jeder aktuellen Amazfit-Uhr gehören. Der KI-Sprachassistent Zepp Flow erlaubt das Beantworten eingehender Nachrichten oder die Steuerung der Uhr per Sprachbefehl. Auch Anfragen an die KI – etwa zum Wetter oder zu aktuellen Schlafdaten – sind möglich und funktionieren im Test problemlos und ohne Verzögerung. Telefonieren klappt ebenfalls, allerdings nur in Kombination mit einem Smartphone – ein eSIM-Slot fehlt.

Obwohl Amazfit damit wirbt, dass sich Podcasts in den integrierten Speicher laden lassen, steht uns diese Funktion zum Testzeitpunkt nicht zur Verfügung. Einen eigenen Musikspeicher bietet die Uhr ebenfalls nicht – sie erlaubt lediglich die Steuerung der Musikwiedergabe auf dem Smartphone. Kontaktloses Bezahlen via NFC mit Zepp Pay wird zwar unterstützt, das Feature leidet aber weiterhin darunter, dass nur wenige deutsche Banken Zepp Pay aktuell unterstützen.

Amazfit-Uhren halten in der Regel lange durch. Die Active Max legt hier aber noch einmal zu: Ihr 658-mAh-Akku ist mehr als doppelt so groß wie der 270-mAh-Akku der Active 2. Laut Hersteller sind bei typischer Nutzung bis zu 25 Tage drin, bei durchgehender GPS-Nutzung bis zu 64 Stunden.

Wie lange der Akku im Alltag tatsächlich durchhält, hängt stark von den Einstellungen ab. Ab Werk misst die Uhr die Herzfrequenz nur alle fünf Minuten, die Blutsauerstoffmessung ist komplett deaktiviert. Wer das Messintervall verkürzt, die Blutsauerstoffmessung hinzuschaltet und das Always-On-Display aktiviert, muss mit deutlich kürzerer Laufzeit rechnen.

Trotzdem hielt die Uhr in unserem Test gut 12 Tage durch – und das bei minütlicher Herzfrequenzmessung, aktivierter Blutsauerstoffmessung und drei anderthalbstündigen Sporteinheiten pro Woche, davon zwei mit GPS. Für eine Smartwatch dieser Preisklasse ein hervorragender Wert.

Vollständig geladen ist die Active Max über die beiliegende Ladeschale in knapp zwei Stunden. Nach 30 Minuten steht der Akku bei rund 30 Prozent. Ein passendes Netzteil für das Ladekabel liegt allerdings nicht bei.

Die Amazfit Active Max kostet laut unverbindlicher Preisempfehlung 170 Euro und damit 70 Euro mehr als die Active 2. Die Uhr ist ausschließlich in Schwarz erhältlich. Aktuell gibt es die Sportuhr schon für 159 Euro.

Die Amazfit Active Max hat zwei Besonderheiten, die die Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen dürften: Die Smartwatch kostet mehr als andere Amazfit-Uhren mit vergleichbarem Feature-Set, bietet dafür aber ein größeres Display und vor allem einen deutlich leistungsfähigeren Akku.

Trotz des Aufpreises gegenüber der Active 2 oder der Bip 6 bleibt das Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu teureren Modellen von Garmin, Polar und Co. unschlagbar. Wer eine Uhr mit Navigation sucht und großen Wert auf lange Akkulaufzeit legt, bekommt mit der Active Max ein echtes Schnäppchen.