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09.09.2026
11:00 Uhr
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Crash Bandicoot feiert seinen 30. Geburtstag. Wir blicken zurück auf den ungewöhnlichen Helden und den Plattformer, der Naughty Dog zum Giganten machte.

Der Plattformer, oder Jump-n-Run, wie er hierzulande gern genannt wird, ist ein altes Spielegenre. Schon in den frühen 80ern wurde mit Spielen wie „Donkey Kong“ (1981) oder „Pitfall!“ (1982) die Grundlage für das gebildet, was dann mit „Super Mario Bros.“ im Jahr 1985 perfektioniert wurde. Im Laufe der nachfolgenden Jahre wurde das Genre dank exzellenter Spiele wie „Duck Tales“ (1989), „Super Mario World“ (1990) oder „Sonic the Hedgehog“ (1991) immer größer und bedeutender.
Aber dann begann die Ära der 3D-Grafik. Und mit dieser verloren sauber platzierte 2D-Pixel spürbar an Bedeutung, schattierte und texturierte 3D-Polygonwelten verlangten nach neuen Helden. Helden wie Crash Bandicoot.
Schon vor 30 Jahren haben Spieler hierzulande gerätselt: Was ist eigentlich ein Bandicoot? Nun, eigentlich handelt es sich dabei um ein in Australien und Südostasien beheimatetes Säugetier, das bei uns als Nasenbeutler oder auch Beuteldachs bezeichnet wird. Aber genau wie bei den Lemmingen, deren digitale Versionen mit den Original-Wühlmäusen eigentlich nichts zu tun haben, ist auch der Spiel-Bandicoot eher eine Fantasiegestalt. Jedenfalls sind keine Berichte über Begegnungen mit einer aufrecht laufenden orangen Riesenratte mit kurzen Hosen und Turnschuhen überliefert, die wie der tasmanische Teufel durch die Gegend wirbelt, um ihre Gegner durch die Gegend zu schleudern. Die Realität gibt halt nur selten ein gutes Spiel ab.
Deswegen vergessen wir einfach den kompletten Hintergrund und wenden uns dem Spiel zu: Entwickelt wurde „Crash Bandicoot“ von Naughty Dog, einem amerikanischen Spielestudio, das 1984 gegründet wurde und mit Spielen wie dem RPG „Rings of Power“ (1992) oder dem „Mortal Kombat“-Verschnitt „Way of the Warrior“ (1994) erste Erfolge feiern konnte. Aber erst mit „Crash Bandicoot“ schaffte es Naughty Dog, den Status der Softwareklitsche hinter sich zu lassen und zu dem Entertainment-Giganten zu werden, dem wir heutzutage unter anderem die Spiele der „Uncharted“- und „The Last of Us“-Serie zu verdanken haben.
„Crash Bandicoot“ war beileibe nicht der erste 3D-Plattformer. Spiele wie „Jumping Flash!“ (1994), „Bug!“ (1995) und vor allem „Super Mario 64“ (1996) waren schon vorher da und definierten das Genre auf ihre Weise. „Crash Bandicoot“ ging aber einen anderen Weg als zum Beispiel Nintendos Großwerk, da es seiner dreidimensionalen Darstellung zum Trotz fest im klassischen Plattformgenre verwurzelt bleibt. Held Crash kann laufen, springen und wirbeln, das war’s. Außerdem bewegt er sich nicht frei wie 3D-Mario durch die vergleichsweise kurzen Levels, sondern immer auf festen Bahnen, ohne frei bewegliche Kamera. Die ihn allerdings mal von hinten über die Schulter zeigt, mal aus der Vogelperspektive, mal ganz klassisch in der Seitenansicht – und gelegentlich sogar von vorn, panisch blickend auf der Flucht vor einer sehr „Indiana Jones“-kompatiblen Riesenmurmel.
Die Handlung ist hier, anders als in späteren Spielen der Serie, praktisch nicht vorhanden: Crash entflieht dem düsteren Experimentierlabor des teuflischen Dr. Neo Cortex und muss jetzt nicht nur den durchgeknallten Wissenschaftler aufhalten, sondern auch seinen Bandicoot-Schwarm Tawna befreien. Das macht er 32 Levels lang, vom Dschungel über den Vulkan bis hin zu den Cortex-Laboren, voller Plattformer-Herausforderungen, tödlicher Spitzen und gähnender Abgründe. Sowie natürlich Massen an Gegnern (wie crashfressende Pflanzen, bissige Fische, Fledermäuse, Giftschlangen oder Riesenspinnen), die er entweder von dannen wirbelt oder ihnen auf den Kopf springt.
Paul Kautz
Jeder Kontakt mit einem Feind, einer Flamme oder einer Spitze, jeder Weitsprung in Abgrund, Säuresee oder Lavagrube bedeutet einen sofortigen Lebensverlust und eine Rückkehr zum letzten Checkpunkt. Von denen es pro Level echt nicht viele gibt. Klar, „Crash Bandicoot“ ist ein typisches Spiel der ersten PlayStation-Ära, der Schwierigkeitsgrad ist folgerichtig zum Teil sehr hoch. Levels und Gegnerpositionen wollen auswendig gelernt, rhythmisch erscheinende und wieder verschwindende Plattformen mit perfektem Timing erklommen werden. Wer kein dickes Frustfell und die Absicht besitzt, einen Level wieder und wieder und wieder in Angriff zu nehmen, bis er sich komplett ins Gedächtnis eingebrannt hat, wird „Crash Bandicoot“ schnell wieder beiseite legen.
Die erste PlayStation konnte viel, aber wirklich schicke 3D-Welten waren nicht gerade ihre Spezialität. Gut zu sehen am Klassiker „Tomb Raider“ (1996), dessen wabernde Wand- und Bodentexturen einen seekrank machen konnten. „Crash Bandicoot“ hatte dieses Problem nicht, seine 3D-Levels waren technisch erste Sahne und so stabil wie die des erst kurz zuvor erschienenen „Quake“ – aber gleichzeitig deutlich farbenfroher.
So schön der Anblick aber damals auch war (und selbst heute noch ist), so schwierig war 1996 auch schon die Orientierung im 3D-Raum: Crash wirft nur einen winzigen Blob-Schatten, der sich kaum vom Untergrund abhebt und der Grund dafür ist, dass man gerade in den Abschnitten, in denen man dem Held über die Schulter in den Raum folgt, sehr oft am Ziel vorbei hopst. Nichtsdestotrotz war das Spiel ein gigantischer Hit, der nicht nur eine Tonne an Nachfolgern und Spin-Offs nach sich zog (bis heute umfasst das Franchise mehr als 20 Spiele), sondern auch der Beginn der großen Erfolgswelle von Naughty Dog war.
Das Original muss man heutzutage ehrlicherweise nicht mehr unbedingt spielen. Das hat einige zum Teil sehr fiese Ecken und Kanten, die in der 2017er Remake-Sammlung „Crash Bandicoot N. Sane Trilogy“ mit der modernen Feile bearbeitet wurden. Gleichzeitig hat dieses bekloppte Abenteuer mit seinen abgefahrenen Levelideen, dem fröhlichen Getrommele und Gesinge als Musikbegleitung und mit der für eine Figur, die aus sehr wenigen Polygonen aufgebaut ist, sehr expressiven Mimik, immer noch eine beeindruckende Sogwirkung. Es macht halt einfach verdammt viel Spaß!
(dahe)