Das rund 16 Hektar große Produktionsgelände des Reifenherstellers Goodyear in Fulda soll in ein kleinteiliges Gewerbegebiet umgewandelt werden. Um das sicherzustellen, wird die Stadt das Areal kaufen. Der Magistrat hat beschlossen, auf der Grundlage einer im vergangenen Sommer beschlossenen Satzung sein Vorkaufsrecht auszuüben. Die Stadt rechnet mit Kosten in Höhe von insgesamt 16,2 Millionen Euro. „Das ist ein finanzieller und organisatorischer Kraftakt, den wir im Interesse einer zukunftsfähigen Entwicklung Fuldas zu stemmen haben“, wird Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) zitiert. Die nötige Summe sei bereits im Haushalt 2026 eingeplant. Nicht zum Zuge kommt damit der Immobilienunternehmer Christoph Straube aus Bad Soden. Das Konzept seiner W&L Logistik GmbH habe nicht überzeugen können, teilte die Stadt mit. Laut einem Bericht des Portals „Osthessen-News“ wollte Straube aus dem Goodyear-Areal einen Umschlagplatz für Leasingfahrzeuge machen. Dabei sollten die Bestandsgebäude möglichst wenig verändert werden. Die W&L-Gruppe hat solche Automobil-Hubs bereits an anderen Standorten in Deutschland entwickelt. Für eine Stellungnahme war Straube am Dienstag nicht zu erreichen. Produktion nach 125 Jahren eingestellt Der Stadt aber geht es laut Mitteilung darum, eine „signifikante, mit der Vornutzung vergleichbare Anzahl adäquater Arbeitsplätze zu ermöglichen“. In der Reifenproduktion waren zuletzt mehr als 1000 Mitarbeiter beschäftigt. Im vergangenen Herbst hat Goodyear den Standort geschlossen, der auf ein im Jahr 1900 gegründetes Werk für Fahrradreifen zurückgeht. Derzeit werden auf dem Gelände die Anlagen demontiert. Nach Ansicht der Stadt ist das Gelände wegen seiner Größe und zentralen Lage südöstlich des Bahnhofs „von herausragender und einzigartiger Bedeutung“. Durch die Ausübung des Vorkaufsrechts werde die Stadt in die Lage versetzt, das Areal in städtebaulicher Hinsicht neu zu ordnen und einen Bebauungsplan zu beschließen. Der Eingriff sei „die beste Lösung für eine zukunftsfähige Entwicklung des Geländes“. Aus Sicht der Stadt wiegen die Belange des Allgemeinwohls schwerer als die privatwirtschaftlichen Interessen der Kaufvertragsparteien. Die Stadt plant jetzt, das Grundstück neu zu parzellieren, um kleinteilige, diversifizierte Gewerbeansiedlungen zu ermöglichen und das Areal insgesamt aufzuwerten. In der Begründung der Vorkaufssatzung wird ausdrücklich die Ansiedlung von kleinen und mittelständischen Betrieben genannt. Die Bausubstanz soll möglichst erhalten werden, doch soll das Grundstück künftig durch Nachverdichtung besser ausgenutzt werden. Direkt von Goodyear kaufen will die Stadt außerdem einen rund 8000 Quadratmeter großen Parkplatz. Mit dem im Baugesetzbuch geregelten „besonderen Vorkaufsrecht“ sollen Gemeinden in die Lage versetzt werden, eine geordnete städtebauliche Entwicklung zu sichern. Immer wieder kommt es zu Klagen, mit denen das Vorgehen der Gemeinde angefochten wird. In einigen Fällen haben Gerichte eine fehlerhafte Begründung oder eine falsche Ermessensausübung gerügt. Die Stadt Fulda hält nach dem am Montag gefassten Magistratsbeschluss „verschiedene Szenarien“ für möglich, „die jeweils eine komplexe juristische Komponente haben“. Darauf sei man vorbereitet, so der Oberbürgermeister. Zudem habe sich die Stadt externen Sachverstand gesichert.
