FAZ 12.05.2026
13:22 Uhr

Zukunftsenergie: Fusionierende Kräfte


In Deutschland soll der erste Kernfusionsreaktor stehen. Die technischen Hürden sollen in drei vom Forschungsministerium koordinierten Zentren genommen werden. Führt das zum Erfolg?

Zukunftsenergie: Fusionierende Kräfte

In Deutschland läuft eine Ausschreibung des Forschungsministeriums, die das Land verändern könnte: Kernfusion. Unendlich viel Energie, jederzeit verfügbar und womöglich sogar ziemlich billig, so lautet das Fernziel. Zunächst geht es aber darum, die Entwicklung in geordnete Bahnen zu lenken und so der im Koalitionsvertrag festgehaltenen Absicht, hierzulande möge das erste Kernfusionskraftwerk stehen, näher zu kommen. Anders als auf Politikfeldern, die sich den wirtschaftlichen Problemen im Hier und Jetzt stellen, ist tatsächlich Fortschritt zu verzeichnen. Drei „Hubs“ sollen entstehen, in denen Wissenschaft und Unternehmen gemeinsam an den zentralen technischen Hürden für eine kommerzielle Kernfusion arbeiten. Die Inhalte sind die richtigen: Für die Laserfusion geht es darum, eine reproduzierbare Zündung zu ermöglichen, aus der ein tatsächlicher Energiegewinn aus einem Kraftwerk resultiert – anders als in den Experimenten der amerikanischen National Ignition Facility, wo lediglich die Laserenergie mit jener der durch die Fusion freigesetzten Neutronen verglichen wurde. Für das konkurrierende Verfahren der Magnetfusion ist zu klären, welche Materialien den hohen Temperaturen und den Belastungen durch wechselnde Feldstärken gewachsen sind. Brennstoffkreislauf als zentrale Frage Schließlich muss die nicht unerhebliche Frage geklärt werden, wie das Ausbrüten des Brennstoffs Tritium im Reaktor selbst funktioniert. Das Wasserstoff-Isotop kommt in der Natur nicht vor, und das Wissen um den Umgang mit diesem Stoff, dessen Halbwertszeit nur zwölf Jahre beträgt, ist bislang Staaten vorbehalten, die Kernwaffen entwickeln. Für den Ansatz, sich technologieoffen Wissen anzueignen, ist die Forschungsministerin zu loben. Fragt sich nur, ob der Prozess über drei Hubs schnell genug ist angesichts hoher Investitionen Chinas und des Vorwärtsdrangs von Start-ups aus dem angelsächsischen Raum.