FAZ 04.06.2026
09:01 Uhr

World Wealth Report: Fast 1,8 Millionen Millionäre leben in Deutschland


Obwohl die Wirtschaft in Deutschland seit Jahren kaum wächst, können die Millionäre ihr Vermögen deutlich steigern. Was kann man lernen von ihrer Art, das viele Geld anzulegen?

World Wealth Report: Fast 1,8 Millionen Millionäre leben in Deutschland

In Deutschland leben jetzt 1,78 Millionen Millionäre, und ihr Vermögen beläuft sich auf zusammen rund 6,1 Billionen Euro. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 11,1 Prozent hinsichtlich der Zahl der Millionäre und um 12,7 Prozent hinsichtlich des Vermögens. Das geht aus dem jährlichen World Wealth Report der Unternehmensberatung Capgemini hervor, der am Mittwoch vorgestellt wurde. Damit hat sich das Vermögen der Millionäre in Deutschland im vergangenen Jahr sogar besser entwickelt als im europäischen Durchschnitt, obwohl die deutsche Wirtschaft insgesamt zuletzt kaum gewachsen ist, wie Klaus-Georg Meyer von Capgemini hervorhob. Positive Faktoren seien dabei unter anderem der starke Aktienmarkt, das Wiederanziehen der Immobilienpreise und die nachlassende Inflation gewesen. Am meisten Millionäre gibt es in den USA Der Report von Capgemini ist einer von mehreren dieser Art, die sich mit den Millionären und ihrem Vermögen beschäftigen. Es ist der älteste, es gibt ihn jetzt seit 30 Jahren. Zu seinen Besonderheiten gehört, dass dabei Individuen aus aller Welt betrachtet werden, die ein investierbares Vermögen von umgerechnet einer Million Dollar oder mehr haben; die selbst genutzte Immobilie wird dabei nicht mitgerechnet. In der Beratersprache nennt sich diese Gruppe „High Net Worth Individuals“, kurz: HNWI. Der Report stützt sich auf umfangreiche Befragungen, öffentlich verfügbares statistisches Material und die Fortschreibung von Zahlen in Modellen. Von diesen Millionären gab es dem Report zufolge 2025 in aller Welt 25,3 Millionen, das waren fast zwei Millionen mehr als im Jahr davor. Ihr Vermögen stieg um 8,7 Prozent auf 98,3 Billionen Dollar, das sind rund 84,4 Billionen Euro. Besonders stark legten die Vermögen der Millionäre im asiatisch-pazifischen Raum zu, mit plus 10,5 Prozent, vor Nordamerika mit 9,9 Prozent und Europa mit 8,0 Prozent. Rückläufig waren die Millionärsvermögen im Nahen Osten, obwohl die entsprechenden  Erhebungen vor Beginn des Irankriegs gemacht wurden. Nach Ländern geordnet gibt es die meisten Millionäre in den Vereinigten Staaten mit 8,7 Millionen, vor Japan mit 4,4 Millionen, Deutschland mit 1,8 Millionen und China mit 1,7 Millionen. „China kratzt am dritten Platz, bleibt aber hinter Deutschland“, sagte Meyer: „Es ist nach meiner Einschätzung aber nur eine Frage der Zeit, bis China uns auch da überholt.“ Die stärksten Zuwächse hinsichtlich der Millionärszahlen verzeichneten Südkorea, Hongkong und Österreich. Im letztgenannten Land hatte sich der Aktienindex ATX im vergangenen Jahr auffällig stark entwickelt. Viele Aktien dort seien zuvor unterbewertet gewesen, meinte Meyer. Das Land profitiere als Brückenkopf zu Osteuropa besonders von einem Aufschwung dort. Millionäre verringern Cash-Positionen Detailliert hat Capgemini auch untersucht, wie die Millionäre ihr Geld anlegen. Auffällig war, dass sie zuletzt ihre Bargeld-Positionen deutlich verringert und die Aktienbestände aufgestockt haben, global noch stärker als in Deutschland. Davon könnten auch andere Anleger lernen, ruhig wieder mutig zu sein und etwas zu wagen, meinte Carina Leidig von Capgemini. „Die Millionäre machen auch die vielen kleinen Dips am Aktienmarkt mit, aber sie investieren nach einem Rückschlag schneller wieder“, sagte Meyer. Ihre Vermögen seien stärker strukturiert als die vieler anderer Privatanleger, es lägen nur kleinere Teile einfach so auf dem Konto herum. Aber natürlich sei es auch leichter, sein Geld auf viele Anlageobjekte zu verteilen, wenn man viel habe; zum Teil stünden einem dann auch ganz andere Anlagemöglichkeiten offen, sagte Meyer: „Wer nur 1000 Euro zum Anlegen hat, muss über Immobilien oder Private Equity nicht nachdenken.“ Gewisse Möglichkeiten zur Streuung von Geldanlagen nach dem Vorbild der Millionäre böten aber auch für weniger vermögende Privatanleger börsengehandelte Indexfonds („Exchange Traded Funds“, ETF). Die Struktur der Millionärs-Portfolios in Deutschland ist so: Im Schnitt halten sie 24 Prozent des Vermögens in Aktien, das sind zwei Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Etwas mehr, rund 25 Prozent, halten sie als Bargeld oder Bargeld-Äquivalente. Das sind vier Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. 20 Prozent stecken in festverzinslichen Finanzanlagen; das ist ein Prozentpunkt mehr als vor einem Jahr. Auch Immobilien legten um einen Prozentpunkt zu, auf 20 Prozent. Sogenannte alternative Investments verharrten auf elf Prozent. Leidig berichtete allerdings von Neugier und großem Interesse der Millionäre an solchen Investments für die Zukunft, vor allem Private Equity, Hedgefonds, Kryptowährungen und Digitalanlagen. 88 Prozent der Befragten wünschten sich einen besseren Zugang zu solchen Anlageformen. Im Report wird auch verglichen, wie die Millionäre in anderen Regionen der Welt ihr Geld investieren. Es gibt Unterschiede, aber sie sind nicht gewaltig. Die japanischen Millionäre haben einen höheren Anteil an Aktien als die Deutschen, dafür etwas weniger Immobilien. Die Amerikaner halten besonders viele Aktien, im Gegenzug sind ihre Barbestände am niedrigsten. Rund 20 Prozent festverzinsliche Anlagen haben dem Report zufolge die Millionäre praktisch in allen Regionen. Großes Interesse an Langlebigkeits-Planung Beschäftigt hat sich der Report auch mit Trends in der Vermögensverwaltung. Auch dort wird alles digitaler, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) wird immer wichtiger. Aber nur noch von einer KI das Geld verwalten lassen wollten die wenigsten Millionäre, sagte Leidig. Einen Chatbot als ausschließlichen Ansprechpartner akzeptierten sie nicht. Gefragt seien „KI-unterstützte Tools im Beratungsprozess“. In den Vereinigten Staaten sei deren Einsatz schon weiter fortgeschritten als hierzulande. Große Banken könnten auf dem Gebiet leichter investieren als kleine Häuser. Ein großes Interesse äußerten die Millionäre in den Befragungen für den Report für das Thema „Longevity planning“, also die Planung für ein möglichst langes und gesundes Leben. Die Frage, wie sich mit Geld und Technikeinsatz auch die Gesundheit optimieren lässt und man so vielleicht noch ein paar Jahre mehr rausschlagen kann, nannte die deutliche Mehrheit (69 Prozent) der Millionäre als eine besondere Priorität für sie. Der Report empfiehlt, dass sich auch die Vermögensverwalter in Zukunft stärker um mit der Gesundheit verbundene Zusatzangebote kümmern sollen.