FAZ 06.10.2026
22:21 Uhr

Wolff- und Wächterpreis: Medienpreise für starke Geschichten und Recherchen


In Berlin wurden am Dienstagabend der Theodor-Wolff-Preis und der Wächterpreis vergeben. In der Festrede warnte der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen vor einem dreifachen Druck auf Journalisten.

Wolff- und Wächterpreis: Medienpreise für starke Geschichten und Recherchen

Der Theodor-Wolff-Preis geht in diesem Jahr an die Journalistin Karolina Benedyk sowie die Journalisten Marvin Ku und Jakob Schrenk. Der mit jeweils 6.000 Euro dotierte Theodor-Wolff-Preis wird vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) getragen. Er erinnert an den langjährigen Chefredakteur des „Berliner Tageblatts“, Theodor Wolff (1868-1943). Der Preis wird seit 1962 jährlich verliehen. In der Kategorie Lokales und Zusammenhalt gewann Karolina Benedyk mit ihrem Text „Ein wahres Tandem“, erschienen im „Weser-Kurier“. Der Preisträger in der Kategorie Gesellschaft und Dialog war Marvin Ku mit seinem Beitrag „Nicht von hier“, erschienen im „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Ebenfalls erschienen im „Süddeutsche Zeitung Magazin“ ist der Essay „Das Ertrinken im Redefluss“ - ausgezeichnet wurde Verfasser Jakob Schrenk damit in der Kategorie Zukunft und Verantwortung. Daneben wurde der Wächterpreis verliehen. Er zeichnet investigative journalistische Arbeit aus, die Missstände aufdeckt und so die Wächterfunktion der Presse stärkt. Bastian Berbner erhielt den mit 6.000 Euro dotierten Preis für seinen Text „Ihre Bestellung wird ... vorbereitet ...“, erschienen in der „Zeit“. Das mit 10.000 Euro dotierte Wächterpreis-Stipendium für investigative Redaktionsarbeit ging an Erik Westermann und die Redaktion der „Braunschweiger Zeitung“ für den Beitrag „Im Bann des Opfers: Anatomie eines Justizversagens“. Pörksen: dreifacher Druck auf Journalisten Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen brachte als Redner eine Warnung vor einem dreifachen Druck auf den unabhängigen Journalismus für die Verleger mit: Populisten griffen ihn politisch an, KI-Angebote und automatisierte Zusammenfassungen erschwerten den Medien den Zugang zum Publikum. Zugleich gerieten Verlage wirtschaftlich unter Druck: Große Tech-Unternehmen zögen Werbeeinnahmen auf sich und konkurrierten mit journalistischen Medien um Aufmerksamkeit. Als Antwort warb Pörksen für eine „redaktionelle Gesellschaft“, in der journalistische Grundsätze wie Quellenkritik, Verhältnismäßigkeit und das Anhören unterschiedlicher Perspektiven zur Allgemeinbildung gehören. Dafür brauche es mehr Medienbildung, ein eigenes Schulfach und eine wirksame Regulierung digitaler Plattformen. Auch der Journalismus müsse transparenter werden und stärker den Dialog mit dem Publikum suchen.