FAZ 13.05.2026
20:00 Uhr

Wohnungsbau in Hessen: Irankrieg bremst die Erwartungen


Die Zahl der Baugenehmigungen hat sich in Hessen auf niedrigem Niveau stabilisiert. Der Irankrieg dämpft allerdings die Erwartungen für 2026.

Wohnungsbau in Hessen: Irankrieg bremst die Erwartungen

Nach Jahren des Rückgangs ist die Zahl der genehmigten Wohnungen in Hessen im vergangenen Jahr wieder gestiegen. Ein Plus von 21,8 Prozent  weist die Statistik aus. Für Gerald Lipka, Geschäftsführer des BFW-Landesverbands der freien Wohnungsunternehmen, ist das aber noch kein Grund zu Entwarnung. Denn die rund 16.000 genehmigten Wohnungen seien immer noch 44 Prozent weniger als 2019. „Von einer Normalisierung kann keine Rede sein“, sagte er bei der Vorstellung des BFW-Konjunkturberichts Wohnen. Weltpolitische Ereignisse wie der Krieg in Iran ließen den Wohnungsbau abermals ins Stocken geraten. Nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers Dieter Rebitzer, Autor des Berichts, sind jedoch in wirtschaftsstarken Regionen wie dem Raum Frankfurt die Aussichten, dass sich der Wohnungsmarkt erholt, besonders gut. Wegen des hohen Preisniveaus sei dort die Bautätigkeit überdurchschnittlich stark zurückgegangen. Das schlage sich in den landesweiten Zahlen nieder. 20 Prozent der in Hessen erteilten Baugenehmigungen entfielen auf Frankfurt und Umgebung. Sorgen bereitet Lipka der überdurchschnittlich starke Rückgang privater Investitionen in den Wohnungsbau. Sie beliefen sich 2025 in Hessen auf 1,9 Milliarden Euro. 2021 waren es noch 3,1 Milliarden Euro. Wohnungsgesellschaften haben ihre Investitionen zwar ebenfalls zurückgefahren, allerdings nicht so stark. Lipka führt die Entwicklung vor allem darauf zurück, dass der Markt für Eigentumswohnungen eingebrochen ist. Junge Menschen können sich kein Eigentum leisten Diese Entwicklung sei bedenklich, junge Menschen könnten sich wegen gestiegener Zinsen und hoher Preise kaum noch Wohneigentum leisten. „Wenn junge Familien und Normalverdiener dauerhaft vom Eigentum ausgeschlossen werden, wächst die Vermögensungleichheit weiter“, warnte Lipka. Die Landesregierung müsse „energisch gegensteuern“. Das neu eingeführte Hessengeld für Wohnungskäufer sei ein richtiger Schritt. Auch bei der Senkung der Baukosten sei Hessen auf dem richtigen Weg. Allerdings würden viele Kommunen mit eigenen Vorschriften die Bemühungen konterkarieren. Für nötig hält Lipka aber auch schnellere Genehmigungen. Ob der im vergangenen Herbst von der Bundesregierung eingeführte Bauturbo zu den erwünschten Ergebnissen führen werde, lasse sich noch nicht absehen. Einige Gemeinden machten von den neuen Instrumenten Gebrauch, in anderen hingegen sei nach wie vor Skepsis zu spüren. „Es funktioniert nur, wenn es Einigkeit über ein Bauvorhaben gibt.“ Auch Rebitzer erkennt bisher keine durchgehende Beschleunigung, wie er im Konjunkturbericht schreibt. Nicht nur wegen der geringen Zahl an Baugenehmigungen in den vergangenen Jahren, sondern auch wegen der weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sei nicht damit zu rechnen, dass die Zahl der fertiggestellten Wohnungen wieder steigt. Lipkas Fazit aus der Analyse: „Die Bauwirtschaft läuft nicht von selbst wieder an.“