Eine Meldung vom 29. April dürfte die ideale Steilvorlage sein, um in diesen Text über das Wetter des vergangenen Monats einzusteigen: „Gefahr von Waldbränden steigt“ ist da zu lesen. Der Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für Hessen meldete die Stufen drei (mittlere Gefahr) und vier (hohe Gefahr). Und in der Tat: Der April war extrem trocken. Es fielen gerade einmal 13,3 Millimeter Niederschlag, den man in diesem Fall getrost Regen nennen kann. Normalerweise sind im April 51,5 Millimeter zu erwarten, wenn man den Vergleichszeitraum 1961 bis 1990 betrachtet. Im sich anschließenden Vergleichszeitraum von 1990 bis 2020 sind es allerdings nur noch 36,6 Millimeter. Mit diesen 13,3 Millimetern kommt der April zwar noch nicht auf das Siegertreppchen, aber immerhin auf Platz sechs der Trockenheitsrangliste seit 1949. Für Zahlenfetischisten hier die drei Champions: Im April 2007 fielen nur 0,1 Millimeter, 1955 waren es 9,1, und 2017 dann 10,4 Millimeter. „Okay, Platz sechs, aber wo bleiben nun die Rekorde?“, mögen Sie denken. Hier kommt die Bronzemedaille: Es gab nur vier Tage mit Regen. Normal wären 15, blickt man auf den 1961 beginnenden Referenzzeitraum. Weniger gab es nur 2007, da fielen die oben erwähnten 0,1 Millimeter an einem Tag, und 2020 waren es drei Tage mit Niederschlag. Wale für den Klimaschutz An dieser Stelle müssen Sie sich jetzt traurige Buckelwalgesänge dazudenken. Denn wir halten einen Moment inne und gedenken des Buckelwals Timmy oder Hope oder wie auch immer Sie ihn nennen wollen. Wir halten uns an dieser Stelle rhetorisch zurück, denn die Empathie von Tierschützern und Esotherikern gilt eher sterbenden Tieren als spitzen Zungen. Ein ehemaliger Bundeskanzler hätte in diesem Zusammenhang von „Gedöns“ gesprochen, gipfelnd in unsäglich dümmlichen, KI-generierten Songs. Nicht falsch verstehen, wir sind unbedingt dafür, dass in den Weltmeeren so viele Wale herumschwimmen, wie nur irgend möglich. Zumal Wale, und die Sensibilisierung für diese Problematik ist ja auch ein bisschen das Anliegen dieser Rubrik, gut für das Klima sind. Wir lassen in diesem Zusammenhang eine Berufenere zu Wort kommen, die Frankfurterin Ina Knobloch, promovierte Biologin, Medienmanagerin, Regisseurin und Dokumentarfilmerin. Sie sagte im Interview mit der Rhein-Main-Zeitung über die Wale: „Sie sind die Gärtner des Meeres. Ihr Kot ist ein Dünger für Plankton, das unheimlich viel Kohlenstoffdioxid absorbiert. Zusätzlich binden auch die Walkörper selbst im Laufe ihres Lebens hohe Mengen CO₂. Wenn sie sterben, nehmen sie es mit auf den Meeresgrund. Dort sind ihre Kadaver Nährstoffquelle für andere Lebewesen. Das Meer spielt eine immense Rolle für den Klimaschutz. Wenn wir dieses System zerstören, können wir so viel auf erneuerbare Energien setzen, wie wir wollen. Ohne die Meere ist der Klimakollaps programmiert. Und dabei spielen Wale eine zentrale Rolle.“ Der 56. zu warme Monat in Folge Wir gehen jetzt nicht so weit, deswegen Wale für Frankfurt zu fordern, schließlich ist selbst in der neu eröffneten Mangrovenanlage im Exotarium des Zoos nur Platz für Schützenfisch und Schlammspringer. Aber die Aufmerksamkeit, die Timmy bekommen hat, würden wir uns angesichts der besorgniserregenden Entwicklung auch für das Klima wünschen. Vielleicht helfen ja auch hier emotionale KI-generierte Lieder, etwa: „Der Mai war wieder viiiiel zu warm, was haben wir ihm aaaangetan?“ Die Prognose, dass der Mai zu warm wird, erlauben wir uns in diesem Fall, weil ja auch der April zu warm war – als inzwischen 56. Monat in Folge. Mit einer Durchschnittstemperatur von 12,2 statt 9,2 Grad (Referenz 1961 bis 1990) kommt der zurückliegende Monat auf Platz elf seit Beginn der Erhebung dieser Zahlen im Jahr 1936. Den wärmsten April gab es 2007 mit 14,3 Grad, gefolgt von jenem des Jahres 2014 mit 14,3 und dem des Jahres 2009 mit 14,1. Zum Abkühlen ein kleiner Rückblick: Am 13. April 1986 wurde mit Minus 7,1 Grad der tiefste Aprilwert gemessen. Und zum wieder warm werden nun die andere Seite der Medaille, am 18. April 1949 wurden 30,3 Grad gemessen. Das Freibad Hausen öffnete traditionell als erstes Frankfurter Bad im vergangenen Monat, die Brunnen plätschern auch wieder, dazu passt, dass die Sonne viel schien, nämlich 267,1 Stunden, ein Plus von 64 Prozent gegenüber dem Mittel des Zeitraums 1961 bis 1990 und ein dritter Platz seit Beginn der Aufzeichnungen dieser Werte im Jahr 1951. Nur die April-Monate der Jahre 2007 mit 312,1 und 2020 mit 306,7 boten mehr Sonnenstunden. Aber: Im vergangenen Monat wurde ein Rekord gebrochen. Mit 13,9 Stunden gab es am 30. April so viel Sonne an einem Tag wie noch nie zuvor an einem Apriltag. Wie war eigentlich das Wetter im April 1926? Wir fragen nur, weil damals Frankfurts erste Ampel in Betrieb genommen wurde, und streuen es hier ein, damit Sie es bei einer Party beiläufig einflechten können, um vielleicht vom Thema Buckelwal abzulenken. Und so kommen zur immer noch recht neuen Rubrik Globalstrahlung: Für die Definition verweisen wir jetzt einfach einmal auf ältere Artikel und halten fest, dass im April 159,4 Kilowattstunden (kWh) je Quadratmeter gemessen wurden – was den dritten dritten Platz in diesem Rückblick bedeutet. 2007 waren es 174 kWh und im Jahr 2020 waren es 165 kWh. Ein Rückblick voller Rekorde, darauf erheben wir das Glas, aber bitte nicht im Frankfurter Hauptbahnhof, denn dort darf man künftig nicht mehr trinken. Gut, dass es Menschen gibt, die sich um die wirklich wichtigen Probleme kümmern.
