Große Bauvorhaben, im Volksmund auch Megabauten genannt, prägen vielerorts die wirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklung ganzer Regionen. Bis zur Fertigstellung erreichen die Kosten häufig mehrere Hundert Millionen Dollar, bisweilen sogar mehrere Milliarden. Planung und Umsetzung solcher Projekte erstrecken sich oft über Jahre, mitunter Jahrzehnte. Die architektonischen Leistungen gelten als Motor des Wachstums. Sie schaffen Arbeitsplätze, ziehen Investitionen an und treiben zugleich die Modernisierung von Verkehrsnetzen, Energieversorgung und Stadtentwicklung voran. Zugleich dienen sie als Testfeld für neue Technologien und Innovationen. Neue Museen, Wolkenkratzer, Opernhäuser oder Verkehrsbauten erfüllen daher nicht allein funktionale Aufgaben. Sie prägen auch das Selbstverständnis und die Wahrnehmung ganzer Städte und Länder. Solche Projekte stehen für Fortschritt, kulturelle Bedeutung und den Anspruch, im internationalen Wettbewerb der Metropolen sichtbar zu bleiben. Zweifelsohne bergen Bauvorhaben wie diese stets auch Risiken. Kostensteigerungen, Verzögerungen oder Konflikte um Umwelt und Nutzung sind keine Seltenheit. Unbestreitbar bleibt dennoch eines: Viele dieser Bauten sind architektonische Meisterwerke und spektakuläre Erscheinungen. So gibt es auch in diesem Jahr einige besondere, die fertiggestellt werden sollen oder schon geöffnet haben und den letzten Feinschliff erfahren. Höher, größer, teurer Auf der Insel Saadiyat im Persischen Golf etwa wächst mit dem Guggenheim Abu Dhabi nach Plänen von Frank Gehry das größte Museum dieser Stiftung heran. Der rund 30.000 Quadratmeter große Komplex besteht aus mehreren konischen Türmen, die dem Objekt eine Lebendigkeit verleihen und zugleich der natürlichen Kühlung dienen. Durch das Spiel von Licht und Schatten wirkt es so, als würde das Museum fortwährend seine Erscheinung verändern. Die Eröffnung soll nach Angaben der Verantwortlichen in wenigen Wochen stattfinden. Auch in Barcelona schreitet ein weltberühmtes Bauprojekt voran. Die Sagrada Família nach Entwürfen des Architekten Antoni Gaudí wird mehr als 140 Jahre nach Baubeginn schrittweise vollendet. Der zentrale Jesusturm bildet den architektonischen Höhepunkt der jüngsten Bauphase. Mit 172,5 Metern soll er zum höchsten Kirchturm der Welt werden. Das Gotteshaus soll zum hundertsten Todestag Gaudís am 25. Juni weitgehend fertiggestellt sein. Detailarbeiten an den Fassaden können allerdings noch länger dauern. Hoch hinaus geht es auch am Ufer des Tigris. In Bagdad erhebt sich das nahezu vollendete Hauptquartier der Central Bank of Iraq. Der Turm ist ebenfalls gut 170 Meter hoch und umfasst 38 Stockwerke. Mit etwas Phantasie erinnert seine Form an ein Sektglas. Den Entwurf lieferte die 2016 verstorbene Stararchitektin Zaha Hadid. Das 2018 begonnene Bauvorhaben soll rund 800 Millionen Dollar gekostet haben. Noch höher fällt ein Projekt in Westafrika aus. Der Tour F in Abidjan wird etwa zweieinhalbmal so hoch wie Hadids Turm in Bagdad. Mit 421 Metern wird der Wolkenkratzer das höchste Gebäude des afrikanischen Kontinents. Auf 70 Etagen entstehen Büroflächen, Restaurants und weitere Einrichtungen, hinzu kommen 21 Aufzüge. Die offizielle Eröffnung ist noch für dieses Jahr vorgesehen. Der Bau unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung des größten Ballungsraums der Elfenbeinküste. Einen anderen architektonischen Akzent setzt der Bürokomplex Citywave im Mailänder Quartier Citylife. Neben den schon errichteten Türmen Isozaki, Hadid und Libeskind entstehen derzeit zwei weitere Gebäude mit jeweils rund 100 Meter Höhe. Überspannt werden sie von einem mehr als 200 Meter langen Dach samt Photovoltaikflächen. Wie der Name nahelegt, soll der Komplex an eine Welle erinnern. In Chicago entsteht unterdessen das knapp acht Hektar große Barack Obama Presidential Center. Herzstück der rund 900 Millionen Dollar teuren Anlage ist ein etwa 70 Meter hoher Museumsturm mit acht Stockwerken. Gezeigt werden sollen Ausstellungen zur Präsidentschaft Obamas sowie zur amerikanischen Bürgerrechts- und Demokratiegeschichte. Ergänzt wird der Komplex durch eine Bibliothek, ein Veranstaltungsforum, Bildungs- und Konferenzräume sowie öffentlich zugängliche Park- und Gartenanlagen. Kultur als wichtiger Baugrund Mit dem Shanghai Grand Opera House erhält die mit rund 25 Millionen Einwohnern größte Stadt Chinas ein neues kulturelles Wahrzeichen an der Uferpromenade des Flusses Huangpu. Auf einer Fläche von 134.000 Quadratmetern entsteht ein Gebäude, dessen Form an einen Fächer erinnert. Vorgesehen sind ein Hauptsaal mit etwa 2000 Plätzen sowie zwei weitere Bühnen mit jeweils rund 1000 Sitzplätzen. Oper, Ballett, Konzerte und experimentelle Aufführungen sollen parallel stattfinden können. Die spiralförmig ansteigende Dachlandschaft wird zudem öffentlich zugänglich sein. Die offizielle Eröffnung ist für Ende 2026 geplant. In Melbourne ist inzwischen der neun Kilometer lange Metro Tunnel fertiggestellt worden, der das Bahnnetz der Millionenstadt erweitert und entlastet. Alle drei Minuten fährt hier eine U-Bahn. Es handelt sich um die größte Umgestaltung des öffentlichen Verkehrssystems seit vierzig Jahren, heißt es. Weniger bedeutsam für den Alltag, aber ebenfalls sehenswert ist das Lucas Museum of Narrative Art in Los Angeles, initiiert vom Filmproduzenten George Lucas. Der futuristisch geschwungene Bau umfasst rund 28.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Gezeigt werden sollen gut 40.000 Kunstwerke zur Geschichte des visuellen Erzählens, von klassischer Malerei bis zu Film und Comics. Das Herzensprojekt des Star-Wars-Schöpfers soll noch in diesem Jahr für Besucher öffnen. Die Baukosten werden auf rund eine Milliarde Dollar geschätzt. Deutschland muss sich nicht verstecken Deutsche Bürger mögen nun mit verstohlenem Blick in die weite Welt schauen, geht es um die Umsetzung großer Bauvorhaben. Die Bundesrepublik hat sich in dieser Hinsicht zuletzt nicht immer mit Ruhm bekleckert. Dennoch fehlt es auch hierzulande nicht an bemerkenswerten Projekten. Zu nennen ist etwa der Fehmarnbelttunnel, der als längster Absenktunnel der Welt zwischen Deutschland und Dänemark entsteht. Nach Verzögerungen soll er voraussichtlich 2031 fertig sein. Auch das Terminal 3 des Frankfurter Flughafens gehört zu den großen Bauvorhaben. Es soll am 23. April in Betrieb gehen. Insgesamt 112.000 Tonnen Stahl wurden verbaut. Das entspricht etwa der Stahlmenge von fünfzehn Eiffeltürmen. Die Grundfläche entspricht etwa 25 Fußballfeldern. Nach der Fertigstellung mit drei Flugsteigen liegt die Kapazität zunächst bei bis zu 19 Millionen Reisenden im Jahr. Später lässt sie sich auf 25 Millionen erweitern. Auch im Osten Deutschlands tut sich etwas. Der taiwanische Halbleiterkonzern TSMC errichtet gemeinsam mit Bosch, Infineon und NXP eine Waferfabrik in Sachsens Landeshauptstadt Dresden. Gut 40.000 Wafer, die als Grundlage für Mikrochips dienen, sollen vom nächsten Jahr an dort monatlich entstehen. Die Bauarbeiten laufen bereits. Für die gesamte Fabrik sind Investitionen von rund zehn Milliarden Euro vorgesehen. Was das Bauen betrifft, muss sich Deutschland im internationalen Vergleich keineswegs verstecken. Allenfalls in Sachen Bauzeiten und Genehmigungsverfahren gibt es sicherlich hier und da noch Verbesserungspotential.
