Die Staatsanwaltschaft Rostock hat ein Verfahren wegen Falschaussage gegen den Vater des getöteten Fabian aus Güstrow eingeleitet. Das sagte ein Vertreter der Anklagebehörde am Mittwoch zu Beginn des Verhandlungstages im Mordprozess am Landgericht Rostock. Der Zeuge Matthias R. sei bei seiner ausführlichen Aussage an den vergangenen Prozesstagen nicht an einer „objektiven Wahrheitsfindung“ interessiert gewesen, so der Staatsanwalt. Er habe „nachweislich falsche Aussagen“ getroffen. Angeklagt im Prozess ist Gina H. Die Dreißigjährige soll Fabian im Oktober vergangenen Jahres laut Anklage mit sechs Messerstichen getötet haben. Die seit November 2025 in Untersuchungshaft sitzende Deutsche ist die Freundin von R. und schweigt bislang zu den Vorwürfen. Es sei wenig nachvollziehbar, wie Matthias R. mit der Angeklagten Gina H. eine Beziehung eingehen könne, sagte der Staatsanwalt am Mittwoch. Ebenfalls „wenig nachvollziehbar“ sei, dass R. trotz mehrerer Angebote der Staatsanwaltschaft R. keine Einsicht in die Akten wolle. „Ich glaub’ an ihre Unschuld“ Die Aussagen von Matthias R. an den früheren Prozesstagen hatten das Gericht und die Staatsanwaltschaft irritiert. R. hatte angegeben, wieder mit Gina H. zusammen zu sein. Zum Zeitpunkt von Fabians Tod waren die beiden getrennt gewesen. „Ich glaub’ an ihre Unschuld“, hatte R. dann aber vergangene Woche vor Gericht gesagt. Er habe sie regelmäßig in Untersuchungshaft besucht. Auf Nachfrage hatte R. zudem Chat- und Audionachrichten oder auch eigene frühere Aussagen relativiert, die zuungunsten der Beschuldigten ausgelegt werden könnten. „Es sei wenig nachvollziehbar, wie ein Zeuge seine Position so ändern könne“, sagte der Staatsanwalt am Mittwoch. Die beiden Verteidiger von Gina H. zeigten sich empört und sprachen von einer Inszenierung. „Das, was die Staatsanwaltschaft hier macht, ist eine Presseerklärung“, hieß es. „So was haben wir noch nicht erlebt.“ Die Angeklagte zeigte während der Erklärung der Staatsanwaltschaft keine Regung. An diesem vierten Verhandlungstag sollen Freunde des Jungen als Zeugen per Video gehört werden. Die Vernehmung soll öffentlich bleiben. Am Vormittag wurden zudem mehrere Audiodateien als Beweismittel abgespielt. Einschließlich des vierten Verhandlungstages sind 24 weitere Termine geplant.
