FAZ 14.08.2026
12:38 Uhr

Wassermangel im US-Westen: Wenn die Stauseen austrocknen


Donald Trump glaubt nicht an die „Klimalüge“. Aber seine Regierung greift doch ein, wenn der Wassermangel am Colorado River die Versorgung von Millionen Amerikanern gefährdet.

Wassermangel im US-Westen: Wenn die Stauseen austrocknen

Donald Trump hat den Klimawandel schon vieles genannt: eine Lüge, einen Scherz, eine „globalistische Klimaagenda“. In einer Rede vor den Vereinten Nationen in New York behauptete er noch im vergangenen Jahr, die Prognosen zu den Auswirkungen seien übertrieben oder falsch. Das ganze Gerede vom Klimawandel sei der „größte Betrug, den die Welt je gesehen hat“. Aber die Realität scheint die amerikanische Regierung einzuholen. Anfang August veröffentlichte die Bundeswasserbehörde eine Strategie für das Management der zwei größten Stauseen der Vereinigten Staaten, Lake Powell und Lake Mead. Sie werden vom Colorado River gespeist und hielten schon im Juli dieses Jahres zusammen so wenig Wasser wie seit 1957 nicht mehr. Also einer Zeit, in der nur einer der beiden Seen, der Lake Mead, schon existierte. In einer Zusammenfassung des Papiers heißt es, die Veröffentlichung komme zu einem „wegweisenden Zeitpunkt“ für das Wassersystem des Colorado River. Dessen Bedeutung ist nicht zu überschätzen: Die Stauseen und der Fluss versorgen 40 Millionen Amerikaner mit Trinkwasser, sieben Bundesstaaten mit Strom, sie liefern Wasser für Ackerflächen so groß wie Hessen und sind Grundlage der Wasserversorgung zweier nordmexikanischer Bundesstaaten. Doch die Zukunft ist ungewiss, daran lässt auch der Bericht keinen Zweifel. Die Autoren schreiben, in den nächsten Jahren sei damit zu rechnen, dass die historisch niedrigen Wasserstände und das Schwinden des Flusses „anhalten oder sich verschlimmern“ würden. Das System sei nie in größerer Gefahr gewesen. Das Wort „Klimawandel“ fällt allerdings nicht. Sieben Bundesstaaten streiten um das Wasser Der politische Streit über diese Notlage im Westen der Vereinigten Staaten gärt seit Jahren. Die sieben beteiligten Staaten sind uneins darüber, wer angesichts des dezimierten Wasserangebots zurückstecken muss. Es geht um Colorado, New Mexico, Utah und Wyoming im sogenannten Oberen Becken, Arizona, Kalifornien und Nevada im Unteren Becken sowie dreißig indigene Stämme. Ein modifiziertes, aber nach wie vor gültiges Abkommen von 1922 ging schon damals – in einem sehr nassen Jahrzehnt – von Wassermengen aus, die eigentlich nicht zur Verfügung standen. Das macht das Problem heute noch dringlicher. Seit 2007 wird die zu nutzende Wassermenge nach den Füllmengen der Stauseen Powell und Mead bemessen, aber es muss eine endgültige Lösung her. Im Jahr 2022 griff die Regierung Joe Bidens angesichts historischer Wassertiefststände in den lokalen Konflikt ein. Die Ansage: Wenn ihr euch nicht einigt, geben wir die Regeln vor. Nach viel Hin und Her fand sich eine Übergangslösung, die Ende dieses Jahres ausläuft. Der Innenminister kann traditionell über das Untere Becken und die Staudämme verfügen, die Bundeseigentum sind. Das ist der Hebel für Washington, den jetzt auch die Regierung des Präsidenten nutzen will, der nach eigener Aussage nicht an den Klimawandel glaubt. Innenminister Doug Burgum kommentierte die Strategie mit den Worten, sie biete die nötige Flexibilität, „um auf sich ändernde hydrologische Bedingungen“ zu reagieren. Das Wassersystem müsse „zuverlässig und widerstandsfähig“ bleiben. Wer hat die älteren Rechte? Der auf zehn Jahre angelegte Plan, dessen Details in den kommenden Tagen vorgestellt werden sollen, sieht vor, dass die Staaten des Unteren Beckens ihre Wassernutzung in großem Umfang verringern. Arizona, Kalifornien und Nevada sollen in den nächsten zwei Jahren zusammen zwanzig Prozent weniger Wasser aus dem Colorado River entnehmen; dann wird neu verhandelt. Die Anrainer des Oberen Beckens wiederum blieben von verpflichtenden Kürzungen verschont; sie könnten die Wassernutzung freiwillig zurückfahren, haben das bislang aber verweigert. Die Wasserbehörde in Arizona kommentierte, das Vorhaben trage „in keiner Weise“ dazu bei, einen „schlüssigen Plan aller sieben Bundesstaaten für eine gemeinsame Lastenverteilung“ wahrscheinlicher zu machen. Doch der Ansatz kommt nicht von ungefähr: Das Abkommen von vor hundert Jahren spricht beiden Becken etwa dieselbe Menge Wasser zu; das weniger dicht besiedelte Obere Becken verbraucht jedoch viel weniger Wasser als die drei anderen Bundesstaaten mit Städten wie Las Vegas und Phoenix. Arizona hat trotzdem recht damit, dass es besonders zurückstecken muss. Kalifornien hat nach gültigem Recht ältere Ansprüche auf die Wasserversorgung. Deswegen trifft es im Falle von Kürzungen zuerst den anderen Staat. Viele der Verhandlungsführer am Colorado River werfen der Bundesregierung vor, sie habe weder genug Führung bewiesen noch finanzielle Anreize geschaffen, um eine Einigung wahrscheinlicher zu machen. Washington weist das zurück. Scott Cameron von der Wasserbehörde sieht die Schuld bei den Bundesstaaten: Man habe mehr als 450 Millionen Dollar aus dem – unter Joe Biden verabschiedeten – Inflation Reduction Act bereitgestellt, um Landwirte und Kommunen beim Wassersparen zu unterstützen, sagte er kürzlich in einem Interview. Übrig sind davon offenbar nur noch 100 Millionen Dollar. Arizona und Colorado haben sich Anfang des Jahres schon in Position für einen Rechtsstreit über die Wassernutzungsfrage gebracht – erst einmal mit den anderen beteiligten Bundesstaaten. Am Ende aber müssen sich alle Beteiligten der Natur beugen. Mit der Schneeschmelze in den Bergen Colorados fließt das Wasser den Colorado River hinunter in die Stauseen und das Untere Becken. Aber wenn der Winter wie in diesem Jahr so wenig Schnee bringt wie noch nie und wenn der Frühling außerordentlich heiß ist, dann reicht das eben nicht mehr.