FAZ 11.05.2026
11:10 Uhr

Warhols Förderer: Pop-Art-Galerist Bruno Bischofberger gestorben


Er war maßgeblich daran beteiligt, Pop-Art aus den USA in Europa zu etablieren, förderte Warhol und Basquiat und gehörte im internationalen Geschäft zu den festen Größen. Nun ist der Schweizer Galerist Bruno Bischofberger gestorben.

Warhols Förderer: Pop-Art-Galerist Bruno Bischofberger gestorben

Der Schweizer Galerist und Kunstsammler Bruno Bischofberger ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Das hat seine Galerie bekannt gegeben. International einen Namen machte Bischofberger sich vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Andy Warhol, den er Mitte der Sechzigerjahre in New York kennenlernte. Wenig später kaufte Bischofberger elf frühe Werke von dem Pop-Art-Künstler zu einem Preis, der damals als sehr hoch galt. Im Gegenzug sicherte Warhol dem Kunsthändler das Vorkaufsrecht auf seine künftigen Arbeiten zu und hielt an dieser Vereinbarung bis zu seinem Tod 1987 fest. 1969 gründete Bischofberger mit Warhol das Magazin „Interview“.  Bedeutsam war weiterhin, dass Bischofberger die Zusammenarbeit zwischen Warhol und Jean-Michel Basquiat initiierte. Er war es, der den beiden Künstlern 1984 vorschlug, kollaborativ Werke zu schaffen, und sie darüber hinaus zur Zusammenarbeit mit Francesco Clemente anregte. Zwischen Zürich und New York Geboren wurde Bischofberger 1940 in Zürich. Dort und in Bonn sowie München studierte er Kunstgeschichte, Archäologie und Volkskunde. Schon 1963 eröffnete er in seiner Heimatstadt seine erste Galerie. Seit 2013 hat Bischofbergers Galerie ihren Standort in Männedorf. Bischofberger gehörte zu den treibenden Kräften bei der Etablierung der amerikanischen Pop-Art in Europa. Sie bestimmte von Anfang an das Programm der Galerie. In den Siebzigerjahren kamen Minimal-Art, Konzeptkunst und Land-Art hinzu. Die Liste der von Bischofberger ausgestellten Künstler liest sich wie ein „Who’s Who“ der Nachkriegskunst, von Warhol und Basquiat über Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg und Claes Oldenburg zu Donald Judd und Sol LeWitt und On Kawara bis hin zu Yves Klein, Jean Tinguely, Julian Schnabel und weiter zu den Neuen Wilden aus Berlin – um nur einige zu nennen. Bischofbergers Ehefrau, die Kunsthistorikerin Christina Bischofberger, erstellte den Werkkatalog von Tinguely. Bischofbergers weit gespannte Interessen spiegeln sich in seiner eminenten Privatkollektion wider. Der Kunsthändler, der als öffentlichkeitsscheu und heimatverbunden galt, sammelte leidenschaftlich Schweizer Volkskunst, außerdem Designobjekte des 20. Jahrhunderts, Fotografien und prähistorische Steinkunstwerke.