Elye Wahi ist auf dem Weg zu alter Leistungsstärke. Zwar gelang dem nun für Nizza spielenden Stürmer am vergangenen Samstag beim 0:4 gegen Paris Saint-Germain kein Torerfolg, doch seine Körpersprache ist eine andere als in seiner schweren Zeit bei Eintracht Frankfurt. „Ich fühle mich in Nizza pudelwohl, und zwar vom ersten Tag an“, meinte der in dem Pariser Vorort Courcouronnes geborene Fußballprofi in den Katakomben des Stadions von Nizza. Er spüre das Vertrauen des Trainerstabs und seiner Teamkollegen. „Mit ein bisschen Abstand war es die richtige Entscheidung, diesen Schritt zu wagen.“ Ein herrlicher Heber aus mehr als 40 Metern Frankfurts Leihspieler Wahi kam in der Ligue 1 achtmal zum Einsatz und erzielte vier Tore, darunter vor gut einer Woche den 1:0-Siegtreffer gegen Angers mit einem herrlichen Heber aus mehr als 40 Metern. Mit Erfolg kehrte Wahi von einer Knöchelverletzung zurück. In insgesamt zehn Pflichtspielen brachte er es außerdem auf zwei Torvorlagen. Die für ihn positiv verlaufende Rückrunde an der Côte d’Azur dürfte er als Genugtuung empfinden. Schon bei Racing Lens und Olympique Marseille konnte Wahi die Erwartungen nicht erfüllen. In Lens schaffte es Trainer Franck Haise nicht, seinen Spieler weiterzuentwickeln. Auch bei Olympique setzte sich Wahi nie durch. In der Provence soll der immense Druck schwer auf ihm gelastet haben. Nach nicht mal einem halben Jahr wechselte der Angreifer zur Eintracht. Unter Dino Toppmöller brachte Wahi kein Bein auf den Boden Die Frankfurter zahlten für ihn eine Rekordablösesumme in Höhe von rund 25 Millionen Euro. Doch unter Anleitung des ehemaligen Trainers Dino Toppmöller war Wahi der internen Konkurrenz nicht gewachsen. In etwas mehr als 20 Pflichtspielen standen bei ihm nur ein Treffer und drei Torvorlagen in seiner Bilanz. Die Leistung, die sich die Eintracht von ihm erhofft hatte, vermochte Wahi am Main nicht abzurufen. Er galt dort im Hinblick auf die von dem Bundesligaklub getätigten Investitionen als Fehleinkauf. In Nizza scheint der im Januar gekommene Trainer Claude Puel aber die richtigen Worte gefunden zu haben, um Wahi weiterzubringen. „Wir haben einen tollen Draht zueinander. Elye ist täglich glücklich“, sagt der französische Coach über die Arbeitsbeziehung zu seinem Spieler. „Ich glaube, er braucht einfach nur, dass man ihn mag. Obwohl wir uns in einer sportlich schwierigen Lage befinden, hat er in Nizza ein Umfeld gefunden, in dem er sich entfalten kann.“ Sieben Spieltage vor Rundenende belegt Nizza den 15. Platz. Wahi vor seinem ersten Einsatz für die Elfenbeinküste Wahi treibt jetzt auch seine internationale Karriere voran. An diesem Samstag (15.00 Uhr) gibt er sein Debüt im Trikot der Elfenbeinküste – das Land seiner Eltern – beim Testspiel gegen Südkorea in London. Es ist eine Premiere für den 23 Jahre alten Stürmer, der bisher nur in die französischen Junioren-Nationalmannschaften berufen worden war. Nachdem er von der U 16 bis zur U 21 das Trikot Frankreichs getragen hatte, ist sich Wahi bewusst geworden, dass die Konkurrenz in der Offensive der französischen Nationalmannschaft mit Kylian Mbappé, Michael Olise, Ousmane Dembélé und Désiré Doué eine Nominierung sehr unwahrscheinlich gemacht hätte. Aber auch in Reihen der Elfenbeinküste, die bei der Weltmeisterschaft am 20. Juni in Toronto in der Gruppe E auf die deutsche Nationalmannschaft treffen wird, herrscht harte Konkurrenz mit Sébastien Haller, Nicolas Pépé, Leipzigs Yan Diomande, Evann Guessand, Martial Godo oder Amad Diallo in der Offensive. Emerse Faé, der Trainer der ivorischen Nationalmannschaft, freut sich auf die Zusammenarbeit mit Wahi. Elye Wahi habe sich „Ziele bis zum Saisonende gesetzt, sowohl mit der ivorischen Nationalmannschaft als auch mit dem OGC Nizza. Das ist gut für ihn, denn Elye hat so viele Qualitäten“, sagte Claude Puel. Nach den beiden Länderspielen mit der Elfenbeinküste wird sich Wahi mit Nizza auf den Kampf um den Klassenverbleib in der Ligue 1 konzentrieren. In dieser Zeit wird es auch um seine Zukunft gehen. Bis zum 1. Juli dieses Jahres ist er von der Eintracht ausgeliehen. „Es ist noch etwas zu früh, um eine endgültige Entscheidung zu treffen, aber wir würden Elye gerne behalten, sagte Nizzas Sportdirektor Florian Maurice vor einigen Tagen in der „L’Équipe“. „Bei uns ist er glücklich, das spürt man rund um die Uhr.“ Bleibt Wahi in Nizza? Maurice kündigte Gespräche am Ende der Saison an. Nizza scheint bei Wahi auf ein weiteres Leihjahr zu spekulieren. Eine Kaufoption wurde zwischen der Eintracht und den Franzosen nicht vereinbart. Bisher ist lediglich eine Leihgebühr in Höhe von 1,5 Millionen Euro fällig geworden. Der Preis wäre im Sommer also frei verhandelbar. Die Frankfurter, die in diesem Sommer auf Transfererlöse angewiesen sein werden, bevorzugen offenbar einen Verkauf des Stürmers. Dessen Wert könnte steigen – sofern er eine erfolgreiche Weltmeisterschaft spielen würde. Dann aller Voraussicht nach im Trikot der Elfenbeinküste.
