FAZ 27.05.2026
07:40 Uhr

Vorwahl in Texas: Nach dem Sieg dankt Paxton erst mal Trump


MAGA-Hardliner Ken Paxton gewinnt in Texas die republikanische Stichwahl für den Senatsposten – dank Donald Trump. Für den Präsidenten zählt Loyalität mehr als Strategie.

Vorwahl in Texas: Nach dem Sieg dankt Paxton erst mal Trump

Das Ergebnis der Stichwahl in Texas war ein Sieg für Donald Trump. Der Wunsch des amerikanischen Präsidenten ging in Erfüllung: Am Dienstag setzte sich der Republikaner Ken Paxton gegen John Cornyn durch – einen der dienstältesten Senatoren im Kongress, der von Trump als illoyal gebrandmarkt worden war. Paxton tritt damit in der Kongresswahl im November gegen den demokratischen Kandidaten James Talarico an. Für die Partei könnte das strategische Nachteile haben. Paxton, 63, ist ein republikanischer Hardliner. Nach der Präsidentenwahl 2020 war er als texanischer Justizminister ein aktiver Verfechter von Trumps Lüge vom massenhaften Wahlbetrug. Er unterstützte die harte Migrationspolitik des Präsidenten und warb im Wahlkampf damit, er habe viele Klagen zum „Schutz konservativer Werte“ angestrengt, gegen Transrechte etwa. Als der Oberste Gerichtshof im Juni 2022 das allgemeine Recht auf Abtreibung beendete, schickte Paxton seine Mitarbeiter nach Hause, um der „70 Millionen im Mutterleib getöteten Babys“ zu gedenken. Die Texaner haben den Republikaner seit 2015 dreimal zum Justizminister gewählt. Aber seine politische Karriere ist von Skandalen geprägt. Im vergangenen Jahr reichte Paxtons Ehefrau nach Berichten über eine Affäre unter Berufung auf „biblische Gründe“ die Scheidung ein. 2023 eröffnete das republikanisch kontrollierte Repräsentantenhaus in Texas wegen unsachgemäßer Verwendung öffentlicher Mittel und Bestechlichkeit ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Minister, das ohne Erfolg blieb. Paxton präsentierte sich als zu Unrecht Verfolgter Texas zahlte 2020 nach einer Gerichtsentscheidung mehr als sechseinhalb Millionen Dollar an ehemalige Mitarbeiter Paxtons, die behaupteten, er habe sie nach einer Anzeige beim FBI entlassen. Kurz vor seinem Amtsantritt 2015 war nach einem Vergleich außerdem eine Anzeige wegen schweren Betrugs im Zusammenhang mit einem Tech-Start-up fallen gelassen worden. Auch wegen dieser Vorfälle hieß es zunächst, Trump werde Cornyn unterstützen: einen Mann, der seit knapp einem Vierteljahrhundert im Senat sitzt, der in der ersten Präsidentschaft die zweithöchste Position in der Fraktion innehatte und der nach eigener Aussage in „99 Prozent aller Fälle“ im Sinne Trumps gestimmt hat. Doch Paxton gab sich wie Trump als zu Unrecht Verfolgter und trieb Cornyn im Wahlkampf immer wieder dazu, seine Gefolgschaft zu beweisen. Als es im Frühjahr darum ging, Trumps Gesetzentwurf zu schärferen Wahlregelungen durch den Kongress zu bringen, ging er den Senator öffentlich an: Er kämpfe nicht entschlossen genug dafür. Cornyn rückte daraufhin von seiner bisherigen Haltung ab und sagte schließlich, er unterstütze jede Regeländerung, die den demokratischen Widerstand brechen könne. Die bedingungslose Unterstützung kam offenbar zu spät. Trump machte eine Kehrtwende. Eine Woche vor der Wahl nannte Trump Paxton auf seiner Onlineplattform Truth Social einen „echten MAGA-Kämpfer“, der im Senat liefern werde. Cornyn sei zwar ein „guter Mann“. Er habe in schweren Zeiten aber nicht an seiner Seite gestanden und die zweite Präsidentschaftskandidatur „sehr spät“ unterstützt. Seither sahen Umfragen Paxton in dem knappen Rennen vorn. Der Vorwahlkampf kostete 120 Millionen Dollar Unter vielen Republikanern im Senat wuchsen derweil der Unmut und die Sorge darüber, der radikale Republikaner könne die sicher geglaubte Wahl des Senatssitzes in Texas unnötig spannend machen – und teurer als geplant werden lassen.  Cornyn selbst hatte gesagt, der Wahlkampf in Texas werde in diesem Fall Geld verbrennen, das in anderen umkämpften Staaten mehr gebraucht werde. Der Vorwahlkampf allein kostete mehr als 120 Millionen Dollar und war damit der teuerste seit 2018. Trump dürfte die Risiken gekannt haben, als er Paxton seine Unterstützung aussprach. Aber für den Präsidenten geht Loyalität über alles. Kurzfristige Siege scheinen ihm dieser Tage wichtiger als der Blick auf mögliche Konsequenzen. Der 76 Jahre alte Cornyn verkörpert trotz seiner Unterstützung das Partei-Establishment, das Trump ablehnt und gegen das Paxton im Wahlkampf heftig mobilisiert hatte. Der Senator stammt aus einer anderen Republikanergeneration, unterstützt Trumps Politik zwar in der Regel, hält aber Abstand zu dessen schärfsten Positionen. 2020 gehörte er nicht zu denjenigen, die Wahlbetrug riefen, auch wenn er gegen eine Amtsenthebung Trumps nach dem Sturm auf das Kapitol stimmte. Der als nachtragend bekannte Präsident dürfte auch nicht vergessen haben, dass Cornyn 2023 sagte, Trumps Zeit sei vorbei, bevor er ihn abermals als Kandidaten unterstützte. Wie groß Trumps Einfluss auf die republikanische Partei ist, hatte er in den vergangenen Wochen schon zweimal bewiesen. Senator Bill Cassidy aus Louisiana, der 2021 für eine Amtsenthebung gestimmt hatte, und der Abgeordnete Thomas Massie, der häufig mit den Demokraten stimmt, mussten sich in den Vorwahlen von Trump unterstützten MAGA-Kandidaten geschlagen geben. Paxton dankte Trump nach seinem Wahlsieg: Er sei der Anführer der Partei und seine Unterstützung die „mächtigste Kraft in der Politik“. Der Präsident selbst gratulierte dem Hardliner am Mittwoch zu einem „großartigen Sieg“, schlug aber auch gegenüber Cornyn überraschend versöhnliche Töne an. Der habe eine wahrhaftig großartige Karriere hinter sich und werde „für lange Zeit“ sein Freund bleiben. Das dürfte auch ein Signal an die verärgerten Republikaner im Senat gewesen sein.