Die mit Iran verbündeten Huthi-Rebellen haben jemenitischen Regierungsquellen zufolge eine strategisch gelegene Insel in der Meerenge Bab al-Mandab erobert. Nach Angaben des Senders Al Jazeera handelt es sich dabei um die Insel Mayyun (Perim). Damit dürften die Huthi in der Lage sein, den Schiffsverkehr auf der für den Welthandel enorm wichtigen Route durch das Rote Meer erheblich einzuschränken. Laut Al Jazeera wird nun die gesamte jemenitische Küste am Roten Meer von den Huthi kontrolliert. Sollten sich Iran und die Huthi-Miliz auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen können, so hielte Teheran im Ringen mit den Vereinigten Staaten einen weiteren Hebel in der Hand. Saudi-Arabien reagiert laut Angaben des Huthi-Fernsehsenders Al-Masirah am Freitag mit Luftangriffen auf den Flughafen Mokhas. Laut CNN geben die USA Geheimdienstinformationen und Hilfe bei der Zielerfassung an Saudi-Arabien weiter, beteiligen sich jedoch nicht direkt an Luftangriffen, obwohl der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman Präsident Trump in zwei Telefonaten am Donnerstag um direkte militärische Hilfe gebeten haben soll. Mehr als 100 US-Militärberater sind in Saudi-Arabien vor Ort. Am Donnerstag hatten die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters unter Berufung auf jemenitische Militärkreise sowie Augenzeugenberichte übereinstimmend berichtet, dass die Huthi-Miliz die Kontrolle über die strategisch wichtige Hafenstadt Mokha an der Westküste des Jemens übernommen hat. Damit kontrollierte die von Iran unterstützte Miliz einen Zugang zur Meerenge Bab al-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres. Außerdem hieß es, die Huthi hätten am Donnerstag die Insel Zuqar im Süden des Roten Meeres eingenommen. Die jemenitischen Streitkräfte zogen sich demnach nach Gefechten zurück und verlegten ihre Truppen südlich der Stadt Mokha, nahe dem Bab al-Mandab, neu. Der Bab al-Mandab zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt und verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean. Die wegen der gefährlichen Navigationsbedingungen auch als „Tor der Tränen“ bekannte Meerenge ist eine der zentralen Strecken für den Transport von Rohöl und Kraftstoffen aus der Golfregion über den Suezkanal ins Mittelmeer sowie in umgekehrter Richtung für Handelsgüter mit Ziel Asien, darunter russisches Öl. Seit der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus im Zuge des Irankriegs hat der Bab al-Mandab zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Bundesregierung: Huthi-Vorstoß „besorgniserregend“ Die Bundesregierung verurteilte den Huthi-Vorstoß. Meldungen unter anderem über die Einnahme einer Hafenstadt seien „besorgniserregend“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Freitag in Berlin. Dass die Huthis neben dem Iran seit Wochen versuchten, die internationale Schifffahrt „in Geiselhaft zu nehmen, auf Energieanlagen in Saudi-Arabien zielen und nun auch die Regierung Jemens ins Visier nehmen, das verurteilen wir.“ „Bei zunehmender Kontrolle der Huthis über diesen Seeweg drohen dann natürlich weitere Einschränkungen von Öl- und auch LNG-Lieferungen aus der Region“, sagte der Sprecher weiter. Er verwies auf die damit verbundenen möglichen „negativen Auswirkungen für die Versorgungslage auf dem Weltmarkt“. Die Huthi-Miliz selbst erklärte, es bestehe „kein Anlass zu internationaler Sorge“. Die Freiheit der Schifffahrt und der internationale Handel im Roten Meer und im Bab al-Mandab seien „sicher und geordnet“, sagte ein Vertreter des Politbüros dem Nachrichtenportal Al-Arabi al Dschadeed. Groß angelegte Huthi-Offensive seit vergangener Woche In der vergangenen Woche hatte die Huthi-Miliz eine groß angelegte Offensive begonnen, die auf die Küstengebiete entlang der Meerenge abzielt. Damit versucht die Miliz, sich eine entscheidende Position zu verschaffen, um Schiffe daran zu hindern, ein Nadelöhr des Welthandels zu passieren. Darüber hinaus gibt es ihnen die Möglichkeit, drei wichtige Versorgungslinien der von Saudi-Arabien gestützten Regierung im Süden des Landes abzuschneiden. Eine Blockade des Bab al-Mandab würde zudem auch für Golfstaaten wie Saudi-Arabien einen zentralen Handelsweg kappen. Bereits Ende Juli hatte die Miliz eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt und greift seitdem immer wieder saudi-arabische Öltanker sowie Ölanlagen an. Die von Iran unterstützte Miliz kämpft seit Jahren gegen die Regierung im Jemen. Seit dem Jahr 2022 herrschte eine inoffizielle Waffenruhe. Im Zuge des Irankriegs ist aber auch der Konflikt im Jemen wieder aufgeflammt. Die Feuerpause, die vor vier Jahren ausgerufen wurde, ist nach den Gefechten in der jüngsten Zeit praktisch hinfällig.
