FAZ 06.10.2026
15:19 Uhr

Vor UEFA-Treffen: Neuendorf fordert Rote Karte für Infantino


Vor dem UEFA-Spitzentreffen in Berlin sendet DFB-Präsident Bernd Neuendorf eine scharfe Botschaft: „Wir müssen ihn vom Platz stellen.“ Aber zuerst geht es noch um etwas anderes.

Vor UEFA-Treffen: Neuendorf fordert Rote Karte für Infantino

Unmittelbar vor dem Spitzentreffen der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in Berlin hat Bernd Neuendorf die Rote Karte für Gianni Infantino gefordert. „Wir müssen ihn vom Platz stellen“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dem „Tagesspiegel“. Zudem kündigte er erstmals konkret an, Infantino bei der Präsidentschaftswahl im Internationalen Fußball-Verband (FIFA) im kommenden März nicht die Stimme zu geben. Darüber gebe es einen einstimmigen Präsidiumsbeschluss im DFB. Infantino sei „als FIFA-Chef nicht mehr tragbar“, sagte Neuendorf. Er habe „dem Fußball sehr geschadet“ und mit den Vorgängen rund um die vergangene Weltmeisterschaft „jegliches Vertrauen verspielt“. Neuendorf bezieht sich damit auf den Umgang mit der Roten Karte für den amerikanischen Spieler Folarin Balogun sowie die inzwischen ad acta gelegten Investorenplänen Infantinos. Das „System Infantino“ muss beendet werden – aber wie? Deswegen hatte Neuendorf sich zuletzt schon deutlich vom FIFA-Präsidenten distanziert, unter anderem mit der Aussage, das „System Infantino“ müsse beendet werden. Die Frage ist allerdings weiter, ob und wie das gelingen kann. Darum wird es an diesem Donnerstag in Berlin bei einem Meeting der 55 europäischen Verbände mit UEFA-Präsident Aleksander Čeferin gehen. Neuendorfs verschärfte Distanzierung ist somit in erster Linie als Signal vor diesem als „Anti-Infantino-Gipfel“ apostrophierten Treffen zu verstehen, an dem für den deutschen Fußball auch Hans-Joachim Watzke und Holger Blask teilnehmen werden. Schwierige Suche nach dem Herausforderer Dass es dabei allerdings zu den „wichtigen Entscheidungen“ über einen möglichen Gegenkandidaten kommen wird, die Neuendorf schon einmal angekündigt hatte, erscheint ungewiss. Nun sagte der DFB-Chef lediglich: „Vielleicht werden wir in Berlin bei unserem Meeting mehr Klarheit bekommen.“ Ein Herausforderer für Infantino müsste bis zum 18. November benannt werden. Für die aktuelle Zurückhaltung gibt es zwei Lesarten. Zum einen scheint es tatsächlich nicht leicht, einen aussichtsreichen Kandidaten zu finden, der auch bereit ist, in den Ring zu steigen. Womöglich ist es aber auch Teil der Strategie, einen Namen erst so spät wie möglich publik zu machen. Zuerst einmal wird es allerdings darum gehen, überhaupt Einigkeit innerhalb der UEFA zu demonstrieren. Vor einer Woche hatte der lettische Fußballpräsident Vadims Lyashenko bei der Eröffnung der neuen Verbandszentrale in Riga dem anwesenden Infantino seine Unterstützung zugesichert. Über den sagte UEFA-Chef Čeferin kürzlich vor Klubvertretern in Kopenhagen: „Der Kaiser ist nackt.“ Aber er verfügt immer noch über ein dickes Portemonnaie.