FAZ 23.09.2026
12:51 Uhr

Vor Treffen mit Xi: Takaichi sucht Trumps Rückhalt


Kurz vor dem Besuch von Xi in Washington demonstrieren Trump und Takaichi ihre „robuste Allianz“. Die Sorge in Tokio vor einem Deal der beiden Großmächte ist groß.

Vor Treffen mit Xi: Takaichi sucht Trumps Rückhalt

Vor dem Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping in Washington hat die japanische Ministerpräsidentin Sanae Takaichi in einem persönlichen Treffen mit Donald Trump in New York am Dienstag den Rückhalt des Bündnispartners gesucht. „Angesichts eines zunehmend ernsten Sicherheitsumfelds, auch in Asien, zeigt die Tatsache, dass Donald und ich heute Gespräche führen, der Welt, wie robust das japanisch-amerikanische Bündnis ist“, sagte Takaichi vor ihrem Treffen mit Trump. Der Amerikaner pries sie im Gegenzug als Freundin und „großartige Ministerpräsidentin“. Im Anschluss an das gut halbstündige Gespräch am Rande der UN-Generalversammlung teilte die japanische Regierung mit, dass beide Seiten vereinbart hätten, bei „verschiedenen Fragen im Zusammenhang mit China, darunter wirtschaftliche Sicherheit, eng zusammenzuarbeiten“. Zudem sollten die Abschreckungs- und Reaktionsfähigkeiten des japanisch-amerikanischen Bündnisses weiter gestärkt werden. China wirft Japan Militarismus vor In Japan wird es schon als Erfolg verbucht, dass Trump dieses Mal kurz vor seinem Treffen mit Xi mit Takaichi zusammengekommen ist. Das Verhältnis zwischen Tokio und Peking ist seit einer Äußerung Takaichis zum Taiwankonflikt im vergangenen November angespannt. Die chinesische Staatsführung hat verschiedene Exportbeschränkungen für sogenannte Dual-Use-Produkte wie Seltene Erden verhängt, die für viele Schlüsseltechnologien gebraucht werden. Zudem provoziert China nach japanischen Angaben immer wieder durch militärische Aktivitäten in den Meeren und im Luftraum rund um die südlichen Inseln des Landes. Doch Trump hatte es an klaren Bekenntnissen zu dem engsten Verbündeten der Amerikaner in der Region zuletzt mangeln lassen. Die Sorge ist groß, dass Washington für einen Handelsdeal mit Peking seine alten Partner in Asien hängenlassen könnte. Auch gegenüber Taiwan und Südkorea hatte sich Trump zuletzt als wenig verlässlicher Sicherheitspartner präsentiert. In ihrem Gespräch am Dienstag hätten Trump und Takaichi nun auch noch einmal die Verpflichtung beider Länder zur vollständigen Denuklearisierung Nordkoreas bekräftigt, hieß es von der japanischen Regierung. Takaichi treibt unter anderem die Aufrüstung des japanischen Militärs voran und will im Einklang mit Trumps Forderungen die Rüstungsausgaben auf bis zu 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anheben. China wirft ihr in dem Zusammenhang einen neuen Militarismus vor und stellt Takaichi als Gefahr für die Stabilität in der Region dar. Zuletzt hatte sich die diplomatische Auseinandersetzung der beiden Staaten um einen Begriff in den Statuten der Vereinten Nationen gedreht. Dort werden Japan und Deutschland weiterhin als „Feindstaaten“ bezeichnet, was sich auf das Bündnis der beiden Länder im Zweiten Weltkrieg bezieht. Japan und Deutschland werden als Feindstaaten bezeichnet In ihrer Rede vor der UN-Generalversammlung am Dienstag forderte Takaichi die Vereinten Nationen dazu auf, diese Formulierung zu ändern, entsprechend einer früheren Resolution, die einstimmig verabschiedet worden sei. Takaichi bezeichnete Japan als eine „friedliebende Nation“, die an ihrer ausschließlich verteidigungsorientierten Politik festgehalten habe. Eine Sprecherin der chinesischen Regierung hatte dagegen zuletzt betont, dass die Feindstaatenklauseln „auch heute noch gültig“ seien, und stellte Japan als anhaltende Bedrohung für den regionalen Frieden dar. „Die japanische Seite sollte die Geschichte als Spiegel nutzen, einen klaren Bruch mit dem Militarismus vollziehen und sich mit konkreten Maßnahmen das Vertrauen ihrer asiatischen Nachbarn und der übrigen Welt verdienen“, sagte die Sprecherin. Zu den Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen den Internationalen Strafgerichtshof und dessen japanischen Vorsitzenden Tomoko Akane hätten Takaichi und Trump einen „einen offenen Meinungsaustausch“ geführt, hieß es von Tokioter Seite. Die Trump-Regierung geht vor allem wegen dessen Verfahren gegen amerikanische Staatsangehörige und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hart gegen den Gerichtshof vor. Japan stellt nicht nur die Präsidentin, sondern ist auch der größte Geldgeber der Institution. In ihrem Heimatland steht Takaichi unter Druck, weil sie aus Sicht von Kritikern bislang zu „kleinlaut“ auf die Angriffe der Amerikaner auf den Gerichtshof reagiert habe. Trump wiederholte in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung seine Kritik an dem Strafgerichtshof. Takaichi sagte dagegen in ihrem Beitrag, Japan habe seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs „die Rechtsstaatlichkeit bei der Lösung aller Konflikte betont“ und dass sich diese Haltung in der „konsequenten Unterstützung“ internationaler Gerichte, einschließlich des Internationalen Strafgerichtshofs, spiegele.