FAZ 08.09.2026
07:32 Uhr

Von der Leyen in Grönland: Die EU sollte Trump ein Denkmal setzen


Die Attacken und Annexionsgelüste des US-Präsidenten haben zumindest ein Gutes: Sie zwingen Europa, seine geopolitischen Interessen selbst wahrzunehmen.

Von der Leyen in Grönland: Die EU sollte Trump ein Denkmal setzen

Der verstorbene frühere tschechische Außenminister Schwarzenberg hat einmal einem Stoßseufzer über den Zustand der Europäischen Union die ironische Wendung gegeben, es gebe einen, der immer noch hoffen lasse, weil er dazu zwinge, das Gemeinsame zu suchen: Wladimir Wladimirowitsch Putin. Wäre Schwarzenberg noch unter uns, würde er heute in seinem kauzigen Humor vielleicht einen weiteren Hoffnungsträger für Europa hinzufügen: Donald J. Trump. Auch der US-Präsident verhält sich in vielerlei Hinsicht feindselig gegenüber Amerikas traditionellen Partnern jenseits des Atlantiks. Grönland wurde viel zu lange links liegenlassen Im Ernst muss man an dieser Stelle hinzufügen, dass immer noch ein himmelweiter Unterschied besteht zum Putin-Regime, das die Ukraine seit Jahren mit einem blutigen Eroberungskrieg überzieht und in der EU Mordanschläge und Sabotage verübt. Aber die Gemeinsamkeit besteht darin, dass Trump mit seinen Zoll-Attacken auf die europäische Industrie und seinen unverhohlenen Annexionsgelüsten gegen das völkerrechtlich zu Dänemark gehörende Grönland bei allen negativen Auswirkungen auch ein Gutes mit sich bringt: Die EU wird genötigt, ihre geopolitischen Interessen selbst wahrzunehmen. Dazu zählt der ostentative Besuch der Kommissionspräsidentin von der Leyen in Grönland samt Investitionen und Rohstoffabkommen, die offenkundig auch im dortigen Interesse liegen. Viel zu lange hat man in Brüssel (wie in Kopenhagen) die größte Insel der Erde links liegenlassen. Nur: Ob man sich jetzt ausreichend für die unvermeidlich folgenden Friktionen gewappnet hat?