Das Umweltministerium in Schwerin hat eventuell vorliegende Daten auf dem Sender, der an dem Buckelwal angebracht worden war, noch nicht ausgewertet. „Das Gerät wurde noch nicht untersucht, da es weiterhin Eigentum der Initiative ist“, sagte ein Ministeriumssprecher der F.A.Z. Derzeit werde „gemeinsam mit der Initiative vorbereitet, die Öffentlichkeit möglichst zeitnah über die erfassten Daten zu informieren“. Das legt nahe, dass die Initiative selbst den Sender auswerten wird. Dieser liegt dem Ministerium seit Freitag vor. Unklar ist, wie eine Unabhängigkeit der Auswertung gewährleistet werden kann, wenn die Walhelfer selbst den Tracker auswerten. Unklar ist auch, wann eine Auswertung erfolgen soll. Fragen dazu beantwortete ein Ministeriumssprecher zunächst nicht. Er verwies am Mittwoch darauf, dass Umweltminister Till Backhaus (SPD) im Landtag „gebunden“ sei. Der Sender könnte Auskunft darüber geben, wie rasch der Buckelwal nach seiner Freilassung in der Nordsee starb. Das Ergebnis dürfte Auswirkungen darauf haben, wie das Handeln der „Rettungsinitiative“ und des Landesumweltministers Till Backhaus (SPD) im Nachhinein bewertet werden. Backhaus hatte die Initiative dabei unterstützt, den Buckelwal entgegen dem wissenschaftlichen Rat mit einer Barge aus der Bucht von Wismar in die Nordsee zu schleppen und dort im Meer freizulassen. Die Mitglieder der Initiative hatten in der Bucht von Wismar mit Schläuchen an dem Wal gezogen, um ihn in die Barge zu bringen. Aus dieser war er dann offenbar an der Fluke mit einem Seil gezogen worden. Aus Sicht von Meeresbiologen darf das nie getan werden, da eine hohe Gefahr besteht, dass die Tiere dadurch schwere Weichteil- und Wirbelsäulenschäden erleiden. Die Fluke besteht nicht aus Knochen, es drohen massive Verletzungen. Will die „Rettungsinitiative“ die Daten nicht veröffentlichen? Der dänische Meeresbiologe und Buckelwalfachmann Peter T. Madsen bezeichnete die sogenannte Rettungsaktion des Wals im Gespräch mit der F.A.Z. als „totales Desaster“. Aus Sicht Madsens wurde der Wal offenbar in der Barge verletzt, da er hin- und hergeschleudert wurde, eventuell auch beim Herausziehen aus der Barge. Madsen nimmt an, dass der Wal unmittelbar nach seiner Freilassung verendet ist, weil er zu schwach, krank und mutmaßlich auch verletzt war. Ab Donnerstag soll der Wal auf der dänischen Insel Anholt seziert werden. Madsen forderte im Gespräch mit der F.A.Z., das Umweltministerium solle ein Foto des Senders veröffentlichen und die Daten rasch publik machen, damit bekannt wird, wie schnell das Tier nach dem Aussetzen verendet ist. Er warf denjenigen, die das Gerät am Wal angebracht haben, vor, die Daten nicht offenlegen zu wollen, weil diese eventuell nicht in deren Erzählung passten, wonach sich der Wal nur verirrt hatte und „befreit“ werden konnte. Welche Daten der Sender lieferte, ist unklar Um welchen Gerätetyp es sich bei dem Sender handelt, ist unklar. Laut dem Sprecher des Landesumweltministeriums in Schwerin soll es sich laut „Rettungskonzept“, also dem einst dem Ministerium vorgelegten Konzept der Helferinitiative, um ein Gerät der Firma „Wildlife Computer“ handeln. Das ist einer der führenden Anbieter von Satelliten-Sendern für Meerestiere. Auf ihrer Website bietet die Firma verschiedene Geräte an, die an Walen angebracht werden können. Die Standardinstrumente für Wale sind sogenannte Limpet-Tags, das sind kleine Sender, die mit einer Armbrust oder einem Luftgewehr an der Rückenflosse außen angebracht werden. Sie senden, wenn das Tier zum Atmen auftaucht. Je nach Ausstattung liefern sie nur Standortdaten oder auch zusätzlich Tiefendaten und ein Tauchprofil. Unklar ist, welcher Sender an dem Wal angebracht wurde. Von der Initiative wie auch von Backhaus’ Umweltministerium hatte es nach der „Freilassung“ zum Teil widersprüchliche Angaben zum Sender gegeben. So hatte Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative, zunächst gesagt, der Sender liefere „Vitaldaten“. Das wäre vergleichbar etwa mit einer Fitnessuhr. Allerdings gibt es keine Sender, die an Walen angebracht werden können und derlei Daten liefern. Backhaus’ Ministerium hatte damals mitgeteilt, von der Initiative sei dem Land zugesichert worden, dass dem Tier durch einen Walexperten ein Peilsender angebracht worden sei und darüber Signale empfangen würden, die nach Aussage der Initiative darauf hindeuteten, dass der Wal lebe und „regelmäßig zum Atmen auftaucht“. An der Darstellung gibt es aber mittlerweile große Zweifel.
