FAZ 25.09.2026
14:51 Uhr

Verbannte Medien: Noch braucht Trump ihre Kameras


Der Ausschluss großer Medien aus dem Weißen Haus hat nicht nur gezeigt, wie aggressiv Präsident Donald Trump die Pressefreiheit angreift. Schnell wurde auch klar, wie wichtig das Fernsehen für ihn noch ist.

Verbannte Medien: Noch braucht Trump ihre Kameras

Donald Trump würde gern die Berichterstattung über sich selbst kontrollieren. Stattdessen gab es für ihn in der vergangenen Woche weniger Fernsehpräsenz als sonst, verhunzten Ton und Sicherheitswarnungen. Zum Beispiel in New York, als der Limousinen-Konvoi des Präsidenten das Gelände der Vereinten Nationen verließ. Eigentlich sollten die Kameraleute vom rechten Nischensender Real America’s Voice Trumps Besuch begleiten, nachdem der Präsident unliebsame Medien verbannt hatte. Doch dabei zeigten sie wohl zu viele Details der Autos. Fernsehteams werden seit Jahrzehnten angewiesen, bestimmte Bilder aus Sicherheitsgründen nicht live zu senden, die etwa verraten, in welchem Wagen der Präsident genau sitzt. Eine peinliche Panne, die andere Medien gern aufgriffen. Real America’s Voice war eingesprungen, nachdem Sender wie CBS und Fox News aus Protest ihre Arbeit in dem Pool-System ausgesetzt hatten, über das sie normalerweise Material miteinander teilen. Hintergrund war Trumps Aussperrung von CNN, MS NOW und „Politico“ aus dem Weißen Haus. Ein Bundesrichter ordnete inzwischen zwar deren Wiederzulassung an. Doch ausgerechnet beim Besuch von Chinas Staatschef Xi Jinping blieb der TV-Pool ebenfalls unbesetzt. Kein Ton für Trump Die anderen Teams wollen erst wieder teilnehmen, wenn das Weiße Haus formell bestätigt, dass CNN seinen Platz zurückerhält. Einige Tage zuvor hatten Sender wie Newsmax bei der Einweihung von Trumps neuem Hubschrauberlandeplatz schon ohne professionellen Ton dagestanden. Der fernsehbesessene Präsident war zu sehen, aber im Motorenlärm nicht zu verstehen gewesen. Trumps Medien-Aussperrung war nicht nur ein Angriff auf die Pressefreiheit. Sie erinnert auch daran, dass der Präsident das Fernsehen braucht, wenn auch nicht für alle Zielgruppen gleich dringend. Trumps Rede zur Lage der Nation etwa sahen im Februar mehr als 32 Millionen Menschen bei 15 Sendern. Die meisten davon waren über 55 Jahre alt, ermittelte Nielsen. In den sozialen Medien spricht Trump noch mehr Menschen an, allein bei Tiktok hat er knapp 17 Millionen Follower und mehrere Hundert Millionen Likes. Das Weiße Haus und viele Ministerien haben online längst den aggressiven Ton der Meme-Kultur übernommen, gehen mit zynischen Videos gegen Einwanderer und Gegner viral. Der Star aus „The Apprentice“ braucht das Fernsehen Trump kann traditionelle Medien wie CNN wegen dieser Reichweite im Netz wohl leichter bekämpfen, als frühere Präsidenten das gekonnt hätten. Aber das heißt nicht, dass das Internet für ihn wichtiger wäre als das Fernsehen, das ihn mit seiner Show „The Apprentice“ einst viel bekannter machte. Noch heute denkt Trump in den Kategorien des Fernsehens, streitet gern über Quoten. Am liebsten hätte er wohl einen eigenen Sender, startete mit Trump TV gerade einen 24-Stunden-Streamingkanal. Nur ist die direkte Verbreitung von Trumps Reden und Auftritten noch keine Garantie für Reichweite. Der Stream hatte anfangs laut dem Magazin „The Daily Beast“ rund 8500 Zuschauer, zeitweise wurden 389 gezählt. Viel erfolgreicher ist die Regierung in den sozialen Medien, und vielleicht denkt Trump deswegen manchmal, dass er die großen Sender nicht mehr braucht. Doch es ist das Fernsehen, das nach wie vor die professionellen Bilder wichtiger Ereignisse produziert, die dann oft als Clips online die Runde machen: Trump neben dem Hubschauber Marine One mit Ton, bei den Vereinten Nationen oder beim Empfang von Besuchern wie Xi. Weil Trump versuchte, Journalisten dafür zu bestrafen, dass sie ihren Job machen, gab es bei der Ankunft des chinesischen Präsidenten am Ende gar keine amerikanischen Live-Bilder. Chinesische Staatsmedien dagegen konnten liefern.