Eine Nachricht aus Ingolstadt vom Donnerstagmorgen: Der FC trennt sich von seiner Trainerin Sabrina Wittmann. Noch am Mittwochabend hatte die Fünfunddreißigjährige mit ihrem Team im Landespokal das Achtelfinale beim TSV Landsberg gewonnen, eine Nacht später reagierte der Klub auf drei Niederlagen in den vergangenen vier Drittligapartien. Unabhängig von der Frage, ob diese Entscheidung richtig oder falsch ist, diese Nachricht ist eine Niederlage für den deutschen Fußball: Im Mai 2024 hatte Wittmann ihren Job in Ingolstadt angetreten, vor ihr hatte es noch nie eine Trainerin einer Profimannschaft im Männerfußball in Deutschland gegeben. Und gerade gibt es auch keine andere. Wittmann und Eta sind nach wie vor Ausnahmeerscheinungen Das sind die Fakten. Und deshalb sollte sich niemand blenden lassen von den Schlagzeilen, Interviews und Kommentaren, die immer dann erscheinen, wenn es eine Frau im Fußball wieder in die erste Reihe geschafft hat. Erst im Frühjahr dieses Jahres war Marie-Louise Eta bei Union Berlin zur ersten Trainerin in der Geschichte der Fußball-Bundesliga aufgestiegen, sie gab ein Interview in „Die Zeit“. Der Titel: „Ich bin kein PR-Gag.“ Nach fünf Spielen war Eta wieder verschwunden, heute steht sie bei den Union-Frauen in der Bundesliga an der Seite. Wittmann und Eta sind nach wie vor Ausnahmeerscheinungen. Sie sind zwei von nur 36 Frauen, die nach Angaben des Deutschen Fußball-Bunds die sogenannte ProLizenz besitzen und somit über die Berechtigung verfügen, im deutschen Fußball eine Profimannschaft zu trainieren. Während es in den vergangenen Jahren also immer mehr Spielerinnen und Schiedsrichterinnen gab, bleibt auf den im Fußball entscheidenden Positionen – auf den Trainerbänken und in den Führungsetagen – vieles beim Alten. Eine Ausnahme bildet der Hamburger SV, der einen Headhunter beauftragt hatte, um unter den Kandidaten für den Sportvorstand den oder die Beste zu finden, und so Kathleen Krüger verpflichtet hat. 36 – diese Zahl stellt eine entscheidende Frage: Unternehmen die Vereine in Deutschland wirklich alles, um mehr Frauen an die Seitenlinie zu bringen? Die Antwort auf diese Frage geht nicht nur Frauen etwas an, ganz im Gegenteil. Vielmehr geht es darum, ob der deutsche Fußball wirklich alles unternimmt, um das Beste aus sich herauszuholen, oder ob nicht ein entscheidender Anteil des Potentials nicht genutzt wird. Weil die Zugänge eben doch nicht für alle gleich sind, weil die Chancen für Männer noch immer größer und für Frauen kleiner sind. Der Fußball-Weltverband FIFA fordert von den Teilnehmern, die künftig an einem Frauenturnier teilnehmen, dass sie eine Frau als Cheftrainerin oder Assistentin beschäftigen müssen – auch bei der WM 2027. Bundestrainer Christian Wück wird von Maren Meinert und Saskia Bartusiak unterstützt. Alles gut? Von wegen: In der Frauen-Bundesliga stehen vier Trainerinnen und zehn Trainer an der Seitenlinie. Dass dies an dieser Stelle noch immer erwähnt werden muss, ist ein Problem.
