FAZ 30.09.2026
15:08 Uhr

US-Abzug: Trump überlässt den Iranern ein Schlüsselland


Der Präsident zieht aus dem Irak ab, die mit Teheran verbündeten Milizen bleiben. Nur er kann das für eine Politik der Stärke halten.

US-Abzug: Trump überlässt den Iranern ein Schlüsselland

Die Amerikaner sind 2011 schon einmal aus dem Irak abgezogen, nur um drei Jahre später wieder zurückzukehren. Es ist also nicht gesagt, dass der Irak 23 Jahre nach Bushs Einmarsch, der zu einer Katastrophe für das Land wie die Region wurde, den letzten US-Soldaten gesehen hat. Das gilt selbst unter Trump, der einmal angetreten war, um Amerikas ewige Kriege zu beenden. In Iran setzt er die Tradition unüberlegter Interventionen im Nahen Osten fort, die so viel zur militärischen und politischen Überdehnung der Weltmacht beigetragen haben. In dem Bürgerkrieg, der auf den Sturz Saddam Husseins folgte, sind im Laufe der Jahre nach Schätzungen Hunderttausende Iraker getötet worden, außerdem Tausende amerikanische Soldaten. Auch mit dem US-Abzug bleiben die Aussichten für das Land prekär, dessen konfessionelle und ethnische Trennlinien fortbestehen. Der Kampf gegen den IS Der „Islamische Staat“, den die amerikanischen Truppen nach ihrer Rückkehr bekämpfen sollten, ist geschwächt, aber nicht besiegt. Vor allem aber ist ungewiss, was nun mit den schiitischen Milizen geschieht, die bisher nicht aufgelöst sind. Sie sind Irans Machtmittel im Nachbarland, die Teheraner Führung nutzt sie im Krieg gegen die USA zu Angriffen gegen amerikanische Stellungen in der gesamten Region. Hier offenbart sich wieder Trumps strategische Kurzsichtigkeit. Er überlässt ein arabisches Schlüsselland den Iranern, so wie er die Saudis im Kampf gegen die Huthi im Stich lässt. Er hält das für eine Politik der Stärke. Amerikas Gegner werden es nicht tun.