Noch vor dem Sommer könnte Kanada einen U-Boot-Auftrag für mehr als 30 Milliarden Euro vergeben – und TKMS könnte der große Profiteur sein. „Ich gehe davon aus, dass wir das gewinnen werden“, sagte TKMS-Vorstandschef Oliver Burkhard bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Geschäftshalbjahr, das am 31. März endete. Zwar ist auch noch der südkoreanische Schiffbauer Hanwha Ocean im Rennen, doch TKMS hat aus Burkhards Sicht einige entscheidende Vorteile. Der eine ist das Tempo: Für den Kieler Werftkonzern ist das angebotene U-Boot der Klasse 212 CD quasi schon ein Serienmodell, denn für Deutschland und Norwegen werden schon zwölf Boote gebaut. Zudem ist damit die problemlose Einbettung in NATO-Operationen gewährleistet. „Ein Industriepaket, das seinesgleichen sucht“ Der andere Vorteil sind die Nebenleistungen: „Deutschland hat ein Industriepaket geschnürt, das seinesgleichen sucht“, sagte Burkhard. Sowohl die Industrie wie auch die Politik hätten ganze Arbeit geleistet. Verhandelt wurde über zahlreiche Investitions- und Liefervorhaben, die sicherstellen sollen, dass Deutschland nicht einseitig von der kanadischen Aufrüstung profitieren würde. Auch Südkorea hat umfangreiche Zusagen gemacht, ist aber offenbar im Hinblick auf die Vertragsgestaltung in Zeitverzug. „Ich rechne damit, dass die Entscheidung noch im ersten Halbjahr fallen könnte“, sagte Burkhard in der digitalen Pressekonferenz. TKMS rechnet zudem fest mit einem Großauftrag aus Indien. Hier geht es um die Entwicklung und Lieferung von Materialpaketen für sechs, möglicherweise sogar neun U-Boote, die in Indien produziert werden würden. Es seien noch einige Regularien innerhalb Indiens zu regeln, TKMS sei aber der einzige verbliebene Bieter, ordnete der Vorstandschef ein. Auch die Vergabe der Fregatte F127 wird noch dieses Jahr erwartet Von finalen Verhandlungen sprach TKMS-Chef Burkhard auch mit Blick auf den Bau von Mehrzweckfregatten Meko A-200 DEU für die Bundeswehr. Mit einer Abschlagszahlung von knapp einer Viertelmilliarde Euro habe man das Projekt schon vorangetrieben und könnte die erste Fregatte im Jahr 2029 ausliefern, stellte TKMS in Aussicht. Damit würde die Fähigkeitslücke verkleinert, die durch jahrelange Verzögerungen beim Bau der Fregatte F126 entstanden sei. Ungeachtet dessen rechnet Burkhard noch dieses Jahr mit der Vergabe des Auftrags für die Fregatte F127. Für dieses Projekt hatte TKMS ein Gemeinschaftsunternehmen mit NVL, mittlerweile ein Teil des Rheinmetall-Konzerns, gegründet. TKMS hält Ausschau nach zusätzlichen Produktionskapazitäten. Aktuell sei man mit dem spanischen Werftkonzern Navantia in Gesprächen, der im Gegensatz zu TKMS nicht ausgelastet sei. „Im Sommer sehen wir weiter“, berichtete Burkhard. Bis dahin werde es noch einige Expertenrunden geben. In seinen Augen wäre eine europäische Konsolidierung nötig nach dem Vorbild der Luftfahrtbranche, wo Airbus durch Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg zu einem schlagkräftigen Wettbewerber für Boeing aufgebaut wurde. „Die Idee ist, dass jedes Land sich auf eine Sache konzentriert, die man dort gut kann. An der Industrie wird das nicht scheitern.“ Trotz aller Wachstumschancen gehe es um eine bedachte Entwicklung, betonte Burkhard mehrmals. Durch disziplinierte Abarbeitung und besonderes Augenmerk auf Beschleunigung habe man sich eine besondere Position erarbeitet. Für die ordnungsgemäße Abwicklung des Orderbuchs soll künftig Andreas Görgen verantwortlich sein, der am 15. Mai den neuen Posten des Chief Operating Officer antritt. Die Anleger sind offenbar nicht sicher, ob die Strategie aufgeht. Der Aktienkurs sackte am Montag um mehr als sechs Prozent auf Werte unter 75 Euro ab. Im Februar hatte das erst seit Herbst börsennotierte Unternehmen einen Höchstkurs von 102,90 Euro erreicht. Die Mehrheit von TKMS liegt bei Thyssenkrupp. Am Ende des ersten halben Geschäftsjahrs 2025/26 hat TKMS einen Auftragsbestand von 20,6 Milliarden Euro erreicht. Darin enthalten sind „Altprojekte“, die mit deutlich schlechteren Renditeerwartungen einhergehen als neue Abschlüsse. TKMS-Finanzvorstand Paul Glaser bekräftigte die Prognose, in diesem Jahr eine Umsatzrendite von mehr als sechs Prozent und mittelfristig von mehr als sieben Prozent zu erreichen, gemessen am bereinigten Ebit (Ergebnis vor Zinsen und Steuern). Der Umsatz im zweiten Quartal lag mit knapp 1,2 Milliarden Euro um rund ein Zehntel über dem Vorjahresniveau, das bereinigte Ebit stieg von 53 auf 60 Millionen Euro, was einer Ebit-Marge von 5,1 Prozent entspricht.
