Spanische Sicherheitskräfte haben bei zwei Operationen auf hoher See insgesamt mehr als 41 Tonnen Kokain beschlagnahmt. In einem Fall war es mit mehr als 30 Tonnen die größte Menge Kokain, die bei einer einzigen Polizeiaktion auf der Welt sichergestellt wurde, wie der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska mitteilte. Er informierte am Freitag in Madrid über die beiden „Makro-Operationen“ im Atlantik, bei denen auch 8,5 Tonnen Haschisch, rund 72.000 Liter Benzin sowie etwa 20 Schiffe, Fahrzeuge und Waffen sichergestellt wurden. Insgesamt 77 Personen wurden im Zusammenhang mit diesen Operationen festgenommen. Der Minister sprach von einem „durchschlagenden und entscheidenden strategischen Erfolg“ an der sogenannten Atlantikfront, der auch die gefürchtete Mocro-Mafia aus den Niederlanden treffe. Das sei nur durch internationale Kooperation möglich. „Wir verfügen nun über die Informationen und Fähigkeiten, um umfassende Operationen zu entwickeln, die in der Lage sind, gleichzeitig die Transportwege, die logistische Infrastruktur und die Finanzierungsmechanismen des organisierten Verbrechens anzugreifen“, sagte Marlaska. Bei der Operation „Abisal“ beschlagnahmten demnach spanische Sicherheitskräfte mit amerikanischer und niederländischer Unterstützung am 1. Mai auf einem Frachtschiff vor der Küste der Westsahara transportierte 1279 Bündel Kokain mit einem Gewicht von mehr als 30 Tonnen und einem geschätzten Straßenverkaufswert von mehr als 812 Millionen Euro. Außerdem fanden sie 45.000 Liter Benzin, das vermutlich zum Betanken der Schnellboote bestimmt war, die später die Drogen abholen und zur Küste transportieren sollten. Das Schiff legte in Sierra Leone ab Laut Marlaska legte das unter der Flagge der Komoren fahrende Frachtschiff Arconian vor der Küste Westafrikas ab. Der Ursprung des Kokains liege jedoch woanders, sagte der spanische Innenminister, ohne das näher zu erläutern. Das endgültige Ziel müsse auch „nicht zwangsläufig Spanien“ sein. Es hatte geheißen, das Schiff sei von Sierra Leone auf dem Weg nach Libyen. Die Polizei eskortierte es nach Las Palmas de Gran Canaria. In Spanien wird die Mocro-Mafia, ein Netzwerk organisierter Drogenkriminalität aus den Niederlanden, hinter dem Schmuggel vermutet. So wurden an Bord neben den 17 meist philippinischen Besatzungsmitgliedern sechs bewaffnete Niederländer festgenommen. In Sierra Leone hält sich nach Erkenntnissen niederländischer Ermittler einer der am meisten gesuchten Kriminellen des Landes auf. Jos Leijdekkers war 2023 in Abwesenheit zu 24 Jahren Haft verurteilt worden. Der Rauschgiftboss mit dem Spitznamen „Bolle Jos“ soll umfangreiche Kokainlieferungen organisiert und einen Mord in Auftrag gegeben haben. Er wird jedoch von Sierra Leone nicht ausgeliefert und scheint unter dem Schutz der Regierung zu stehen. Die zweite Operation (Alfa-Lima) fand nach Angaben des Innenministeriums zwischen dem 13. und 26. April ebenfalls an verschiedenen Orten wie den Häfen von Ceuta und Algeciras sowie in Huelva, Cádiz, Málaga, Almería und Murcia statt. Sie führte zu 54 Festnahmen. Das zerschlagene Netzwerk verfügte demnach über 8,5 Tonnen Haschisch, knapp elf Tonnen Kokain und 21 Kilogramm Marihuana, fast 30.000 Liter Benzin für 18 Boote und zwei Landfahrzeuge. Die Aktion begann nach einem Hinweis der italienischen Polizei. Zwischen den Azoren und den Kanarischen Inseln wurden Drohnen, zehn Flugzeuge und zahlreiche Schiffe in einer Hochseeoperation eingesetzt. Ein Beamter der Guardia Civil kam ums Leben „Die Operation Alfa-Lima war auch deshalb ein Erfolg, weil sie unseren Sicherheitskräften ein besseres Verständnis der Funktionsweise internationaler Drogenhandelsnetzwerke vermittelt hat“, sagte der Innenminister. Sie habe zudem gezeigt, wie eng inzwischen Spanien, Italien, die USA, Großbritannien und Portugal zusammenarbeiteten. Wie gefährlich solche Aktionen sind, wurde am Freitag deutlich. Bei der Verfolgung eines Drogenschmugglerbootes in Huelva kam ein Beamter der Guardia Civil ums Leben. Schon seit einiger Zeit waren die beschlagnahmten Kokainladungen immer umfangreicher geworden. Kurz nach Jahresbeginn entdeckte die Polizei auf einem Frachtschiff westlich der Kanareninsel El Hierro knapp zehn Tonnen. Im Oktober 2024 war im Hafen von Algeciras die bisher größte Menge an Land beschlagnahmt worden. Versteckt in einem Container mit Bananen aus Ecuador entdeckten die Nationalpolizei und der Zoll im Hafen von Algeciras 13 Tonnen Kokain. Die Schmuggler setzen zudem Drogen-U-Boote ein. Fünf Besatzungsmitglieder waren im März 2025 mit 6,5 Tonnen Kokain auf dem Weg nach Europa, bevor portugiesische Sicherheitskräfte 500 Seemeilen südlich der portugiesischen Azoren zuschlugen. An der internationalen Aktion waren auch amerikanische, britische und spanische Ermittler beteiligt. Zuvor waren solche Boote, die nicht komplett abtauchen, nur in der Nähe der spanischen Küste abgefangen worden. Laut Presseberichten war das gestoppte Boot mit einer Fracht im Wert von rund 280 Millionen Euro von der brasilianischen Atlantikküste auf dem Weg in Richtung der portugiesischen Hafenstadt Sines, vor der das Kokain offenbar auf Schnellboote umgeladen werden sollte.
