FAZ 24.03.2026
07:30 Uhr

Test findet Mutagene: Neue Hinweise auf Krebsgifte in Lebensmitteln und Kosmetika


Rotes Fleisch und Soßen, die rauchig schmecken, sind schlecht für die DNA: Diese Vermutung sehen Gießener Forscher durch ein von ihnen entwickeltes Testverfahren bestätigt.

Test findet Mutagene: Neue Hinweise auf Krebsgifte in Lebensmitteln und Kosmetika

Forscher der Uni Gießen haben mit einem neuen Testverfahren weitere Hinweise gefunden, dass bestimmte Lebensmittel sowie Raucharomen, Pflegeprodukte und aufbereitetes Wasser Zellgifte enthalten. Die Toxikologen wandten eine Screeningmethode an, die nach ihren Angaben anzeigt, ob einzelne Stoffe in einem komplexen Substanzgemisch das Erbgut verändern können, also mutagen wirken. Zudem lasse sich mit dem Verfahren in einer Simulation darstellen, wie diese Stoffe in der menschlichen Leber abgebaut würden. Mit dem sogenannten planaren Bioassay-Verfahren könnten Mutagene auch dann nachgewiesen werden, wenn ihre chemische Struktur noch nicht bekannt sei. So ließen sich auch bisher unentdeckte Risiken identifizieren. Die Versuche mit der neuen Methode stützten unter anderem das Verbot von Raucharomen in Chips, Soßen und Fertigsuppen durch die EU. „Auch die Einstufung von rotem Fleisch als ‚wahrscheinlich karzinogen für den Menschen‘ durch die Internationale Agentur für Krebsforschung wird durch unsere Daten untermauert“, sagt Gertrud Morlock, Professorin für Lebensmittelwissenschaften an der Liebig-Uni. Grundsätzlich sollten Menschen so wenig wie möglich mit Mutagenen in Kontakt kommen, auch wenn schwer nachzuweisen sei, welche Effekte diese Schadstoffe im Einzelnen auf Körper und Umwelt hätten. Auch in Pflegeprodukten haben die Gießener Forscher potentiell erbgutverändernde Substanzen gefunden. Laut Morlock ist es möglich, dass diese Stoffe der Bakterienflora der Haut und auch dem Körper schaden, vor allem, wenn sie über Verletzungen in die Blutbahn gelangten. „Da viele Alltagsprodukte häufig genutzt werden, ist es dringend notwendig, dass sie sicherer werden“, meint Morlock. Das neue Verfahren ermögliche es, Schadstoffe in diesen Produkten zu entdecken und zu reduzieren. Die entdeckten Mutagene könnten weiter untersucht und identifiziert werden, um ihre Herkunft aufzuklären. „Daraus lassen sich Wege zur Vermeidung dieser Stoffe ableiten.“