FAZ 08.05.2026
15:59 Uhr

Test: Toyota Corolla Cross: Überzeugend durchschnittlich


Hier geht es nicht um Leidenschaft, sondern um Vernunft: Der Toyota Corolla Cross ist ein sparsames SUV ohne große Schwächen. Nur sportlich fühlt man sich darin nicht.

Test: Toyota Corolla Cross: Überzeugend durchschnittlich

Wenn ein Auto von sich behaupten darf, es sei das meistverkaufte der Welt, muss etwas dran sein, der Geschmack der Massen kann nicht irren. Zur Wahrheit gehört freilich auch, dass Toyota unter dem Namen Corolla seit einem halben Jahrhundert völlig unterschiedliche mehr oder weniger kompakte Fahrzeuge anbietet. Und im Gegensatz zur Konkurrenz trägt die SUV-Variante keine eigene Modellbezeichnung, sondern nur das Anhängsel Cross. Halten wir trotzdem mal fest, dass viele Leute dieses Auto haben möchten. Die Frage ist, warum? Nach der jüngsten Überarbeitung im vergangenen Jahr sieht der Corolla immer noch aus wie ein beliebiger Japaner der Golf-Klasse, erst auf den zweiten Blick poppt der Gedanke auf, das könnte ein Toyota sein. Der Kühlergrill wirkt nicht mehr so monströs wie vor der Retusche, die Front ist etwas weicher gezeichnet. Mit Blick auf die inneren Werte wurde der Antrieb neu abgestimmt, als Systemleistung sind jetzt 178 PS statt 197 im Vorgänger angegeben. Den EU-Piepser schnell abtöten Im Innenraum schweift der Blick über wenig weichen Kunststoff und viel Hartplastik, das aussieht, als wäre es weich. Die Darstellung des großen Zentraldisplays wirkt immer noch schlicht, die Armaturen sind sachlich gestaltet, die Bedienung ist selbsterklärend, sobald man sich mit den Abkürzungen vertraut gemacht hat. Erfreulich sind die Knöpfe und Kippschalter, und am Display lässt sich durch Druck auf ein Icon der lästige EU-Geschwindigkeitspiepser abtöten. Die Sitze sind bequem mit wenig Seitenführung, der Fahrer genießt eine elektrisch verstellbare Lordosenstütze, und zum Preis des Testwagens von rund 41.000 Euro in der Variante Teamplayer ist auch sonst von der Lenkradheizung bis zum Spurhalteassistenten alles dran, was ein Auto heute braucht. Insgesamt ist der Corolla Cross faszinierend unspektakulär, ein Auto ohne Macken, aber auch ohne Höhepunkte. Mit diesem Eindruck fährt man los. Der Antrieb ist ein typischer Toyota-Hybrid, ein starker Zwei-Liter-Benziner mit 133 PS wird von einem starken Elektromotor mit 113 PS unterstützt, die kleine Batterie wird während der Fahrt immer wieder aufgeladen, eine Steckdose gibt es nicht. Wann gerade wer von beiden wie viel beiträgt, regelt der Corolla nach Gutdünken, der Fahrer hat darauf ebenso wenig Einfluss wie auf die Rekuperation, die nur dezent spürbar ist. Eine EV-Taste gibt es zwar, doch rein elektrisches Fahren beschränkt sich auf ein paar Meter im Parkhaus. Der Corolla fährt aber regelmäßig elektrisch an und wechselt immer wieder in den Elektromodus. Die Übergänge sind fließend, nur bei langsamer Fahrt fühlt der Fahrer, wenn der Verbrenner etwas brummig anspringt, die Abstimmung ist gut gelungen. Sportliches Gefühl kommt nicht auf Außerdem wurde die Dämmung verbessert, bis in hohe Geschwindigkeiten ist der Corolla recht leise, bei 180 km/h wird sanft abgeregelt. Dass die Systemleistung etwas reduziert wurde, ist in der Praxis kaum zu merken, bei Bedarf stürmt der Hybrid eindrucksvoll los. Ein sportliches Gefühl kommt trotzdem nicht auf, das ganze Auto schreit danach, vernünftig gefahren zu werden. Toyota kombiniert den Hybridantrieb mit einem stufenlosen Getriebe und verzichtet auf virtuelle Gangstufen. Den Unkundigen beschleicht auf den ersten Metern das Gefühl, mit einer defekten Kupplung unterwegs zu sein – erst jubelt der Motor hoch, dann setzt der Vortrieb ein. Der schlüpfrige Eindruck ist indes nicht mehr gar so schlimm wie in früheren Jahren. Man gewöhnt sich daran. Und wird mit einer beeindruckenden Effizienz belohnt. Im Stadtverkehr oder beim Bummeln über die Landstraße zeigt der Bordcomputer bisweilen einen elektrischen Anteil von bis zu 80 Prozent an. Der Strom muss zwar zuvor vom Auto aus Treibstoff produziert werden, aber immerhin lässt sich so ein Minimalverbrauch von vier Litern erreichen, im Durchschnitt sind es fünf bis sechs. Der Corolla Hybrid Cross taugt damit als Argument gegen jene, die über versoffene SUV schimpfen. Nur braucht ein richtiges SUV Allradantrieb. Jener wird durch einen zweiten Elektromotor an der Hinterachse für rund 2400 Euro zusätzlich erreicht, die Systemleistung bleibt gleich. Das ist eine Überlegung wert.