Das Bild sieht dramatisch aus: Ein Wohnhochhaus steht vollständig in Flammen. Es sieht wie eine Fackel aus – und so lautet auch der Titel des Frankfurt-Tatorts, der am Sonntagabend Premiere in der ARD hat. Im Krimi sterben 13 Menschen; der Fall erinnert an den Brand des Grenfell Towers in London, bei dem 2017 insgesamt 72 Personen ums Leben kamen. Die Kommissare Maryam Azadi und Hamza Kulina befassen sich mit einem fiktiven Fall. In der Realität sind Brandschützer, Bauindustrie und Vermieter dennoch besorgt, dass Hochhäuser wegen des Fernsehkrimis als unsicher gelten könnten. Das Deutsche Institut für vorbeugenden Brandschutz (DIvB) und die ABG Frankfurt Holding versuchen in einer gemeinsamen Mitteilung zu beruhigen: Für Hochhäuser in Deutschland gälten strenge rechtliche und technische Vorgaben. Wesentliche Bauteile müssten aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen. Hohe Sicherheitsstandards in Deutschland „Die Muster-Hochhaus-Richtlinie sorgt dafür, dass gerade für diese anspruchsvollen Gebäudearten hohe Sicherheitsstandards gelten, vom baulichen Rettungsweg über Sicherheitstreppenräume bis hin zu Brandmelde-, Alarmierungs- und Löschanlagen“, erläutert Axel Haas, Geschäftsführer des DIvB. Mit zunehmender Gebäudehöhe stiegen die Anforderungen an die Feuerwiderstandsfähigkeit tragender und aussteifender Bauteile. Hinzu kämen detaillierte Vorgaben für Rauchableitung, Löschwasserversorgung, Aufzüge, Installationsschächte, Sicherheitsbeleuchtung und Blitzschutz. Als der Grenfell Tower brannte, hätten in Großbritannien noch nicht so strenge Vorschriften wie in Deutschland gegolten. In Frankfurt gibt es eine dreistellige Zahl von Wohngebäuden, die in die Kategorie Hochhaus fallen, also höher als 22 Meter sind. 47 davon gehören der städtischen ABG Holding, die meisten davon wurden schon vor Jahrzehnten gebaut. Dennoch müssten sie heute energieeffizient sein, sagt ABG-Geschäftsführer Frank Junker. Dämmung sei dafür ein wichtiger Baustein. „Werden alle geltenden Vorschriften eingehalten, geht von ihr keine Gefahr für die Menschen aus, die in diesen Gebäuden wohnen.“ Der Fernsehfilm hat bereits vor der Erstausstrahlung eine Debatte über die Fassadendämmung mit Hartschaumelementen aus Polystyrol ausgelöst. Im Krimi geht es um die Vermutung, der Brand sei durch billiges und falsch verbautes Dämmmaterial begünstigt worden. Nach Ansicht von Serena Klein, Geschäftsführerin des Industrieverbandes Hartschaum (IVH), wird dadurch aber ein „baufachliches Zerrbild“ erzeugt. „Tatsächlich entstehen Brände nicht isoliert durch Baumaterialien, sondern durch Fehler im Gesamtsystem – etwa in Planung, Ausführung oder Kontrolle.“ Am Grenfell Tower sei kein Polystyrol-Dämmstoff an der Fassade eingesetzt worden. Der Tatort leiste daher einen Beitrag zur Mythenbildung. Am Grenfell Tower wurde den polizeilichen Untersuchungen zufolge zwar tatsächlich am Baumaterial gespart. Verbaut wurden Elemente aus Aluminium und Polyethylen, die nicht ausreichend feuerfest sind. Polystyrol, das auch unter dem Markennamen Styropor bekannt ist, wurde nicht verwendet. Schon nach dem Brand in London vor neun Jahren hatte der damalige Frankfurter Feuerwehrchef Reinhard Ries im F.A.Z.-Interview betont, dass Ähnliches in Deutschland nicht passieren könne.
