Von neuen Konkurrenten lässt sich C. C. Wei, der Vorstandschef von TSMC, nicht so leicht beeindrucken – nicht einmal von Elon Musk. Der Tech-Milliardär hinter Konzernen wie Tesla und SpaceX hatte kürzlich angekündigt, dass er angesichts des knappen Angebots und der rasant gestiegenen Preise selbst in die Produktion von Hochleistungschips einsteigen könnte. „Ich würde nur ‚Viel Glück‘ zu Elon Musk sagen“, sagte Wei nun auf der Hauptversammlung des Unternehmens im taiwanischen Hsinchu auf die Frage eines Aktionärs zu den Plänen des Amerikaners. Es werde ziemlich lange dauern, bis diese realisiert wären. TSMC ist der mit Abstand größte Auftragsfertiger von Halbleitern für alle großen Technologiekonzerne der Welt und gilt vor allem in den für die Künstliche Intelligenz benötigten Hochleistungschips als technologisch weit voraus. Entsprechend selbstbewusst zeigte sich Wei auch gegenüber Ankündigungen etwa von Intel und Samsung Electronics, größer in das Geschäft mit Auftragsfertigung einzusteigen. „In den vergangenen 30 bis 40 Jahren haben wir uns stets allen möglichen Wettbewerbern gestellt. Wir haben keine Angst vor Konkurrenz“, sagte Wei. „In der Vergangenheit, denke ich, haben wir gewonnen, und ich glaube, wir werden weiterhin gewinnen.“ Intel gehöre immer noch zu den zehn größten Kunden von TSMC, sagte Wei weiter. „Wir möchten mit ihnen Geld verdienen und werden gleichzeitig unser eigenes geistiges Eigentum und unsere Geschäftsgeheimnisse schützen.“ „Wird lange dauern, bis wir die Kundennachfrage erfüllen können“ Die riesige Nachfrage nach KI-Halbleitern treibt die Geschäfte von TSMC, die über die modernsten Fertigungsanlagen für solche Chips verfügt. Vor allem der Bau von Rechenzentren für die Verarbeitung der komplexen KI-Aufgaben beflügelt die Nachfrage. In dieser Woche haben auf der Computex-Messe in Taipeh aber auch viele Konzerne in anderen Feldern große KI-Pläne angekündigt, allen voran Nvidia-Chef Jensen Huang, der entsprechende Chips auf Windows-PCs aller großen Hersteller ausrollen will. TSMC-Chef Wei gestand ein, dass der Konzern noch auf Jahre hinaus nicht die gesamte, in erster Linie von den amerikanischen Tech-Konzernen generierte Nachfrage bedienen können werde, und das, obwohl dort in den nächsten Jahren mehrere neue Werke in Betrieb gehen sollen. Neben dem ersten im Jahr 2024 eröffneten TSMC-Werk in Arizona sind fünf weitere im Bau oder in der Planung. Laut jüngsten Medienberichten soll der Konzern darüber hinaus noch den Bau vier weiterer Werke in den Vereinigten Staaten prüfen. „Es wird lange dauern, bis wir die Kundennachfrage erfüllen können“, sagte Wei. Trotz der Lieferengpässe wolle TSMC keine abrupten Preissteigerungen durchsetzen. Ihm sei an stabilen, vertrauensvollen Verbindungen zu seinen Kunden gelegen, sagte Wei. Zugleich kritisierte er die „Speicherchip-Leute“, also die Hersteller von Speicherchips wie die koreanischen Unternehmen Samsung und SK Hynix oder Kioxia aus Japan. Diese profitieren gerade stark von der Knappheit am Speicherchipmarkt, die ebenfalls eine Folge des KI-Booms ist und wichtige Bauteile von Unterhaltungselektronik wie PCs und Spielekonsolen zuletzt stark verteuert hat. „Wir werden die Preise nicht erhöhen wie bei Speicherchips – plötzlich um 400 Prozent in kurzer Zeit“, sagte Wei und fügte lächelnd hinzu: „Auch wenn ich ihre Bruttomargen von 80 Prozent beneide, werden wir das nicht tun.“ Mitarbeiter bekommen 30 Prozent mehr Boni Die Geschäfte des Konzerns aus Hsinchu laufen trotzdem glänzend. Im ersten Quartal dieses Jahres hatte TSMC mit 572 Milliarden Neuen Taiwan-Dollar (15,6 Milliarden Euro) fast 60 Prozent mehr Gewinn gemacht als im Vorjahreszeitraum. Für das laufende Jahr bekräftigte Wei die vor wenigen Wochen angehobene Prognose von mehr als 30 Prozent mehr Umsatz. Auch die Boni für die Mitarbeiter sollten um 30 Prozent steigen, sagte Wei vor den Aktionären auf der Hauptversammlung. Damit dürften die TSMC-Beschäftigten allerdings deutlich weniger bekommen als die des koreanischen Chipherstellers Samsung. Dort hatten die Mitarbeiter sich kürzlich in harten Tarifverhandlungen einen durchschnittlichen Bonus von umgerechnet 340.000 Euro erstritten. Bei TSMC hatten die durchschnittlichen Bonuszahlungen laut lokalen Medienberichten im vergangenen Jahr bei 72.000 Euro gelegen. TSMC hatte den Topf für die Bonuszahlungen prozentual sogar verkleinert, was zu Protest innerhalb der Belegschaft führte. Der Anteil des Gewinns, der für Mitarbeiterprämien vorgesehen ist, wurde von zuvor zwölf auf zehn Prozent reduziert. Als Begründung dafür nennt der Konzern die hohen Investitionen, die unter anderem in die neuen Fabriken fließen sollen. Im laufenden Geschäftsjahr will TSMC bis zu 56 Milliarden Dollar investieren. Darüber hinaus solle mehr Geld in Nachhaltigkeitsinitiativen fließen, wie es im Rahmen der Hauptversammlung hieß. Dahinter dürften vor allem Investitionen in erneuerbare Energien stecken. TSMC versucht, sich unter anderem durch Off-Shore-Windparks weniger abhängig von importierten Energieträgern zu machen. Bis zum Jahr 2040 will der Konzern 100 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien beziehen.
